Eine internationale Studie unter Führung des UKW und der kanadischen Queen’s University zeigt, dass hoch­dosiertes Vitamin C bei schweren Verbrennungen keinen Nutzen bringt. Die Ergebnisse stellen bisherige Empfehlungen infrage.

Vitamin C bringt bei schweren Verbrennungen nichts

Schwere Verbrennungen zählen zu den anspruchsvollsten Herausforderungen der Intensivmedizin. Sie lösen im Körper massive Entzündungsreaktionen aus und führen zu erheblichem oxidativem Stress. Weil Vitamin C als starkes Anti­oxidans gilt, wurde die hochdosierte intravenöse Gabe seit Jahrzehnten als vielver­sprechende unterstützen-de Therapie diskutiert. Kleinere Studien hatten Hinweise auf positive Effekte geliefert, etwa einen ­geringeren Flüssig­keits­bedarf der Betroffenen. Eine belastbare wissenschaftliche Grundlage für den routinemäßigen Einsatz fehlte bislang jedoch. Diese Lücke schließt die inter­nationale VICToRY-Studie (Vitamin C in Thermal injury), die vom UKW gemeinsam mit der Queen’s Uni­versity in Kingston/Kanada geleitet wurde. Die Ergebnisse wurden im Juni 2026 im Fachjournal JAMA veröffentlicht. Kein Nutzen, aber mögliche Risiken An der randomisierten klinischen Studie nahmen in 24 spezialisierten, inter­nationalen Zentren 238 Erwachsene mit schweren Verbrennungen teil, die min­destens 20 Prozent ihrer Körper­ober­fläche betrafen. Sie erhielten entweder hochdosiertes ­Vitamin C oder ein Placebo. Die Auswertung ergab keinen Vorteil für die Vitamin-C-Gruppe – weder das Überleben noch die Organ­funktion konnten verbessert werden. Im ­Gegenteil: Während in der Placebo­gruppe 7,6 Prozent der Patientinnen und Patienten innerhalb der ersten 28 Tage starben, lag der Anteil in der Vitamin-C-Gruppe bei 15 Prozent. Auch während des gesamten Krankenhausaufenthalts zeigte sich eine höhere Sterblichkeit. Zudem mussten die mit Vitamin C behandelten Personen häufiger eine Nierenersatztherapie erhalten. Aufgrund dieser Entwicklung wurde die Studie nach einer geplanten Zwischen­analyse vorzeitig beendet. Laut Studien­leiter Prof. Dr. Christian Stoppe, Oberarzt an der Klinik für Anästhesio­logie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie des UKW, sind die Ergebnisse eindeutig: „Die Therapie ist nicht wirksam und möglicherweise sogar schädlich. Sie sollte daher nicht routinemäßig eingesetzt werden.“ Am UKW waren neben Stoppe auch Dr. Ellen Dresen, wissenschaftliche Mitar­beiterin und Koordinatorin des Projekts, Prof. Dr. Patrick Meybohm, Direktor der Klinik für Anästhesio­logie, sowie Carina Güttler, verantwortlich für das Studien­management und die Koordination der deutschen Zentren, maßgeblich an der Durchführung beteiligt.

„Die Therapie ist nicht wirksam und möglicher­weise sogar schädlich. Sie sollte daher nicht routinemäßig eingesetzt werden.“

Prof. Dr. Christian Stoppe

Antibabypille beeinflusst Impf­antwort nicht

Beeinflusst die Antibabypille die Wirkung von Impfungen? Eine große Studie des UKW liefert hierzu be­ruhigende Ergebnisse: Bei mehr als 1.000 Frauen fanden Forschende keinen Hinweis darauf, dass orale Kontrazeptiva die Immunantwort nach Covid-19-Boosterimpfungen relevant verändern. Grundlage war die prospektive CoVacSer-Studie, in der über 1.800 Beschäftigte des Gesundheits­wesens mehrere Jahre immuno­logisch begleitet wurden. Für die aktuelle Analyse untersuchte das Team 1.061 Frauen zwischen 18 und 50 Jahren, von denen rund 20 Prozent orale Kontrazeptiva einnahmen. Verglichen wurden sowohl die Antikörperantwort als auch die T-Zell-Immunität vor und nach der dritten beziehungsweise vierten Covid-19-Impfung. Bei keinem dieser Parameter zeigte sich ein statistisch ­signifikanter Einfluss der Ver­hütungs­mittel. In die statistischen Modelle flossen unter anderem ­Alter, Body-Mass-Index, Impfstoff und frühere SARS-CoV-2-Infek­tionen ein. Die im Juli 2026 im Fachjournal „npj Vaccines“ veröffentlichten Ergebnisse helfen, bestehende Un­sicherheiten wissen­schaftlich einzuordnen. Aller­dings konnten Unterschiede zwischen einzelnen Verhütungspräparaten oder mögliche Einflüsse des Menstruations­zyklus nicht untersucht werden. Diese Fragen sollen weitere Studien klären.

„Unsere Ergebnisse zeigen keinen rele­vanten Einfluss oraler Kontrazeptiva auf die Immunantwort nach Covid-19-Booster­impfungen.“

Dr. Isabel Wagenhäuser Erstautorin der Studie

Neue Perspektive für die Schlaganfall­therapie

Bei einem Schlaganfall zählt jede Minu­te: Solange ein Blutgefäß im Gehirn ver­schlossen ist, sterben Nervenzellen ab. Forschende des UKW haben gemein­sam mit der Medizinischen Fakultät der Universität Bonn einen Ansatz ge­funden, mit dem sich dieser Prozess mög­­licherweise schon vor der Wie­der­eröffnung des Gefäßes bremsen lässt.

Beteiligt waren am UKW Arbeits­gruppen der Neurologie, des Instituts für Diagnostische und Interven­tio­nelle Neuroradiologie sowie der Experi­­men­tellen Biomedizin. Fortschreiten des Hirninfarkts kann verlangsamt werden Im Mittelpunkt steht das NLRP3-Inflammasom – ein Bestandteil des Immunsystems, der Entzündungs­reak­­tionen steuert. In experimen­tel­len Modellen konnte das Team zei­gen, dass dessen gezielte Hemmung die Ent­zündung abschwächt und das Fort­schreiten des Hirn­infarkts bereits während des Gefäßverschlusses ver­langsamt. Erstmals gelang zudem der direkte Nachweis von NLRP3 bei Menschen während eines akuten Schlaganfalls. Dafür gewannen die interventio­nel­len Neuroradiologen des UKW währ­end routinemäßiger Thrombekto­mi­en win­zige Blutproben direkt aus dem be­troffenen Hirngebiet. Die Anzahl NLRP3-­positiver Immun­zel­len erlaub­te ­sogar Rückschlüsse auf den klini­schen Verlauf drei Monate später. Einsatz schon im Rettungswagen? Langfristig könnten NLRP3-Hemmer möglicherweise bereits im ­Rettungs­wagen eingesetzt werden, um wert­volle Zeit bis zur Wieder­eröffnung des Gefäßes zu über­brücken. Bis zur kli­nischen Anwendung ist es jedoch noch ein weiter Weg. Die Ergebnisse erschienen im April 2026 in der Fach­zeitschrift „Cell Reports Medi­cine“.

Neuer Antikörper überwindet Resistenz gegen Krebsimmun­therapie

Ein in Würzburg entwickelter Antikörper könnte die Behandlungs­­möglichkeiten bei fortgeschrit­tenen Krebser­krankungen erweitern. Langzeitdaten zeigen: Visugromab kann selbst dann noch wirken, wenn etablierte Immuntherapien versagt haben.

Moderne Immuntherapien helfen dem Immunsystem, Krebszellen anzugreifen. Doch zahlreiche Krebserkrankungen entwickeln Mechanismen, mit denen sie dieser Abwehr entgehen. Eine wichtige Rolle spielt dabei der von vielen Tumoren produzierte Botenstoff GDF-15. Die Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Jörg Wischhusen an der Würzburger Universitäts-Frauenklinik konnte ge­mein­sam mit dem Spin-off CatalYm zeigen, dass die Blockade von GDF-15 die Wirksamkeit etablierter Immun­therapien verstärken kann. Der dafür in Würzburg entwickelte Antikörper Visu­gromab wurde nun in der inter­nationalen Phase-I/II-Studie GDFATHER-01 klinisch untersucht. Remissionen halten über Jahre an In der im Juli 2026 im „Journal of Hematology & Oncology“ veröffent­lichten Studie erhielten stark vorbe­handelte Patientinnen und Patienten mit nicht kleinzelligem Lungenkrebs, Uro­thel­karzinom oder Leberkrebs Visu­gromab in Kombination mit dem Immun­therapeutikum Nivolumab. Die An­sprech­raten lagen je nach Tumorart zwischen rund 14 und 19 Prozent. Entscheidender ist jedoch die Dauer der Wirkung: Im Median hielt das ­Ansprechen fast 29 Monate an – mehr als doppelt so lange wie unter der vorausgegangenen Standard-­Immun­therapie. Von den Patientinnen und Patienten, die auf die neue Kombination ansprachen, erreichten über 60 Prozent eine vollständige radiologische oder metabolische Remission. Sieben von acht Komplett­remissionen bestanden bei der Auswertung weiterhin. „Dass viele dieser Remissionen über Jahre stabil ­bleiben, ist aus Sicht eines Tumorimmunologen ein sehr starkes Signal“, sagt Wischhusen. Auch Dr. Maria Elisabeth Goebeler, Leiterin der Early Clinical Trial Unit am UKW, bewertet die Tiefe und Dauer der Remissionen als außergewöhnlich. Die Ergebnisse sprächen dafür, dass Resistenzmechanismen tatsächlich über­wunden werden können. Weitere Studien laufen bereits Visugromab wird inzwischen in wei­teren Studien geprüft, u. a. in der Erstlinientherapie des nicht kleinzelligen Lungenkarzinoms und vor einer Opera­tion bei muskelinvasivem Blasenkrebs. Am UKW ist zudem eine Studie geplant, die untersuchen soll, ob der Antikörper den bei Krebserkrankungen häufig auftretenden unkontrollier­ten Gewichts- und Muskelverlust verringern kann.

Visugromab (pink) blockiert gezielt den Wachstums- und Differenzier­ungsfaktor 15 (GDF-15, dargestellt in orange). Durch die Neutralisierung von GDF-15 kann der Anti­körper das Immunsystem dabei unter­stützen, Tumoren effek­tiver anzugreifen und Resistenzen gegen Immun­therapien zu überwinden.

Neue Hoffnung gegen Knochenmarkkrebs

Eine neue Immuntherapie könnte die Behandlung des Multiplen Myeloms grundlegend verändern. Das zeigt eine im Juni dieses Jahres in der Zeitschrift „Nature Medicine“ veröffentlichte Studie der Universitätsklinika Heidelberg und Würzburg. Dabei wurde der bispezifische Antikörper Teclistamab erstmals bereits in der Erstlinientherapie mit bewährten Standardmedikamenten kombiniert. Das Ergebnis: Bei allen unter­suchten Patientinnen und Patienten sprach die Therapie an, und nach sechs Monaten waren selbst mit hochsensitiven Methoden keine Tumor­zellen mehr im Knochenmark nach­weisbar. Tiefe Remission deutlich früher erreicht An der Phase-II-Studie nahmen 49 Patientinnen und Patienten aus elf deutschen Myelomzentren teil. Alle kamen für eine Stammzell­transplan­tation infrage. Teclistamab aktiviert T-Zellen und bringt sie in Kontakt mit den Krebszellen. Dadurch werden die Tumorzellen effektiv zerstört. Bislang erreichen nur etwa zwei Drittel der Betroffenen eine sogenannte MRD-Negativität – ein wichtiger Marker für einen langfristigen Behandlungserfolg. In der Studie gelang dieser Zustand bei über 90 Prozent der Teilnehmenden bereits nach wenigen Monaten. Bezogen auf die analysierten Knochen­markproben waren sogar 100 Prozent frei von nachweisbaren Rest­tumor­zellen.

Teclistamab stellt eine Verbindung zwischen der Myelom-Zelle und der T-Zelle her.

Die Forschenden sehen darin einen möglichen Meilenstein auf dem Weg, das Multiple Myelom langfristig kontrollierbar zu machen. Nun sollen die Ergebnisse in einer großen Phase-III-Studie mit 60 Zentren bestätigt werden. Die Untersuchung ist zugleich ein Beispiel für die erfolgreiche Zusam­menarbeit der vom UKW aus geleiteten Deutschen Studiengruppe Multiples Myelom und der von Heidelberg aus geführten German-Speaking Myeloma Multicenter Group. „Zusammen sind wir einfach stärker“, kommentiert Prof. Dr. Leo Rasche, der die Studie in Würzburg gemeinsam mit Prof. Dr. Hermann Einsele und Prof. Dr. Martin Kortüm vorangetrieben hat.

CAR-T-Zelltherapie wirksamer und sicherer machen

Die Vogel Stiftung Dr. Eckernkamp unterstützt die Forschung von Dr. Lukas Scheller mit 70.000 Euro. Der UKW-Mediziner untersucht, wie ­Begleit­medikamente die Wirksamkeit und Sicherheit von CAR-T-Zelltherapien beeinflussen. Bei diesem Verfahren werden körpereigene T-Zellen im Labor so verändert, dass sie Krebszellen gezielt erkennen und bekämpfen können. Scheller will unter anderem klären, ob Medikamente, die Patientinnen und Patienten bereits vor der Therapie einnehmen, deren Erfolg beeinflussen. Zudem untersucht er Blutproben auf Biomarker, die schon vor der Be­handlung auf ein erhöhtes Risiko für Nebenwirkungen hinweisen könnten. Die Erkenntnisse sollen helfen, Begleit­medikationen gezielter anzupassen und mögliche Komplikationen frühzeitig zu erkennen. Das Projekt läuft am von Prof. Dr. Michael Hudecek geleiteten Lehr­stuhl für Zelluläre Immuntherapie.

Bei der Scheckübergabe (von links): Dr. Gunther Schunk von der Vogel Stiftung mit Dr. Lukas Scheller und Prof. Dr. Michael Hudecek.

Thromboseschutz mit geringerem Blutungsrisiko

Ein Würzburger Forschungsteam hat einen neuen Ansatz zur Vorbeugung von Thrombosen entdeckt: Statt einen wichtigen Rezeptor der Blutplättchen vollständig zu blockieren, wird dessen Zahl gezielt verringert. So könnte sich die Bildung gefährlicher Blutgerinnsel verhindern lassen, ohne die lebenswichtige Blutstillung wesentlich zu beeinträchtigen.

Thrombosen entstehen, wenn sich Blut­plättchen – sogenannte Thrombozyten – unerwünscht zusammen­lagern und ein Gefäß verschließen. Eine wichtige Rolle spielt dabei das Glykoprotein VI (GPVI), ein Rezeptor auf der Oberfläche der Blutplättchen. Bei einer Gefäß­verletzung bindet GPVI an freiliegendes Kollagen. So trägt es dazu bei, die Blutplättchen zu aktivieren und eine Blutung zu stoppen. Wird der Rezeptor jedoch übermäßig aktiviert, können krankhafte Blutgerinnsel entstehen – mit möglichen Folgen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall. Nur halb so viele Rezeptoren Ein Team der Experimentellen Bio­medizin I am UKW um Prof. Dr. Bernhard Nieswandt und Erstautor Dr. Stefano Navarro hat nun einen überraschenden Weg gefunden, dieses Gleichgewicht zu beeinflussen. Statt GPVI vollständig zu blockieren, reduzierten die Forschenden mithilfe bestimmter Antikörper die Zahl der Rezeptoren auf der Oberfläche der Blutplättchen um etwa die Hälfte. Untersucht wurde dies in einem humanisierten Mausmodell und an menschlichen Blutplättchen. Dabei entstand ein bislang unbekannter Zustand der Blutplättchen, den das Team als „GPVI-low“-Phänotyp be­zeichnet. Trotz der geringeren Zahl an Rezeptoren konnten die Blutplättchen weiterhin an verletzten Gefäßen haften und Blutungen stillen. Zugleich waren jene Signale deutlich abgeschwächt, die zur Bildung und Stabilisierung gefährlicher Blutgerinnsel beitragen. Rezeptordichte als neues Therapieziel Die Ergebnisse könnten einen neuen Weg zu sichereren Medikamenten ge­gen Thrombosen eröffnen. Statt die Funktion eines Rezeptors vollständig auszuschalten, ließe sich künftig möglicherweise seine Anzahl gezielt steuern. In experimentellen Modellen schützten die veränderten Blutplättchen sowohl vor arteriellen Thrombosen als auch vor entzündlichen Lungen­schäden. Laut Nieswandt könnte eine solche Anti-GPVI-Therapie langfristig nicht nur zur Vorbeugung thrombotischer ­Er­krankungen beitragen. Denkbar seien auch Anwendungen bei entzündlichen Erkrankungen wie dem ­ischämischen Schlaganfall und akuten Lungenver­letzungen sowie möglicherweise bei Krebsmetastasen. Die Ergebnisse wurden im Juli dieses Jahres in der Fachzeitschrift „Signal Transduction and Targeted Therapy“ veröffentlicht.

Weniger Ablagerungen in der Lunge: Links ist die ­Kontroll­gruppe zu sehen, rechts ein Mausmodell mit ­reduzierter Zahl an GPVI-Rezeptoren. Blutgefäße sind magenta, Blut­plättchen cyan und neutrophile Granulozyten – die häufigste Art der weißen Blut­körperchen – gelb dargestellt.

Bessere Sicht, mehr Sicherheit im OP

Videolaryngoskope erleichtern die Intubation bei einer Vollnarkose und erhöhen die Sicherheit. Das zeigt die multizentrische COVALENT-Studie, deren Ergebnisse im August 2026 in JAMA Network Open veröffentlicht wurden. Mit mehr als 2.500 Patient­innen und Patienten ist sie die weltweit größte randomisiert-kontrollierte Studie zum Vergleich der videogestützten mit der klassischen direkten Laryngo­skopie. Als Erstautor fungierte Dr. Dr. Benedikt Schmid von der Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie, Intensiv­medizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie des UKW. Beteiligt waren neben dem UKW die Universi­tätsklinika Aachen, Bonn, Leipzig und Heidelberg sowie die Paracelsus Medizinische Privatuniversität Salzburg. Bei der Intubation wird ein Beatmungs­schlauch in die Luftröhre eingeführt. Videolaryngoskope besitzen eine kleine Kamera, die das Bild von Kehlkopf und Stimmbändern auf einen Monitor überträgt. Die Studie verglich die klassische Methode mit zwei Varianten der Videolaryngoskopie. Beide waren häufiger bereits beim ersten Versuch erfolgreich. Am besten schnitten Geräte mit stark gekrümmtem Spatel mit einer Erfolgsquote von knapp 88 Prozent ab, gegenüber rund 78 Prozent bei der klassischen Methode. Zudem traten seltener kleinere Verletzungen auf. „Die Ergebnisse sprechen dafür, die Videolaryngoskopie künftig als neuen Standard für die routinemäßige Atem­wegssicherung im Operationssaal ein­zu­setzen“, kommen­tiert Prof. Dr. Patrick Meybohm, Klinikdirektor am UKW.

Miteinander verglichen wurden (von links): das klassische Laryngoskop, das Macintosh-Videolaryngoskop und das hyperangulierte Videolaryngoskop mit stark gekrümmtem Spatel.

Herzschwäche: Für wen Telemedizin besonders hilfreich ist

Telemedizin kann Menschen mit Herzschwäche wirkungsvoll unter­stützen. Doch wer besonders davon profitiert, hängt offenbar auch von Geschlecht und Lebenssituation ab. Das zeigt eine neue Auswertung der E-INH-Studie des Deutschen Zentrums für Herzinsuffizienz Würzburg. Ver­öffentlicht wurde die Ergebnisse im August 2026 in der Fachzeitschrift „Circulation: Population Health and Outcomes“. In der Studie wurden Patientinnen und Patienten zusätzlich zur üblichen Ver­sorgung 18 Monate lang regelmäßig von spezialisierten Herzinsuffizienz-Pflege­kräften telefonisch betreut. Die soge­nannten HI-Nurses halfen ihnen dabei, Blut­druck und Herzschlag zu kontrollieren, Warnzeichen wie Wasser­einlagerungen frühzeitig zu erkennen und gemeinsam mit dem ärztlichen Personal die medikamentöse Therapie zu optimieren. Die aktuelle Analyse bringt über­raschen­de Unterschiede ans Licht: Besonders deutlich profitierten ver­heiratete Frauen und unverheiratete Männer. Unverheiratete Frauen dage­gen hatten keinen Vorteil durch die Fernbetreuung und schnitten sogar etwas schlechter ab als Frauen mit Standardversorgung. Warum das so ist, können die Forschenden noch nicht abschließend erklären. Deutlich wurde jedoch: Tele­medizin funktioniert nicht nach einer einheitlichen Schablone. Künftig könnten neben medizinischen Faktoren auch soziale und psychologische Bedürfnisse sowie die individuelle Lebenssituation stärker berücksichtigt werden. Weitere Studien sollen zeigen, wie sich telemedizinische Angebote noch passgenauer gestalten lassen.

Spezialisierte HI-Nurses begleiteten Menschen mit Herzschwäche regelmäßig telefonisch und unterstützten sie beim Selbstmonitoring und bei ihrer Therapie.

PD Dr. Andreas Berlin hat sich für die Anschaffung der EyeSi-Simulatoren eingesetzt.

Simulatoren optimieren augen­ärztliche Ausbildung

Mit zwei neuen Simulatoren bringt das UKW die Aus­bildung in der Augenheilkunde auf ein neues Niveau. Die EyeSi-Systeme verbinden reale Untersuchungs­geräte mit virtueller Realität. So können Studierende und angehende Augenärztinnen und -ärzte wichtige Untersuchungstechniken reali­täts­nah und unabhängig vom klinischen Alltag trainieren. Zum Einsatz kommen ein Simulator für Untersuchungen mit der Spaltlampe und ein Gerät für die indirekte Fundos­kopie. Bei Letzterer wird der Augen­hintergrund untersucht, also die Netzhaut, die Aderhaut, die Gefäße und der Sehnervenkopf. Gerade diese Untersuchung gilt als motorisch anspruchsvoll und schwierig zu vermitteln. Am Simulator können die Lernenden beispielsweise typische Befunde bei diabetischer Retinopathie, Netzhautablösung oder Makulade­ge­nera­tion erkennen und die Diagnostik wiederholt üben. Dabei erhalten sie ein objektives Feedback. Initiiert hat die Anschaffung Privat­dozent Dr. Andreas Berlin, Oberarzt der Würzburger Augenklinik. Finanziert wurden die Geräte mit Unterstützung der Dr. Herbert-Brause-Stiftung, von Roche Pharma und Bayer Pharma sowie aus Mitteln der Augenklinik. Berlin hat zudem ein Konzept für eine Summer- und Winter-School entwickelt. Dort sollen interessierte Studierende sowie Berufseinsteigerinnen und -einsteiger die wichtigsten augen­ärztlichen Unter­suchungen strukturiert erlernen und praktisch trainieren können.

Neues Wahlfach bringt Studierende auf die Intensivstationen

Sieben Kliniken und Einrichtungen des UKW bündeln ihre Kompetenzen für ein neues Wahlfach zur „Interdisziplinären Intensivmedizin“. Seit dem Sommer­semester 2026 können Studierende der Humanmedizin ab dem achten Semester daran teilnehmen. Ziel ist es, ihnen neben medizinischem Wissen vor allem die Bedeutung der Zusam­menarbeit verschiedener Fachricht­ung­en und Berufsgruppen bei der Ver­sorgung schwerstkranker Menschen zu vermitteln. Das Curriculum umfasst zwölf thema­tische Schwerpunkte und bildet die Bandbreite moderner Intensivmedizin ab. Behandelt werden unter anderem Erkrankungen des Gehirns, des Herz-Kreislauf-Systems, der Lunge, der Nieren und des Verdauungstrakts sowie Organersatzverfahren. Auch die Ver­sorgung im Schockraum, Änderungen von Thera­piezielen, palliative Ansätze und der Umgang mit dem Tod gehören zum Programm. Die ­wöchentlichen Veranstaltungen finden in Kleingruppen direkt auf den Intensivstationen statt und verbinden Theorie, Falldiskus­sio­nen, praktische Übungen und Intensiv­visiten. Die ersten sechs Studierenden haben das Wahlfach bereits absolviert. Sie lobten besonders den ­Praxisbezug, die aktive Beteiligung und den „Kontakt auf Augenhöhe“ mit den Lehrenden. In der Evaluation erreichte das neue Angebot die ­Gesamtnote 1,4. Alle Teilnehmenden gaben zudem an, dass ihr Interesse an der Intensivmedizin geweckt wurde.

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