Eine internationale Studie unter Führung des UKW und der kanadischen Queen’s University zeigt, dass hochdosiertes Vitamin C bei schweren Verbrennungen keinen Nutzen bringt. Die Ergebnisse stellen bisherige Empfehlungen infrage.
Vitamin C bringt bei schweren Verbrennungen nichts
Schwere Verbrennungen zählen zu den anspruchsvollsten Herausforderungen der Intensivmedizin. Sie lösen im Körper massive Entzündungsreaktionen aus und führen zu erheblichem oxidativem Stress. Weil Vitamin C als starkes Antioxidans gilt, wurde die hochdosierte intravenöse Gabe seit Jahrzehnten als vielversprechende unterstützen-de Therapie diskutiert. Kleinere Studien hatten Hinweise auf positive Effekte geliefert, etwa einen geringeren Flüssigkeitsbedarf der Betroffenen. Eine belastbare wissenschaftliche Grundlage für den routinemäßigen Einsatz fehlte bislang jedoch. Diese Lücke schließt die internationale VICToRY-Studie (Vitamin C in Thermal injury), die vom UKW gemeinsam mit der Queen’s University in Kingston/Kanada geleitet wurde. Die Ergebnisse wurden im Juni 2026 im Fachjournal JAMA veröffentlicht. Kein Nutzen, aber mögliche Risiken An der randomisierten klinischen Studie nahmen in 24 spezialisierten, internationalen Zentren 238 Erwachsene mit schweren Verbrennungen teil, die mindestens 20 Prozent ihrer Körperoberfläche betrafen. Sie erhielten entweder hochdosiertes Vitamin C oder ein Placebo. Die Auswertung ergab keinen Vorteil für die Vitamin-C-Gruppe – weder das Überleben noch die Organfunktion konnten verbessert werden. Im Gegenteil: Während in der Placebogruppe 7,6 Prozent der Patientinnen und Patienten innerhalb der ersten 28 Tage starben, lag der Anteil in der Vitamin-C-Gruppe bei 15 Prozent. Auch während des gesamten Krankenhausaufenthalts zeigte sich eine höhere Sterblichkeit. Zudem mussten die mit Vitamin C behandelten Personen häufiger eine Nierenersatztherapie erhalten. Aufgrund dieser Entwicklung wurde die Studie nach einer geplanten Zwischenanalyse vorzeitig beendet. Laut Studienleiter Prof. Dr. Christian Stoppe, Oberarzt an der Klinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie des UKW, sind die Ergebnisse eindeutig: „Die Therapie ist nicht wirksam und möglicherweise sogar schädlich. Sie sollte daher nicht routinemäßig eingesetzt werden.“ Am UKW waren neben Stoppe auch Dr. Ellen Dresen, wissenschaftliche Mitarbeiterin und Koordinatorin des Projekts, Prof. Dr. Patrick Meybohm, Direktor der Klinik für Anästhesiologie, sowie Carina Güttler, verantwortlich für das Studienmanagement und die Koordination der deutschen Zentren, maßgeblich an der Durchführung beteiligt.
„Die Therapie ist nicht wirksam und möglicherweise sogar schädlich. Sie sollte daher nicht routinemäßig eingesetzt werden.“
Prof. Dr. Christian Stoppe
Antibabypille beeinflusst Impfantwort nicht
Beeinflusst die Antibabypille die Wirkung von Impfungen? Eine große Studie des UKW liefert hierzu beruhigende Ergebnisse: Bei mehr als 1.000 Frauen fanden Forschende keinen Hinweis darauf, dass orale Kontrazeptiva die Immunantwort nach Covid-19-Boosterimpfungen relevant verändern. Grundlage war die prospektive CoVacSer-Studie, in der über 1.800 Beschäftigte des Gesundheitswesens mehrere Jahre immunologisch begleitet wurden. Für die aktuelle Analyse untersuchte das Team 1.061 Frauen zwischen 18 und 50 Jahren, von denen rund 20 Prozent orale Kontrazeptiva einnahmen. Verglichen wurden sowohl die Antikörperantwort als auch die T-Zell-Immunität vor und nach der dritten beziehungsweise vierten Covid-19-Impfung. Bei keinem dieser Parameter zeigte sich ein statistisch signifikanter Einfluss der Verhütungsmittel. In die statistischen Modelle flossen unter anderem Alter, Body-Mass-Index, Impfstoff und frühere SARS-CoV-2-Infektionen ein. Die im Juli 2026 im Fachjournal „npj Vaccines“ veröffentlichten Ergebnisse helfen, bestehende Unsicherheiten wissenschaftlich einzuordnen. Allerdings konnten Unterschiede zwischen einzelnen Verhütungspräparaten oder mögliche Einflüsse des Menstruationszyklus nicht untersucht werden. Diese Fragen sollen weitere Studien klären.
„Unsere Ergebnisse zeigen keinen relevanten Einfluss oraler Kontrazeptiva auf die Immunantwort nach Covid-19-Boosterimpfungen.“
Dr. Isabel Wagenhäuser Erstautorin der Studie
Neue Perspektive für die Schlaganfalltherapie
Bei einem Schlaganfall zählt jede Minute: Solange ein Blutgefäß im Gehirn verschlossen ist, sterben Nervenzellen ab. Forschende des UKW haben gemeinsam mit der Medizinischen Fakultät der Universität Bonn einen Ansatz gefunden, mit dem sich dieser Prozess möglicherweise schon vor der Wiedereröffnung des Gefäßes bremsen lässt.
Beteiligt waren am UKW Arbeitsgruppen der Neurologie, des Instituts für Diagnostische und Interventionelle Neuroradiologie sowie der Experimentellen Biomedizin. Fortschreiten des Hirninfarkts kann verlangsamt werden Im Mittelpunkt steht das NLRP3-Inflammasom – ein Bestandteil des Immunsystems, der Entzündungsreaktionen steuert. In experimentellen Modellen konnte das Team zeigen, dass dessen gezielte Hemmung die Entzündung abschwächt und das Fortschreiten des Hirninfarkts bereits während des Gefäßverschlusses verlangsamt. Erstmals gelang zudem der direkte Nachweis von NLRP3 bei Menschen während eines akuten Schlaganfalls. Dafür gewannen die interventionellen Neuroradiologen des UKW während routinemäßiger Thrombektomien winzige Blutproben direkt aus dem betroffenen Hirngebiet. Die Anzahl NLRP3-positiver Immunzellen erlaubte sogar Rückschlüsse auf den klinischen Verlauf drei Monate später. Einsatz schon im Rettungswagen? Langfristig könnten NLRP3-Hemmer möglicherweise bereits im Rettungswagen eingesetzt werden, um wertvolle Zeit bis zur Wiedereröffnung des Gefäßes zu überbrücken. Bis zur klinischen Anwendung ist es jedoch noch ein weiter Weg. Die Ergebnisse erschienen im April 2026 in der Fachzeitschrift „Cell Reports Medicine“.
Neuer Antikörper überwindet Resistenz gegen Krebsimmuntherapie
Ein in Würzburg entwickelter Antikörper könnte die Behandlungsmöglichkeiten bei fortgeschrittenen Krebserkrankungen erweitern. Langzeitdaten zeigen: Visugromab kann selbst dann noch wirken, wenn etablierte Immuntherapien versagt haben.
Moderne Immuntherapien helfen dem Immunsystem, Krebszellen anzugreifen. Doch zahlreiche Krebserkrankungen entwickeln Mechanismen, mit denen sie dieser Abwehr entgehen. Eine wichtige Rolle spielt dabei der von vielen Tumoren produzierte Botenstoff GDF-15. Die Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Jörg Wischhusen an der Würzburger Universitäts-Frauenklinik konnte gemeinsam mit dem Spin-off CatalYm zeigen, dass die Blockade von GDF-15 die Wirksamkeit etablierter Immuntherapien verstärken kann. Der dafür in Würzburg entwickelte Antikörper Visugromab wurde nun in der internationalen Phase-I/II-Studie GDFATHER-01 klinisch untersucht. Remissionen halten über Jahre an In der im Juli 2026 im „Journal of Hematology & Oncology“ veröffentlichten Studie erhielten stark vorbehandelte Patientinnen und Patienten mit nicht kleinzelligem Lungenkrebs, Urothelkarzinom oder Leberkrebs Visugromab in Kombination mit dem Immuntherapeutikum Nivolumab. Die Ansprechraten lagen je nach Tumorart zwischen rund 14 und 19 Prozent. Entscheidender ist jedoch die Dauer der Wirkung: Im Median hielt das Ansprechen fast 29 Monate an – mehr als doppelt so lange wie unter der vorausgegangenen Standard-Immuntherapie. Von den Patientinnen und Patienten, die auf die neue Kombination ansprachen, erreichten über 60 Prozent eine vollständige radiologische oder metabolische Remission. Sieben von acht Komplettremissionen bestanden bei der Auswertung weiterhin. „Dass viele dieser Remissionen über Jahre stabil bleiben, ist aus Sicht eines Tumorimmunologen ein sehr starkes Signal“, sagt Wischhusen. Auch Dr. Maria Elisabeth Goebeler, Leiterin der Early Clinical Trial Unit am UKW, bewertet die Tiefe und Dauer der Remissionen als außergewöhnlich. Die Ergebnisse sprächen dafür, dass Resistenzmechanismen tatsächlich überwunden werden können. Weitere Studien laufen bereits Visugromab wird inzwischen in weiteren Studien geprüft, u. a. in der Erstlinientherapie des nicht kleinzelligen Lungenkarzinoms und vor einer Operation bei muskelinvasivem Blasenkrebs. Am UKW ist zudem eine Studie geplant, die untersuchen soll, ob der Antikörper den bei Krebserkrankungen häufig auftretenden unkontrollierten Gewichts- und Muskelverlust verringern kann.
Visugromab (pink) blockiert gezielt den Wachstums- und Differenzierungsfaktor 15 (GDF-15, dargestellt in orange). Durch die Neutralisierung von GDF-15 kann der Antikörper das Immunsystem dabei unterstützen, Tumoren effektiver anzugreifen und Resistenzen gegen Immuntherapien zu überwinden.
Neue Hoffnung gegen Knochenmarkkrebs
Eine neue Immuntherapie könnte die Behandlung des Multiplen Myeloms grundlegend verändern. Das zeigt eine im Juni dieses Jahres in der Zeitschrift „Nature Medicine“ veröffentlichte Studie der Universitätsklinika Heidelberg und Würzburg. Dabei wurde der bispezifische Antikörper Teclistamab erstmals bereits in der Erstlinientherapie mit bewährten Standardmedikamenten kombiniert. Das Ergebnis: Bei allen untersuchten Patientinnen und Patienten sprach die Therapie an, und nach sechs Monaten waren selbst mit hochsensitiven Methoden keine Tumorzellen mehr im Knochenmark nachweisbar. Tiefe Remission deutlich früher erreicht An der Phase-II-Studie nahmen 49 Patientinnen und Patienten aus elf deutschen Myelomzentren teil. Alle kamen für eine Stammzelltransplantation infrage. Teclistamab aktiviert T-Zellen und bringt sie in Kontakt mit den Krebszellen. Dadurch werden die Tumorzellen effektiv zerstört. Bislang erreichen nur etwa zwei Drittel der Betroffenen eine sogenannte MRD-Negativität – ein wichtiger Marker für einen langfristigen Behandlungserfolg. In der Studie gelang dieser Zustand bei über 90 Prozent der Teilnehmenden bereits nach wenigen Monaten. Bezogen auf die analysierten Knochenmarkproben waren sogar 100 Prozent frei von nachweisbaren Resttumorzellen.

Teclistamab stellt eine Verbindung zwischen der Myelom-Zelle und der T-Zelle her.
Die Forschenden sehen darin einen möglichen Meilenstein auf dem Weg, das Multiple Myelom langfristig kontrollierbar zu machen. Nun sollen die Ergebnisse in einer großen Phase-III-Studie mit 60 Zentren bestätigt werden. Die Untersuchung ist zugleich ein Beispiel für die erfolgreiche Zusammenarbeit der vom UKW aus geleiteten Deutschen Studiengruppe Multiples Myelom und der von Heidelberg aus geführten German-Speaking Myeloma Multicenter Group. „Zusammen sind wir einfach stärker“, kommentiert Prof. Dr. Leo Rasche, der die Studie in Würzburg gemeinsam mit Prof. Dr. Hermann Einsele und Prof. Dr. Martin Kortüm vorangetrieben hat.
CAR-T-Zelltherapie wirksamer und sicherer machen
Die Vogel Stiftung Dr. Eckernkamp unterstützt die Forschung von Dr. Lukas Scheller mit 70.000 Euro. Der UKW-Mediziner untersucht, wie Begleitmedikamente die Wirksamkeit und Sicherheit von CAR-T-Zelltherapien beeinflussen. Bei diesem Verfahren werden körpereigene T-Zellen im Labor so verändert, dass sie Krebszellen gezielt erkennen und bekämpfen können. Scheller will unter anderem klären, ob Medikamente, die Patientinnen und Patienten bereits vor der Therapie einnehmen, deren Erfolg beeinflussen. Zudem untersucht er Blutproben auf Biomarker, die schon vor der Behandlung auf ein erhöhtes Risiko für Nebenwirkungen hinweisen könnten. Die Erkenntnisse sollen helfen, Begleitmedikationen gezielter anzupassen und mögliche Komplikationen frühzeitig zu erkennen. Das Projekt läuft am von Prof. Dr. Michael Hudecek geleiteten Lehrstuhl für Zelluläre Immuntherapie.

Bei der Scheckübergabe (von links): Dr. Gunther Schunk von der Vogel Stiftung mit Dr. Lukas Scheller und Prof. Dr. Michael Hudecek.
Thromboseschutz mit geringerem Blutungsrisiko
Ein Würzburger Forschungsteam hat einen neuen Ansatz zur Vorbeugung von Thrombosen entdeckt: Statt einen wichtigen Rezeptor der Blutplättchen vollständig zu blockieren, wird dessen Zahl gezielt verringert. So könnte sich die Bildung gefährlicher Blutgerinnsel verhindern lassen, ohne die lebenswichtige Blutstillung wesentlich zu beeinträchtigen.

Thrombosen entstehen, wenn sich Blutplättchen – sogenannte Thrombozyten – unerwünscht zusammenlagern und ein Gefäß verschließen. Eine wichtige Rolle spielt dabei das Glykoprotein VI (GPVI), ein Rezeptor auf der Oberfläche der Blutplättchen. Bei einer Gefäßverletzung bindet GPVI an freiliegendes Kollagen. So trägt es dazu bei, die Blutplättchen zu aktivieren und eine Blutung zu stoppen. Wird der Rezeptor jedoch übermäßig aktiviert, können krankhafte Blutgerinnsel entstehen – mit möglichen Folgen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall. Nur halb so viele Rezeptoren Ein Team der Experimentellen Biomedizin I am UKW um Prof. Dr. Bernhard Nieswandt und Erstautor Dr. Stefano Navarro hat nun einen überraschenden Weg gefunden, dieses Gleichgewicht zu beeinflussen. Statt GPVI vollständig zu blockieren, reduzierten die Forschenden mithilfe bestimmter Antikörper die Zahl der Rezeptoren auf der Oberfläche der Blutplättchen um etwa die Hälfte. Untersucht wurde dies in einem humanisierten Mausmodell und an menschlichen Blutplättchen. Dabei entstand ein bislang unbekannter Zustand der Blutplättchen, den das Team als „GPVI-low“-Phänotyp bezeichnet. Trotz der geringeren Zahl an Rezeptoren konnten die Blutplättchen weiterhin an verletzten Gefäßen haften und Blutungen stillen. Zugleich waren jene Signale deutlich abgeschwächt, die zur Bildung und Stabilisierung gefährlicher Blutgerinnsel beitragen. Rezeptordichte als neues Therapieziel Die Ergebnisse könnten einen neuen Weg zu sichereren Medikamenten gegen Thrombosen eröffnen. Statt die Funktion eines Rezeptors vollständig auszuschalten, ließe sich künftig möglicherweise seine Anzahl gezielt steuern. In experimentellen Modellen schützten die veränderten Blutplättchen sowohl vor arteriellen Thrombosen als auch vor entzündlichen Lungenschäden. Laut Nieswandt könnte eine solche Anti-GPVI-Therapie langfristig nicht nur zur Vorbeugung thrombotischer Erkrankungen beitragen. Denkbar seien auch Anwendungen bei entzündlichen Erkrankungen wie dem ischämischen Schlaganfall und akuten Lungenverletzungen sowie möglicherweise bei Krebsmetastasen. Die Ergebnisse wurden im Juli dieses Jahres in der Fachzeitschrift „Signal Transduction and Targeted Therapy“ veröffentlicht.
Weniger Ablagerungen in der Lunge: Links ist die Kontrollgruppe zu sehen, rechts ein Mausmodell mit reduzierter Zahl an GPVI-Rezeptoren. Blutgefäße sind magenta, Blutplättchen cyan und neutrophile Granulozyten – die häufigste Art der weißen Blutkörperchen – gelb dargestellt.
Bessere Sicht, mehr Sicherheit im OP
Videolaryngoskope erleichtern die Intubation bei einer Vollnarkose und erhöhen die Sicherheit. Das zeigt die multizentrische COVALENT-Studie, deren Ergebnisse im August 2026 in JAMA Network Open veröffentlicht wurden. Mit mehr als 2.500 Patientinnen und Patienten ist sie die weltweit größte randomisiert-kontrollierte Studie zum Vergleich der videogestützten mit der klassischen direkten Laryngoskopie. Als Erstautor fungierte Dr. Dr. Benedikt Schmid von der Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie des UKW. Beteiligt waren neben dem UKW die Universitätsklinika Aachen, Bonn, Leipzig und Heidelberg sowie die Paracelsus Medizinische Privatuniversität Salzburg. Bei der Intubation wird ein Beatmungsschlauch in die Luftröhre eingeführt. Videolaryngoskope besitzen eine kleine Kamera, die das Bild von Kehlkopf und Stimmbändern auf einen Monitor überträgt. Die Studie verglich die klassische Methode mit zwei Varianten der Videolaryngoskopie. Beide waren häufiger bereits beim ersten Versuch erfolgreich. Am besten schnitten Geräte mit stark gekrümmtem Spatel mit einer Erfolgsquote von knapp 88 Prozent ab, gegenüber rund 78 Prozent bei der klassischen Methode. Zudem traten seltener kleinere Verletzungen auf. „Die Ergebnisse sprechen dafür, die Videolaryngoskopie künftig als neuen Standard für die routinemäßige Atemwegssicherung im Operationssaal einzusetzen“, kommentiert Prof. Dr. Patrick Meybohm, Klinikdirektor am UKW.

Miteinander verglichen wurden (von links): das klassische Laryngoskop, das Macintosh-Videolaryngoskop und das hyperangulierte Videolaryngoskop mit stark gekrümmtem Spatel.
Herzschwäche: Für wen Telemedizin besonders hilfreich ist
Telemedizin kann Menschen mit Herzschwäche wirkungsvoll unterstützen. Doch wer besonders davon profitiert, hängt offenbar auch von Geschlecht und Lebenssituation ab. Das zeigt eine neue Auswertung der E-INH-Studie des Deutschen Zentrums für Herzinsuffizienz Würzburg. Veröffentlicht wurde die Ergebnisse im August 2026 in der Fachzeitschrift „Circulation: Population Health and Outcomes“. In der Studie wurden Patientinnen und Patienten zusätzlich zur üblichen Versorgung 18 Monate lang regelmäßig von spezialisierten Herzinsuffizienz-Pflegekräften telefonisch betreut. Die sogenannten HI-Nurses halfen ihnen dabei, Blutdruck und Herzschlag zu kontrollieren, Warnzeichen wie Wassereinlagerungen frühzeitig zu erkennen und gemeinsam mit dem ärztlichen Personal die medikamentöse Therapie zu optimieren. Die aktuelle Analyse bringt überraschende Unterschiede ans Licht: Besonders deutlich profitierten verheiratete Frauen und unverheiratete Männer. Unverheiratete Frauen dagegen hatten keinen Vorteil durch die Fernbetreuung und schnitten sogar etwas schlechter ab als Frauen mit Standardversorgung. Warum das so ist, können die Forschenden noch nicht abschließend erklären. Deutlich wurde jedoch: Telemedizin funktioniert nicht nach einer einheitlichen Schablone. Künftig könnten neben medizinischen Faktoren auch soziale und psychologische Bedürfnisse sowie die individuelle Lebenssituation stärker berücksichtigt werden. Weitere Studien sollen zeigen, wie sich telemedizinische Angebote noch passgenauer gestalten lassen.

Spezialisierte HI-Nurses begleiteten Menschen mit Herzschwäche regelmäßig telefonisch und unterstützten sie beim Selbstmonitoring und bei ihrer Therapie.

PD Dr. Andreas Berlin hat sich für die Anschaffung der EyeSi-Simulatoren eingesetzt.
Simulatoren optimieren augenärztliche Ausbildung
Mit zwei neuen Simulatoren bringt das UKW die Ausbildung in der Augenheilkunde auf ein neues Niveau. Die EyeSi-Systeme verbinden reale Untersuchungsgeräte mit virtueller Realität. So können Studierende und angehende Augenärztinnen und -ärzte wichtige Untersuchungstechniken realitätsnah und unabhängig vom klinischen Alltag trainieren. Zum Einsatz kommen ein Simulator für Untersuchungen mit der Spaltlampe und ein Gerät für die indirekte Fundoskopie. Bei Letzterer wird der Augenhintergrund untersucht, also die Netzhaut, die Aderhaut, die Gefäße und der Sehnervenkopf. Gerade diese Untersuchung gilt als motorisch anspruchsvoll und schwierig zu vermitteln. Am Simulator können die Lernenden beispielsweise typische Befunde bei diabetischer Retinopathie, Netzhautablösung oder Makuladegeneration erkennen und die Diagnostik wiederholt üben. Dabei erhalten sie ein objektives Feedback. Initiiert hat die Anschaffung Privatdozent Dr. Andreas Berlin, Oberarzt der Würzburger Augenklinik. Finanziert wurden die Geräte mit Unterstützung der Dr. Herbert-Brause-Stiftung, von Roche Pharma und Bayer Pharma sowie aus Mitteln der Augenklinik. Berlin hat zudem ein Konzept für eine Summer- und Winter-School entwickelt. Dort sollen interessierte Studierende sowie Berufseinsteigerinnen und -einsteiger die wichtigsten augenärztlichen Untersuchungen strukturiert erlernen und praktisch trainieren können.
Neues Wahlfach bringt Studierende auf die Intensivstationen

Sieben Kliniken und Einrichtungen des UKW bündeln ihre Kompetenzen für ein neues Wahlfach zur „Interdisziplinären Intensivmedizin“. Seit dem Sommersemester 2026 können Studierende der Humanmedizin ab dem achten Semester daran teilnehmen. Ziel ist es, ihnen neben medizinischem Wissen vor allem die Bedeutung der Zusammenarbeit verschiedener Fachrichtungen und Berufsgruppen bei der Versorgung schwerstkranker Menschen zu vermitteln. Das Curriculum umfasst zwölf thematische Schwerpunkte und bildet die Bandbreite moderner Intensivmedizin ab. Behandelt werden unter anderem Erkrankungen des Gehirns, des Herz-Kreislauf-Systems, der Lunge, der Nieren und des Verdauungstrakts sowie Organersatzverfahren. Auch die Versorgung im Schockraum, Änderungen von Therapiezielen, palliative Ansätze und der Umgang mit dem Tod gehören zum Programm. Die wöchentlichen Veranstaltungen finden in Kleingruppen direkt auf den Intensivstationen statt und verbinden Theorie, Falldiskussionen, praktische Übungen und Intensivvisiten. Die ersten sechs Studierenden haben das Wahlfach bereits absolviert. Sie lobten besonders den Praxisbezug, die aktive Beteiligung und den „Kontakt auf Augenhöhe“ mit den Lehrenden. In der Evaluation erreichte das neue Angebot die Gesamtnote 1,4. Alle Teilnehmenden gaben zudem an, dass ihr Interesse an der Intensivmedizin geweckt wurde.
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