Die Pflege entwickelt sich weiter
Warum die Akademisierung die Patientenversorgung stärkt und neue Perspektiven für beruflich Pflegende eröffnet.
Die Pflege entwickelt sich weiter
Warum die Akademisierung die Patientenversorgung stärkt und neue Perspektiven für beruflich Pflegende eröffnet.
Die Pflege wird anspruchsvoller: Mehr ältere, chronisch kranke und multimorbide Menschen benötigen eine komplexere pflegerische Versorgung. Dafür braucht es Pflegeteams, in denen unterschiedliche Qualifikationen und Kompetenzen gezielt zusammenwirken. Was bedeutet „Akademisierung der Pflege“? Akademisierung bedeutet die hochschulische, wissenschaftlich fundierte Qualifizierung von Pflegefachpersonen. Bachelorqualifizierte Pflegefachpersonen verbinden klinische Kompetenzen mit der Fähigkeit, wissenschaftliche Erkenntnisse zu bewerten und in die Versorgung zu übertragen. Auf Masterniveau werden diese klinischen Kompetenzen erweitert. Als Advanced Practice Nurses (APN) können Pflegefachpersonen so insbesondere Menschen mit hochkomplexen Versorgungsbedarfen kontinuierlich begleiten. Während die Pflegeausbildung in Ländern wie Schweden und Großbritannien regulär auf Hochschulniveau erfolgt, lag die Akademisierungsquote in Deutschland 2021 bei 1,75 Prozent, an Universitätsklinika bei 2,11 Prozent. Der Wissenschaftsrat empfiehlt für die direkte Patientenversorgung eine Akademisierungsquote von bis zu 20 Prozent. Am UKW arbeiten akademisch qualifizierte Pflegefachpersonen bereits in verschiedenen Bereichen. Seit dem Wintersemester 2025/26 bietet die Universität Würzburg gemeinsam mit dem UKW den dualen Bachelorstudiengang Pflegewissenschaft an. Im Stationsalltag können akademisch qualifizierte Pflegefachpersonen zum Beispiel dazu beitragen, Risiken früher zu erkennen, Beratungsangebote auszubauen und Versorgungsschritte bei komplexen Verläufen zu koordinieren. Was der Qualifikationsmix ermöglicht Von einem ausgewogenen Qualifikationsmix profitieren auch die Patientinnen und Patienten: Studien zeigen Zusammenhänge mit weniger Komplikationen, kürzeren Liegezeiten und geringeren Wiederaufnahmeraten. Ein höherer Anteil akademisch qualifizierter Pflegefachpersonen kann die Behandlungsergebnisse verbessern. Akademisches Fachwissen unterstützt den Transfer wissenschaftlicher Erkenntnisse in die Praxis und stärkt die interprofessionelle Zusammenarbeit. Für das UKW entstehen innovative Versorgungskonzepte sowie attraktive Entwicklungsmöglichkeiten innerhalb der klinischen Pflege. Damit eröffnen sich neue Karrierewege innerhalb der direkten Patientenversorgung. Das UKW gestaltet die Zukunft der Pflege aktiv mit Am UKW befassen sich zwei Arbeitsgruppen mit dieser Entwicklung: Die AG Akademisierung widmet sich der Weiterentwicklung akademischer Pflege. Die AG Advanced Practice Nurse in der Onkologie setzt sich gezielt mit der Einführung von APN-Pflegenden auseinander. Beide Gruppen arbeiten eng zusammen. Ziel ist ein Qualifikationsmix, in dem unterschiedliche Kompetenzen dort eingesetzt werden, wo sie Patientinnen und Patienten den größten Nutzen bringen. So entsteht am UKW eine Pflege, die wissenschaftliche Erkenntnisse und praktische Erfahrung verbindet.

Von einem ausgewogenen Qualifikationsmix in der Pflege profitieren nicht zuletzt die Patientinnen und Patienten.
Ein Ort für Patienten und Angehörige
Im Rotkreuzhof in Würzburg-Oberdürrbach soll ein Zentrum für Patienten- und Angehörigenbegleitung entstehen.
Die moderne Medizin ermöglicht immer kürzere Klinikaufenthalte, viele spezialisierte Therapien finden ambulant oder teilstationär statt. Für Menschen, die von weiter her nach Würzburg kommen, entstehen dadurch Herausforderungen. Lange Fahrwege, der Mangel an bezahlbaren Übernachtungsmöglichkeiten und die Trennung von der Familie können die Situation erschweren. Hier setzt das geplante Zentrum für Patienten- und Angehörigenbegleitung an. Es soll die Lücke zwischen Klinik, ambulanter Behandlung und Zuhause schließen und die medizinische Versorgung um soziale Unterstützung ergänzen. Initiator und Träger ist der Würzburger Verein „Hilfe im Kampf gegen Krebs“. Die Stiftung Juliusspital Würzburg stellt dafür den Rotkreuzhof im Rahmen eines Erbbaurechts zur Verfügung. Wohnen, Begleitung und Austausch Kern des Projekts sind 18 barrierearme Appartements für Patientinnen, Patienten und Angehörige. Hinzu kommen Gemeinschaftsbereiche sowie Beratungs-, Seminar- und Schulungsräume. Das Konzept ruht auf drei Säulen: bezahlbares Wohnen auf Zeit in Kliniknähe, psychosoziale Beratung und ehrenamtliche Begleitung sowie Fortbildung und Austausch. Vorgesehen sind unter anderem Angehörigenschulungen und Kontakte zu Selbsthilfegruppen. Das Angebot ist nicht auf Menschen mit Krebserkrankungen beschränkt. Nutzen können es Patientinnen und Patienten mit unterschiedlichen schweren Erkrankungen oder komplexem Behandlungsbedarf ebenso wie ihre Angehörigen. Auch Selbsthilfegruppen und sozialen Einrichtungen sollen die Räume offenstehen. Das Zentrum soll weder Pflegeheim noch Hospiz, Rehabilitationsklinik oder Hotel werden, sondern eine Begleitinfrastruktur zwischen Klinik und Zuhause. Bei der Umnutzung soll die denkmalgeschützte Substanz bewahrt werden. Im ersten Bauabschnitt sind die Appartements sowie Gemeinschafts-, Seminar-, Beratungs- und Verwaltungsräume vorgesehen. Parallel werden die Planungen konkretisiert und die Finanzierung gesichert. Der Verein setzt auf Spenden, Fördermittel, Förderdarlehen, Eigenmittel und bürgerschaftliches Engagement.
Spendenkonto: Hilfe im Kampf gegen Krebs e. V. Sparkasse Mainfranken Würzburg IBAN: DE46 7905 0000 0000 0686 68 www.kampfgegenkrebs.de