Impulsgeber für Projekte
Der gewählte Seniorenrat ergänzt in Rottendorf seit 20 Jahren den Gemeinderat und gestaltet in starkem Maße das soziale Zusammenleben mit
Impulsgeber für Projekte
Der gewählte Seniorenrat ergänzt in Rottendorf seit 20 Jahren den Gemeinderat und gestaltet in starkem Maße das soziale Zusammenleben mit
Heuer steht in Rottendorf ein Jubiläum an: Der Seniorenrat wird 20 Jahre alt! Dass es in einer kleineren Gemeinde ein gewähltes Gremium gibt, das den Gemeinderat berät, ist alles andere als selbstverständlich. Doch für Rottendorf passt die Implementierung eines Seniorenrats sehr gut. Denn hier wird Seniorenarbeit schon seit über 20 Jahren großgeschrieben. Mit dem Bau des heutigen „Hauses der Begegnung“ setzte die Gemeinde im Jahr 1996 diesbezüglich einen ersten Meilenstein.
Bereits in der zweiten Wahlperiode gehören Karl Scheckenbach und Ingrid Hesselbach dem Seniorenrat an. Beide hatten von Berufs wegen allenfalls am Rande mit sozialen Aufgaben zu tun. „Ich bin Fotografin“, sagt die 68-jährige Ingrid Hesselbach, die allerdings bereits vor ihrer Pensionierung stundenweise als Quereinsteigerin in der Seniorenarbeit des „Hauses der Begegnung“ aktiv war. Karl Scheckenbach, 72 Jahre alt, verdiente seine Brötchen als Bahnbeamter. Daneben war er vielfach ehrenamtlich engagiert. Was ihm heute als Seniorenrat zugute kommt.
Seine erste ehrenamtliche Station war die Christliche Arbeiterjugend (CAJ). Geprägt hat ihn der Leitspruch von CAJ-Gründer Joseph Leon Kardinal Cardijn, der da lautet: „Sehen – urteilen - handeln.“ Diese Devise beherzigt Karl Scheckenbach bis heute. Vieles sahen er und seine Mitstreiter in den vergangenen Jahren, was für Senioren in Rottendorf verbessert werden konnte. Dank dem Seniorenrat öffnen sich zum Beispiel die Türen des „Hauses der Begegnung“ nun automatisch. Auch wurde für weitere Ruhebänke im Ort gesorgt. Im Augenblick stemmt der Seniorenrat zusammen mit der Gemeinde ein besonders ehrgeiziges Projekt: Rottendorf soll eine Nachbarschaftshilfe erhalten.
Viele der erarbeiteten Vorschläge setzte die Gemeinde um
Bürgermeister Roland Schmitt zollt dem Seniorenrat höchste Anerkennung. Ohne dieses Gremium könnte er sich die Arbeit im Gemeinderat gar nicht mehr vorstellen. „Immer wieder geben wir Seniorenthemen, die auf unserer Tagesordnung stehen, zur Beurteilung an den Seniorenrat“, erläutert er. Die Seniorenräte geben stets kompetente Einschätzung darüber ab, ob eine Idee weiterverfolgt oder besser zu den Akten gelegt werden sollte.

Vor dem Haus der Begegnung treffen sich Bürgermeister Roland Schmitt, Karl Scheckenbach, Ingrid Hesselbach und Caritas-Mitarbeiterin Mirjam Gawenda.

Für den Bürgerbus engagieren sich (von links) Ingrid Hesselbach, Karl Scheckenbach und Bürgermeister Roland Schmitt.
Überhaupt sind der Gemeinde Kooperationen wichtig. Das „Haus der Begegnung“ zum Beispiel wird vom Caritasverband für die Stadt und den Landkreis Würzburg getragen. Caritas-Mitarbeiterin Mirjam Gawenda ist jederzeit ansprechbar bei allen Problemen, die im Alter auftauchen können. „Oft kommen die Menschen zu mir, wenn sie pflegebedürftig werden“, berichtet die Sozialpädagogin. Tauchen doch in dieser Situation eine Menge Fragen auf. Was steht mir nun an Leistungen zu? Wie kommt man an diese Leistungen? Was, wenn eine Leistung abgelehnt wird?
Im „Haus der Begegnung“ findet jedoch nicht nur Sozialberatung statt. Es gibt ein erstaunlich umfangreiches Programm, und zwar nicht nur für ältere Menschen. Junge Mütter treffen sich zum Beispiel regelmäßig zur Schwangerschaftsrückbildung. Neu ist ein Angebot in Kooperation mit der Sing- und Musikschule. Zwei Musiker bringen Senioren das Veeh-Harfenspiel bei.
Eines der besonders wichtigen Angebote nennt sich „Sonnenstunden“. Dabei handelt es sich um eine Betreuungsgruppe für Menschen mit Demenz. Während sie ihr Gedächtnis durch spielerische Übungen trainieren, gönnen sich ihre Angehörigen für ein paar Stunden eine Auszeit oder erledigen, was ansteht.
Die neue Nachbarschaftshilfe soll handfeste Unterstützung bieten
Zu den Besonderheiten der Rottendorfer Seniorenarbeit gehören schließlich zwei Bürgerbusse. An jedem Dienstag und Freitag bringen insgesamt 16 ehrenamtliche Busfahrerinnen und Busfahrer Senioren zum Einkaufen, zum Arzt oder in die Apotheke. Einer der Busse ist behindertengerecht ausgestattet, so dass ihn auch Menschen im Rollstuhl nutzen können. „Rollstuhlfahrer können ihn jederzeit anfordern“, so Bürgermeister Schmitt.
Auch Karl Scheckenbach und Ingrid Hesselbach fahren den Bürgerbus. Als hätten sie mit diesem Freiwilligendienst und dem Einsatz im Seniorenrat noch nicht genug zu tun, wollen sie sich auch in der neuen Nachbarschaftshilfe engagieren. Die wiederum soll die verschiedenen Angebote in der Gemeinde bündeln und handfeste Unterstützung bieten. Damit soll nicht zuletzt ein Beitrag dazu geleistet werden, Heimaufenthalte hinauszuzögern. Diesem Zweck dienen ebenfalls die 19 barrierefreien Wohnungen der Gemeinde, die in jenem Gebäudekomplex angesiedelt sind, in dem das „Haus der Begegnung“ untergebracht ist.
Wenn es zu Hause gar nicht mehr geht, finden Senioren Hilfe im BRK-Seniorenzentrum. 30 Plätze stehen zur Verfügung. Was langfristig nicht reichen wird. Aktuellen Plänen zufolge soll ein privater Investor für weitere Heimplätze sorgen.

Die „Sonnenstunden“, die eine Betreuungsgruppe in Rottendorf anbietet, tun Menschen mit Demenz gut.
Weitere Infos
In Rottendorf leben rund 5.500 Menschen. Etwa jeder fünfte Einwohner ist über 65 Jahre alt. Der Ort verfügt über eine intakte Infrastruktur mit medizinischen, sozialen und wirtschaftlichen Einrichtungen. Zahlreiche Vereine, Organisationen und Agenda-Arbeitskreise bieten ein großes Aktionsfeld für freiwilliges Engagement. Bürgermeister ist seit 2014 Roland Schmitt.