Sofort wieder mobil sein
Orthopäden, Chirurgen und Anästhesisten stimmen sich vor Eingriffen präzise ab
An der Main-Klinik in Ochsenfurt ist Unfallchirurgie und Orthopädie ihr Spezialgebiet: Oberarzt Peter Jonczyk für Schultergelenke und Oberärztin Sandra Nalaskowski für Hüftgelenke.
Sofort wieder mobil sein!
Orthopäden, Chirurgen und Anästhesisten stimmen sich vor Eingriffen präzise ab

An der Main-Klinik in Ochsenfurt ist Unfallchirurgie und Orthopädie ihr Spezialgebiet: Oberarzt Peter Jonczyk für Schultergelenke und Oberärztin Sandra Nalaskowski für Hüftgelenke.
Hinzufallen und zu stürzen, davor hatte die 93-jährige Inge Müller (Name geändert) schon immer Angst gehabt. Wusste sie doch, dass Menschen ihres Alters deshalb oft ins Pflegeheim kommen. Doch kürzlich passierte genau das. „In der Nacht von Freitag auf Samstag stürzte sie in ihrer Wohnung“, berichtet Sandra Nalaskowski, Oberärztin der Unfallchirurgie und Orthopädie an der Main-Klinik in Ochsenfurt. Um drei Uhr morgens wurde Inge Müller im Krankenhaus aufgenommen.
Bereits am späten Samstagvormittag lag die Seniorin auf dem OP-Tisch. Schnelles Handeln, betont Sandra Nalaskowski, ist in solchen Fällen unerlässlich. „Wird bei einem Schenkelhalsbruch nicht binnen 48 Stunden operiert, kann es zu Komplikationen kommen“, so die promovierte Unfallchirurgin, die seit 2013 in der Main-Klinik arbeitet. Es hätte beispielsweise geschehen können, dass sich Inge Müller wund liegt, hätte sie mehrere Tage auf den chirurgischen Eingriff warten müssen. Vielleicht hätte sie auch eine Lungenentzündung oder eine Thrombose bekommen.
In einer 72-minütigen Operation setzte Sandra Nalaskowski der Patientin ein künstliches Hüftgelenk ein. „Bereits am Sonntag erhielt sie Krankengymnastik und kam das erste Mal aus dem Bett“, berichtet die 40-jährige Medizinerin. Inge Müllers größte Angst, pflegebedürftig zu werden, ist inzwischen zerstreut: Sie wird wieder nach Hause gehen können. Genau das, sagt Sandra Nalaskowski, gefällt ihr so gut an ihrem Beruf: „Ich kann Menschen dank moderner Methoden schnell wieder zu Beweglichkeit und damit zu Lebensfreude verhelfen.“ Vor 50 Jahren hätte Inge Müller monatelang im Streckverband liegen müssen.
An ihrer Tätigkeit in Ochsenfurt schätzt Sandra Nalaskowski weiter, dass sie viele Patienten vor einem chirurgischen Eingriff kennenlernt und dass sie ihnen nach einer Operation weiterhin helfen kann. Dies ist durch eine in der Region einmalige Kombination möglich: Sandra Nalaskowski arbeitet eineinhalb Tage in der Woche direkt in der an der Klinik angeschlossenen „Praxis am Greinberg“. Dort bietet sie Spezialsprechstunden für Menschen an, die Probleme mit der Hüfte oder dem Knie haben.
Diese Verbindung zwischen Ambulanz und Klinik weiß auch ihr Kollege Peter Jonczyk zu schätzen. Er ist ebenfalls Oberarzt der Unfallchirurgie und Orthopädie und bietet in der Praxis am Greinberg Sprechstunden zu seinem Spezialgebiet „Schulter“ an. Peter Jonczyk hilft Menschen, die aufgrund von Sehnenverschleiß Schmerzen in der Schulter haben, die sich einen Schultersehnen- oder Rotatorenmanschettenriss zugezogen oder die sich die Schulter gebrochen haben.
„Ich kann Menschen dank moderner Methoden schnell wieder zu Beweglichkeit und damit zu Lebensfreude verhelfen.“
Sandra Nalaskowski
Kurz vor Weihnachten operierte der promovierte Mediziner eine 78-jährige Seniorin, die mit einem Schulter-Trümmerbruch in die Main-Klinik kam. Der Unfall wirbelte ihren Alltag komplett durcheinander, erzählt der promovierte Chirurg: „Sie ist beruflich selbstständig und arbeitet, weil es ihr Spaß macht, immer noch.“ Kranksein kann sie sich nicht leisten.
Mit einer innovativen Methode, die vor eineinhalb Jahren in Ochsenfurt eingeführt wurde, half Peter Jonczyk der Seniorin, sehr schnell wieder beweglich zu werden. Er setzte ihr eine inverse Schulterprothese ein. Bei dieser Prothese sitzt die künstliche Kugel auf der Schulterpfanne - und nicht, wie bei einer regulären Prothese, auf dem Schaft. Auf dem Schaft wiederum sitzt die künstliche Pfanne. Die Positionen von Pfanne und Kopf sind also vertauscht.
Ein Franzose hatte dieses ungewöhnliche, aber sehr effektive Verfahren erfunden. Seit der Jahrtausendwende wird es in Deutschland eingesetzt. Peter Jonczyk erlernte es im Würzburger König-Ludwig-Haus. Sofort nach der OP können die Patienten ihre Arme wieder bewegen. Peter Jonczyks Patientin war nach zwei Wochen schon wieder imstande, ihrer Arbeit nachzugehen.
Entscheidend dafür, dass Operationen gelingen, ist eine gute Anästhesie. Dafür ist in der Main-Klinik unter anderem Julian Küstermann zuständig. Bevor er entscheidet, welche Art von Narkose für einen Patienten geeignet ist, sammelt er zunächst so viele Informationen wie möglich über Vorerkrankungen und den aktuellen Gesundheitszustand des Patienten. Daraufhin wird die Narkosestrategie festgelegt. Diese entscheidet auch darüber, wie umfassend ein Patient während eines Eingriffs überwacht wird und ob nach der Operation eine intensivmedizinische Überwachung nötig wird.
„Im Falle der Patientin, die eine inverse Schulterprothese erhielt, entschieden wir uns für eine Kombination aus verschiedenen Narkosetechniken“, erklärt der 39-jährige Mediziner, der auch Leitender Hubschrauberarzt am Standort Christoph 18 in Ochsenfurt ist. Die Patientin erhielt eine Kombinationsnarkose, das heißt eine Vollnarkose kombiniert mit einer Regionalanästhesie in Form eines Schmerzkatheters, welcher die Schmerzweiterleitung vom OP-Gebiet zum zentralen Nervensystem blockiert. Dieser wird auch nach dem Eingriff einige Tage belassen und ermöglicht die zügige, schmerzarme Mobilisierung der operierten Schulter.
Die 78 Jahre alte Dame ließ sich vor dem Eingriff von Julian Küstermann in Ruhe alles genau erklären. „Fast alle Patienten haben mehr Angst vor der Narkose als vor der Operation und wollen die Details oft nicht so genau wissen, obwohl wir über das Vorgehen und alle Risiken aufklären müssen.“ erzählt der promovierte Anästhesist. Unermüdlich klärt Julian Küstermann darüber auf, dass moderne Narkosetechniken sehr sicher sind: „Ich habe schon tausende Narkosen in den vergangenen zwölf Jahren gemacht. Und alle Patienten sind wieder aufgewacht.“

Die Oberärzte Peter Jonczyk und Sandra Nalaskowski bei der Nachbesprechung eines Eingriffs an einer Schulter.

Anästhesist Julian Küstermann erklärt den Patienten vor der Operation genau, welche Art der Betäubung angewendet wird.