NICHT SCHLECHT, HERR SPECHT

Kooperativer Naturschutz im Landkreis Rhön-Grabfeld

Landrat Thomas Habermann: „Für den unermüdlichen Einsatz unserer Fachkräfte in der Unteren Naturschutzbehörde möchte ich mich herzlich bedanken. Trotz einer knappen Personalausstattung ­konnte im vergangenen Jahr die enorme Anzahl von Anträgen vollständig begutachtet und verlängert werden.“

Durch die Nutzung von Äckern, Wiesen und Wäldern haben viele Generationen von Landwirten das Bild der Kulturlandschaften in Bayern geprägt. Die hier lebenden Arten sowie ihre Lebensräume sind an diese Nutzung angepasst, viele sogar darauf angewiesen. Der Strukturwandel in der Landwirtschaft nötigte die Bauern aber zu einer immer intensiveren Bewirtschaftung. Die typischen Pflanzen und Tiere drohten zu verschwinden. Das Kernproblem: Es lohnt sich für Landwirte immer weniger, ihre Flächen mit viel Aufwand naturschonend zu bewirtschaften. Die Lösung sind Förderprogramme, die die aufwendige Bewirtschaftung ökologisch wertvoller Flächen fair honorieren. Herzstück der Naturschutzförderprogramme ist das Vertragsnaturschutzprogramm (VNP).

Durch dieses wird die schonende Bewirtschaftung von ökologisch wertvollen Wiesen, Weiden, Äckern, Teichen und Wäldern gefördert. Waldbesitzer, Landwirte sowie sonstige Landbewirtschafter verpflichten sich, fünf Jahre lang die Flächen naturschonend zu bewirtschaften – und werden für zusätzliche Kosten und Einkommensverluste entschädigt. Ziel ist der Erhalt der Biodiversität, in erster Linie die Umsetzung des Europäischen Schutzgebietsnetzes Natura 2000 sowie der bayerischen Biodiversitätsstrategie.

Als Markenzeichen der kooperativen bayerischen Naturschutzpolitik gilt das Erfolgsprogramm VNP als gemeinsame Leistung der Naturschutzverwaltung, der Landwirtschafts- und Forstverwaltung sowie der beteiligten Landbewirtschafter. Bei Maßnahmen im Offenland berät die Untere Naturschutzbehörde die Antragsteller und begutachtet zunächst die geplanten Maßnahmen. Bei Maßnahmen im Wald schlagen Waldbesitzer und Forstverwaltung gemeinsam Maßnahmen vor. Gestellt werden die Anträge beim Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Bad Neustadt a. d. Saale. Die VNP-Flächen in ganz Bayern konnten in 2020 dank der Anstrengungen der Naturschutzbehörden gesteigert werden. Auch im Landkreis Rhön-Grabfeld werden derzeit eine Vielzahl von Vertragsnaturschutz-Maßnahmen umgesetzt, sowohl im (VNP) Offenland als auch im (VNP) Wald.

Knapp 50 % der landwirtschaftlichen Betriebe in Rhön-Grabfeld beteiligen sich am VNP

Flächen im Landkreis Rhön-Grabfeld: ca. 50 % der Fläche ist landwirtschaft­lich genutzt (52.000 ha, 2019), davon sind 13 % geförderte Flächen, was weit über dem Ziel der Staatsregierung von 6 % liegt.

BLUMEN- UND STREUOBSTWIESEN – DAS VERTRAGSNATURSCHUTZ-PROGRAMM OFFENLAND

Das Vertragsnaturschutzprogramm honoriert die pflegliche Bewirtschaftung von Wiesen, Weiden, Äckern und Teichen in ökologisch wertvollen Gebieten. Bauern und andere Landnutzer verpflichten sich, ihre Flächen nach den Vorgaben des Naturschutzes zu bewirtschaften. Bei der letzten Antragstellung konnten im Landkreis Rhön-Grabfeld insgesamt 608 landwirtschaftliche Betriebe als Partner im Naturschutz berücksichtigt werden. Auf insgesamt knapp 5.000 Feldstücken und über 5.000 Hektar konnten Maßnahmen zum Erhalt magerer Blumenwiesen mit speziellen Schnittzeitpunkten und Düngeverzicht, zur extensiven Bewirtschaftung von Äckern, Streuobstbeständen und Weiden neu abgeschlossen werden. Mit insgesamt mehr als 6.500 Hektar Fläche ist der Anteil von 13 % der geförderten Flächen an der gesamten landwirtschaftlichen Nutzfläche im Landkreis damit bereits jetzt weit über das von der bayerischen Staatsregierung gesteckte Ziel von 6 % hinausgewachsen.

SINGVÖGEL, KLEINEULEN UND INSEKTEN – DAS VERTRAGSNATURSCHUTZ-PROGRAMM WALD

Bayern ist das Bundesland mit der größten Waldfläche in Deutschland: Über 2,5 Millionen Hektar und damit mehr als ein Drittel der Landesfläche bestehen aus Wäldern. Von Natur aus – ohne Einfluss des Menschen – würde Wald fast überall in Mitteleuropa wachsen. Kein Wunder, dass mehr als die Hälfte der heimischen Arten diesen Lebensraum besiedelt. Private und körperschaftliche Waldbesitzer, die mehr als zwei Drittel des Waldes in Bayern bewirtschaften, erhalten hier eine ­Förderung für ihre Naturschutzleistungen. Mit dem Vertragsnaturschutzprogramm Wald werden ökologisch besonders wertvolle Lebensräume wie Mittel- und Niederwälder sowie Biotopbäume oder Totholz in Kommunal- und Privatwäldern gesichert. Ziel des VNP-Wald ist es, sowohl in den Wäldern in den FFH-Gebieten (Gebiete, die für das europäische Schutzgebietssystem „Natura 2000“ ausgewählt wurden) als auch in so genannten „Trittsteinwäldern“ zwischen den Schutzgebieten wertvolle Habitatstrukturen und damit bedrohte Arten wie Vögel (Greifvögel, Spechte, Kleineulen, Singvögel), Insekten sowie Pilze auf möglichst großer Fläche zu erhalten. Die Förderung erfolgt in Abstimmung mit der Naturschutzverwaltung, dem zuständigen Forstrevierleiter und dem Antragsteller bzw. Waldeigentümer. In Rhön-Grabfeld sind mit rund 37.000 Hektar 36 % der Landkreisfläche bewaldet. Seit der Einführung des Programms VNP-Wald im Jahr 2007 konnten Fördermittel in Höhe von über 1.6 Mio € im Landkreis Rhön-Grabfeld umgesetzt werden, was in den Haushalten der waldbesitzenden Städte und Gemeinden oder Waldkörperschaften eine willkommene Unterstützung darstellt. Im Haushaltsjahr 2020 wurden im VNP Wald insgesamt 296.426 € im Landkreis Rhön-Grabfeld verteilt.

V.l.n.r.: Joachim Jenrich und Doris Dellert (Umweltamt), Wilhelm Schmalen (Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten) und Landrat Thomas Habermann.

Sophia Mohr, Fotos: ©Julia Weber, Grafiken ©Sabine Steinmüller

Die Leiterin des Umweltamtes Rhön-Grabfeld Doris Dellert: „Die Kooperation zwischen engagierten Akteuren in Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Naturschutz zum Erhalt unserer Kulturlandschaft und der Biodiversität ist im Landkreis Rhön-Grabfeld bereits langjährig ein überregional beachtetes Erfolgsmodell“.