FAHRT AUFGENOMMEN


Vor zwei Jahren läutete die WVV die elektromobile Zukunft in der Region ein. Seitdem haben sich E-Autos dank der stetig wachsenden Infrastruktur und immer neuer Modelle zur echten Alternative entwickelt.
Illustrationen: Camilo Toro – trurnit Publishers GmbH

Sanft und lautlos gleitet Matthias Amelungs weißes Segelflugzeug durch die Luft. Für die motorisierten Maschinen, die in seinem Stammverein, dem Kitzinger Luftsportclub, ebenfalls starten und landen, hat der 49-Jährige weniger übrig. Er bevorzugt es leise – und zwar nicht nur in der Luft, sondern auch auf der Straße. Seit drei Jahren fährt der Hettstädter elektrisch. „Im August 2018 habe ich mir mit dem Tesla Model S schon mein drittes Elek­troauto in Folge zugelegt. Verbrenner kommen für mich nicht mehr infrage“, erzählt der selbstständige Handelsvertreter. 60.000 bis 70.000 Kilometer legt er ­pro Jahr zurück – vorrangig geschäftlich. Für ihn bieten E-Autos praktisch nur Vorteile.


Allen voran natürlich der geringe Schadstoffausstoß bei der Nutzung von Ökostrom, wie er in Würzburg aus den Ladesäulen und aus seiner hauseigenen PV-Anlage in seine mobile Wallbox fließt. Aber auch ökonomisch sind ­E-Autos mehr als konkurrenzfähig. Denn in Zeiten, in denen ein Liter Super-Benzin 1,40 Euro und mehr kostet, fahren Elektromobile extrem günstig. Ein Beispiel: Ein VW E-Golf verbraucht rund 15 Kilowattstunden auf 100 Kilometer – bei einem durchschnittlichen Strompreis von aktuell rund 30 Cent je Kilowattstunde macht das 4,50 Euro. Der aktuelle vergleichbare VW Golf TSI mit 85 PS verbraucht auf derselben Strecke 5,7 Liter. Bei Spritkosten von knapp 8 Cent je Kilometer hängt das Elektromodell den kleinen Benziner deutlich ab. Selbst der Diesel-Golf hätte keine Chance.

32 Ladepunkte allein in Würzburg

Bleibt die Frage nach den Lademöglichkeiten. „Die sind heute wirklich kein Problem mehr“, findet Vielfahrer ­Matthias Amelung. Deutschlandweit stehen bereits über 16.000 Ladesäulen zur Verfügung. Allein im zweiten Halbjahr 2018 kamen 2600 E-Tankstellen dazu. Auch in Würzburg geht der Ausbau der Infrastruktur zügig voran: Beim s.Oliver-Outlet in Rottendorf entstanden zwei Ladesäulen, ebenso am Universitätsklinikum an unterschiedlichen Standorten. In der Pleicherschulgasse kam zudem eine Stromtankstelle dazu. „Fünf weitere Säulen, teils mit zwei Ladepunkten, sind bereits in Planung oder schon im Bau“, erklärt Christian Fröhlich, der bei der WVV für das Thema Elektromobilität zuständig ist (siehe Karte).

Gibt es einen Standort, von dem Sie wissen, dass dort dringend eine öffentliche Ladesäule gebraucht wird? Dann schreiben Sie uns eine Mail: emobil@wvv.de

Ein engmaschiges öffentliches Ladenetz ist aber nicht genug, um die Nachfrage nach Strom im Tank zu befriedigen. Denn die Zulassungszahlen steigen exponentiell. Überdies belegen Studien, dass rund 80 Prozent der Ladevorgänge an privaten Wallboxen ablaufen. „Dieses Thema haben wir von Anfang an mitgedacht“, ergänzt Christian Fröhlich. Folgerichtig können die ­Mobilitätsexperten der WVV auf einige erfolgreiche ­Projekte verweisen. In der Tiefgarage der Wohnanlage ­Melchiorpark etwa installierte die WVV fünf Wallboxen mit einer Leistung von bis zu elf Kilowatt. Mieter mit ­E-Auto erhalten eine Chipkarte, um sich zum Laden zu authentifizieren. Das Lastmanagement und die Abrechnung übernimmt die WVV als Dienstleistung. Auch die AWO und das Zentrum für Menschen mit Körper- und Mehrfachbehinderung nutzten bereits das Know-how der WVV und beauftragten sie mit der Installation von Wallboxen. „Ein eigener Ladepunkt wird auch für Betriebe interessant“, ist sich Christian Fröhlich sicher. Nicht nur, dass sie ihren Angestellten die Möglichkeit bieten, bei Bedarf nachzuladen. Der beim Arbeitgeber bezogene Strom ist überdies noch bis Ende 2020 steuerfrei.


Den Kritikpunkt der langen Ladezeiten entkräftet Matthias Amelung: „Zugegeben, ich genieße den Luxus, deutschlandweit an 69 Tesla-Superchargern zu tanken. Da stehe ich höchstens 20 oder 30 Minuten“, räumt er ein, „aber für mich hat sich der vermeintliche Nachteil sogar als Gewinn erwiesen. Ich nutze die Standzeiten für E-Mails, Telefonate oder das Fahrtenbuch. Tatsächlich muss ich mich nicht mehr abends dafür hinsetzen.“


Weil ein Tesla immer noch ein wenig exotisch ist, wird Matthias Amelung natürlich regelmäßig angesprochen, wenn er seinen Model S anstöpselt. Passanten fragen dann nach seinen Erfahrungen, die der Familienvater gern teilt. Das tut er im Übrigen nicht nur auf der Straße, sondern auch beim Stammtisch der WVV. „An den Veranstaltungen der WVV nehme ich gern teil. Sie liefern oft spannende Hintergrundinformationen“, findet er, obwohl er selbst schon über viel Wissen verfügt.


E-Mobilität zum Anfassen


Auf der diesjährigen Mainfranken-Messe vom 28. September bis zum 6. Oktober informiert die WVV mit einem speziellen Stand zum Thema E-Mobilität – von den verschiedenen Fahrzeugen bis hin zur individuellen Wallbox. Selbstverständlich sind auch Probefahrten möglich.

Verdoppelung der Zulassungszahlen

Die Elektromobilität hat richtig Fahrt aufgenommen. Aktuell verdoppeln sich deutschlandweit die Zulassungszahlen von reinen E-Autos alle zwei Jahre – in Würzburg sogar zweimal so schnell. Dazu kommen jede Menge Hybridfahrzeuge. Einige Experten sagen ein ­theoretisches Ende der Herstellung konventioneller Fahrzeuge für 2031 voraus. Dann würden jährlich 3,4 Millionen E-Mobile verkauft – 0,2 Millionen mehr als heute Fahrzeuge mit allen Antrieben zusammen. Ob dies tatsächlich so eintritt, ist offen. Fest steht aber, dass die Zukunft der Mobilität elektrisch sein wird.

Autos teilen


Carsharing ist – wie die E-Mobilität – ein Stein im Mosaik Verkehrswende. Auch auf diesem Sektor agiert die WVV sehr erfolgreich mit dem Partner scouter: Die inzwischen 42 Fahrzeuge – vom Klein­wagen bis zum Transporter – kommen gut bei den Würzburgern an. Seit der Einführung des Angebots haben fast 1900 Kunden mehr als 2,1 Millionen Kilometer in über 46.000 Fahrten zurückgelegt und ­damit mehr als 12.000 Tonnen CO₂ kompensiert. In Zukunft soll das Angebot um E-Autos erweitert werden.


Sie möchten auch carsharen? Dann surfen Sie bei wvv.de/mobil vorbei. Hier gibt es alle Infos auch zu den günstigen Sonderkondi­tionen für Abo-Kunden.

Bei der AWO in Würzburg und in der Wohn­anlage Melchiorpark nahm die

WVV mehrere ­Ladepunkte in Betrieb.

Privat-Tankstelle


Den Komfort einer eigenen Tankstelle in der Garage genießen schon zahlreiche Fahrer von Elektroautos. Auch Kunden, die kurzfristig eine Wallbox installieren lassen möchten, sind bei der WVV gut aufgehoben. Einfach eine E-Mail an emobil@wvv.de senden und den Bedarf schildern. Ein WVV-Experte meldet sich kurzfristig und geht das Thema in individueller Absprache an.

Und Kunden, die sich für das optimale Kombipaket Photovoltaik und Wallbox interessieren, finden auf Seite 8 Antworten. Ferner entwickelt die WVV eine eigene Wallbox namens Smart ChargE. Wer mehr wissen möchte, kann unter wvv.de/emobil ein Formular ausfüllen. Die WVV schickt dann alle Informationen zur innovativen Smart ChargE zu.