Anbau

FOTO: Günter Klingenhagen

Ist das Erdmandelgras?

Das Sauergras-Einmaleins

So unterscheiden sich die wichtigsten Sauergräser voneinander

FOTO: Günter Klingenhagen

Ist das Erdmandelgras?

Das Sauergras-Einmaleins

So unterscheiden sich die wichtigsten Sauergräser voneinander

Von Günter Klingenhagen, Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen

In Deutschland gibt es gut 100 verschiedene Arten von Sauergräsern. Die größte Gruppe mit über 90 heimischen Vertretern bilden die Seggen (Carex). Die Zyperngräser (Cyperus) sind in Mitteleuropa nur mit wenigen, meist wärmeliebenden Arten vertreten. Bekanntester Vertreter ist mittlerweile das Erdmandelgras (Cyperus esculentus). In Niedersachsen ist auf einzelnen Feldern auch Cyperus rotundus, das Knollige Zyperngras nachgewiesen worden, was in der Liste der schlimmsten Unkräuter auf Platz eins steht. Mit der exponentiellen Ausbreitung des Erdmandelgrases in Deutschland ist die Aufmerksamkeit für diese vielseitige Pflanze gewachsen. Doch nicht immer ist das, was auf den ersten Blick so aussieht, auch wirklich das befürchtete Gras. Tatsächlich sind es oftmals unproblematische Segge-Arten oder teilweise Strandsimse. Im Folgenden sind die wichtigsten Sauergräser beschrieben.


Günter Klingenhagen Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen


Segge-Arten

Die heimischen Seggen-Arten sind ausdauernde, krautige Pflanzen. Alle Arten bilden Rhizome, die je nach Art lang oder kurz ausfallen können. Wie bei der Gemeinen Quecke sind diese segmentiert. Die Halme sind meist dreikantig. Die Arten der Gattung Carex gedeihen auf feuchten bis nassen Standorten, man findet sie aber auch an den Übergängen von Feldwegen zum Acker beziehungsweise an den Rändern von Feldwegen. An diesen wachsen sie teils schon seit vielen Jahren, ohne dass sie weiter in die Äcker eingedrungen sind. Durch ihre Wurzelausläufer können sie Feldwege stabilisieren. Nach bisherigen Beobachtungen stellen die in Deutschland vorkommenden Seggen kein Problem für den Ackerbau dar.

Oberirdisch sind Seggen nur schwer vom Erdmandelgras zu unterscheiden.

Eine eindeutige Unterscheidung ist aufgrund der nicht vorhandenen Mandeln möglich.

Allerdings ist das Rhizomgeflecht oft stärker ausgeprägt. FOTOS (3): Günter Klingenhagen

Erdmandelgras

Erdmandelgras (Cyperus esculentus) kann Felder so stark in Beschlag nehmen, dass ein Anbau von Kartoffeln, Rüben, Zwiebeln, Möhren und so weiter auf diesen Flächen nicht mehr wirtschaftlich ist. Die exponentielle Ausbreitung in den letzten Jahren wurde durch veränderte Klimabedingungen begünstigt. Die Hauptverbreitung erfolgt über im Boden gebildete Mandeln. Diese können dort über viele Jahre überdauern und aus unterschiedlichen Bodenschichten auflaufen. Auch aus kleinen, nur zwei bis drei Millimeter großen Mandeln können neue Pflanzen entstehen. Dies macht es schwer, Befall durch Erdabsiebung zu beseitigen. Über Erdanhang an Fahrzeugen, Bodenbearbeitungsgeräten, Ernte- und Baumaschinen, Boden-/Grabenaushub, Gartenabfälle, Pflanzgut, Baumschulware und so weiter können die Mandeln im Schlag aber auch über Schlag- und Betriebsgrenzen hinaus verbreitet werden. Erdmandelgras wächst dort, wo es der Kulturpflanze zu nass, trocken oder heiß ist. Fehlstellen im Acker sind oft die Eintrittspforten. Nicht minder gut wächst es dort, wo auch Kulturpflanzen wachsen. Bislang ist kein Fall bekannt, bei dem eine Fläche mit etabliertem Befall wieder saniert werden konnte.

Links Hirse, rechts Erdmandelgras. FOTOS (6): Günter Klingenhagen

Links Hirse, rechts Erdmandelgras. Diese stabilen Pflanzen treiben immer aus einer Mandel aus.

Die runden, teils auch platten Mandeln sind ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal.

Die Blätter sind dreikantig, hellgrün bis grün und glänzend.

Der Blüten-/Samenstand hat eine gelb-orange bis braune Farbe. Die Samen sind nur etwa einen Millimeter groß.

Die Mandeln werden an den Enden der Stolonen gebildet. Es gibt keine direkte Verbindung zwischen den Mandeln.

Knolliges Zyperngras

Die große Schwester des Erdmandelgrases ist das Knollige Zyperngras (Cyperus rotundus), was bereits auf Feldern in Niedersachsen vorgekommen ist. Kaum ein Wildkraut hat sich in mehr Ländern der Welt ausgebreitet. Es gedeiht in allen Bodentypen und überlebt die höchsten Temperaturen, die in der Landwirtschaft bekannt sind. Die Mandeln/Knollen des Knolligen Zyperngrases sind etwa doppelt so lang wie breit und insgesamt zwei- bis dreimal so groß wie die Mandeln des Erdmandelgrases. Die Mandeln/Knollen sind endständig oder auch über Stolonen miteinander verbunden. Vom oberirdischen Habitus ist Cyperus rotundus vergleichbar mit Cyperus esculentus. Im direkten Vergleich sind die Blätter dunkler und der Blüten-/Fruchtstand geht mehr ins rötlich-violette. Im Englischen trägt es den Namen purple nutsedge (violettes Nusskraut). Die Verbreitungswege sind vergleichbar zum Erdmandelgras.

QUELLE: Arne Klingenhagen

Gewöhnliche Strandsimse

Die Gewöhnliche Strandsimse (Bolboschoenus maritimus) ist in Deutschland heimisch. Sie ist eine typische Sumpfpflanze, die vor allem an Küsten, Uferzonen und in feuchten Binnengebieten vorkommt. Das ausdauernde Sauergras ist weiter verbreitet als bisher angenommen, zumal es unter Düngereinfluss gut gedeiht und bei hoher Ionen-/Salzkonzentration konkurrenzfähiger ist als andere Arten. Durch die zuletzt größere Beachtung von Sauergräsern wird die Strandsimse aber auch stärker wahrgenommen. Auf Äckern wächst sie vor allem an staunassen Stellen. Es lässt sich aber auch ein Verschleppen mit Bodenbearbeitungsgeräten in trockenere Bereiche der Schläge beobachten. Über Rhizome und die netzartig miteinander verbundenen Knollen findet die hauptsächliche Verbreitung statt. Diese ist offensichtlich nicht so effektiv wie beim Erdmandelgras. Dennoch sollte ein Einwandern in die Felder beziehungsweise eine Ausbreitung in diesen verhindert werden. Die Vorsorge- und Bekämpfungsmethoden sind vergleichbar mit denen des Erdmandelgrases.

Strandsimse ist zumeist dunkler im Grünton und größer als Erdmandelgras. FOTOS (6): Günter Klingenhagen

Der Samenstand ist braun bis dunkelbraun und kompakt.

Die Samen der Strandsimse sind dunkler und größer (drei bis fünf Millimeter) als die des Erdmandelgrases (ein Millimeter).

Die Blätter setzen auch an oberen Teilen des Stängels an.

Im Boden entwickeln sich entlang der Rhizome Überdauerungsknollen. Diese können Durchmesser von bis zu zwei Zentimetern erreichen.

Die Knollen sind netzartig miteinander verbunden, woraus neue Triebe erwachsen.

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