Leitartikel

Mehrheit plant den Anbau der vollen Lieferrechtsmenge

Volle Lager, heiße Felder

Der Wettermarkt übernimmt

Überfüllte Zuckerlager treffen auf Hitzestress im Feld: Während Rekordvorräte die Zuckerpreise belasten, entscheidet der weitere Witterungsverlauf über Ertrag und Marktentwicklung der Ernte 2026. Lässt die Sommerhitze den Zuckerberg schmelzen und die Preise wieder steigen? FOTO: KI

Überfüllte Zuckerlager treffen auf Hitzestress im Feld: Während Rekordvorräte die Zuckerpreise belasten, entscheidet der weitere Witterungsverlauf über Ertrag und Marktentwicklung der Ernte 2026. Lässt die Sommerhitze den Zuckerberg schmelzen und die Preise wieder steigen? FOTO: KI

Mehrheit plant den Anbau der vollen Lieferrechtsmenge

Volle Lager, heiße Felder

Der Wettermarkt übernimmt

Von Dr. Paul-Martin Pfeuffer, Geschäftsführer von SZVG und VSZ Der Start in das Anbaujahr 2026 verlief europaweit gut bis sehr gut. Anschließend setzte jedoch von Westen her eine frühe und anhaltende Hitzewelle mit Rekordtemperaturen ein. Für eine verlässliche Ernteprognose ist es derzeit noch zu früh. Entscheidend werden die Niederschläge im Juli und August sowie die weitere Entwicklung von SBR und den Blattkrankheiten sein. Der französische Zuckerrübenanbauerverband rechnet als größter Produzent Europas jedoch bereits mit Ernteausfällen – insbesondere angesichts der aktuellen Wetterprognosen. In Norddeutschland fielen bislang ausreichend Niederschläge, während die Situation in Süddeutschland stark davon abhängt, wo Gewitter niedergegangen sind.

Große Zuckervorräte und reduzierte Anbaufläche

Die Ausgangslage ist eindeutig: Die Zuckervorräte in Europa haben ein Rekordniveau erreicht, während die Anbauflächen auf ein Niveau zurückgegangen sind, das unter dem der Zuckerquotenzeit vor 2017 liegt. Wie sich der Markt im Jahresverlauf entwickelt, hängt nun vom Ernteergebnis ab. Fällt die Ernte sehr gut aus, droht ein weiteres Jahr mit niedrigen Zuckerpreisen in der EU. Ist sie schwach, besteht erhebliches Potenzial für deutliche Preissteigerungen.

Neben dem Wetter dürfte auch eine Gerichtsentscheidung von großer Bedeutung für den Markt sein: (Wann) wird es in Europa wieder Importzölle geben? Die EU hat beschlossen, die zollfreien Rohzuckerimporte über den aktiven Veredelungsverkehr für zunächst ein Jahr auszusetzen. Die aktive Veredelung war ursprünglich als Instrument zum Schutz der europäischen Süßwarenindustrie vorgesehen. In der Praxis wurde sie aber ausgenutzt, um Rohzucker aus Brasilien zollfrei in die EU einzuführen. Gegen die Aussetzung wurde nun Klage erhoben, da sie zu kurzfristig umgesetzt worden sei. Fest steht, dass die Aussetzung des aktiven Veredelungsverkehrs kommen wird. Offen ist aber, ob sie sich durch das laufende Gerichtsverfahren verzögert.

Unterstützung für steigende Zuckerpreise kommt derzeit auch vom Weltmarkt. Die internationalen Weißzuckerpreise an der Londoner Börse sind zuletzt gestiegen und haben ein Neunmonatshoch erreicht. Auslöser ist das Wetterphänomen El Niño. Dabei erwärmt sich das Meerwasser im Pazifik vor der Küste Südamerikas, was weltweit zu Wetterextremen führt und in Brasilien häufig mit niedrigeren Zuckererträgen einhergeht. Erste Spekulanten setzen daher bereits auf steigende Zuckerpreise.

Mehrheit will 100 % der Lieferrechte anbauen

Die gesamte europäische Zuckerindustrie leidet derzeit unter den niedrigen Zuckerpreisen. Südzucker verzeichnete im vergangenen Geschäftsjahr im Segment Zucker einen operativen Verlust von 177 Millionen Euro (Vorjahr: minus 13 Millionen Euro). Hinzu kamen erhebliche Wertberichtigungen. Erstmals in der jüngeren Unternehmensgeschichte wird Südzucker keine Dividende ausschütten. Stabilisiert wird der Konzern derzeit durch die übrigen Geschäftsbereiche, die rund zwei Drittel des Umsatzes erwirtschaften. Gleichzeitig wurde ein umfassendes Spar- und Optimierungsprogramm eingeleitet.

Von den schwierigen Marktbedingungen sind auch die Rübenanbauer betroffen. Im Zuckerrübenliefervertrag 2027 wurden deshalb einschneidende Anpassungen vorgenommen. Das Grundprinzip des Vertrags blieb jedoch erhalten: Von steigenden Zuckerpreisen profitieren die Landwirte überproportional. Aber auch Phasen mit niedrigen Preisen müssen gemeinsam getragen werden.

Als Reaktion auf die niedrigen Zuckerpreise und hohen Lagerbestände hat Südzucker die Ausnutzung der Lieferrechtsmenge zunächst auf 90 Prozent reduziert. Sollte infolge einer schwachen Ernte der Zuckerbedarf für das Jahr 2027 jedoch steigen, kann die Lieferrechtsmenge im Herbst auf 100 Prozent angehoben werden. Die große Mehrheit der Rübenanbauer in Süddeutschland hat bereits signalisiert, ihre Lieferrechte vollständig ausschöpfen und 100 Prozent anbauen zu wollen. Jetzt hängt fast alles vom Wetter ab.


Dr. Paul-Martin Pfeuffer Geschäftsführer von SZVG und VSZ


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