Anbau
Das Erstauftreten von Cercospora ist erkennbar an den kleinen, relativ runden Blattflecken (zwei bis drei Millimeter), die in der Mitte hellgrau mit einem Pilzmycel und schwarzen Punkten sind, sowie außen von einem rotbraunen Rand umgeben werden. FOTO: Oliver Gentsch
Indikatoren zur Bekämpfung von Cercospora
Timing ist alles
Stärken und Schwächen der Blattrupfmethode im Vergleich zu anderen

FOTO: Adobe Stock
Indikatoren zur Bekämpfung von Cercospora
Timing ist alles
Stärken und Schwächen der Blattrupfmethode im Vergleich zu anderen
Von Dr. Johann Maier Kuratorium für Versuchswesen und Beratung im Zuckerrübenanbau, Mannheim
Eine termingerechte Behandlung von Blattkrankheiten ist für eine effektive Bekämpfung entscheidend und zusammen mit der Mittelwahl eine wichtige Stellschraube bei der Bekämpfung von Cercospora. Bereits seit vielen Jahren liefert das flächendeckende Cercospora-Monitoring mit den daraus resultierenden Warndienstinformationen wertvolle Hinweise für die Betriebe. Doch wie erfolgt die Ermittlung einer Bekämpfungsnotwendigkeit im Rahmen des traditionellen Blattkrankheiten-Monitorings?
So funktioniert die Blattrupfmethode
Zur Ermittlung der entsprechenden Schwellenwerte, die bei Überschreitung eine unmittelbare Bekämpfung nach sich ziehen sollten, geht man diagonal durch den Rübenschlag und entnimmt aus dem mittleren Blattbereich (keine Herzblätter beziehungsweise abgestorbene Blätter) von 100 Rüben je ein Blatt. Als befallen gilt ein Blatt, wenn es mindestens einen pilzlichen Blattfleck aufweist. Bis zur Erstbekämpfung erfolgt diese Kontrolle einmal wöchentlich. Ist eine Fungizidapplikation ausgebracht, sollte mit der erneuten Kon-trolle 14 Tage später begonnen werden. Diese Pause entspricht in etwa der zu erwartenden Wirkungsdauer der zugelassenen Fungizide. Noch vor einigen Jahren konnte von einer Wirkungsdauer von zirka 21 Tagen ausgegangen werden. Allerdings hat sich durch das „Shifting“ (Anpassung von Cercospora an die fungiziden Wirkstoffe mit einer damit einhergehenden verminderten Wirkung) der früher übliche Zeitraum zwischen den Behandlungen verkürzt. Nach 14 Tagen ist deshalb mit einem erneuten Anstieg der Befallszahlen zu rechnen.
Das Schema in Abbildung 1 zeigt mögliche Applikationstermine in Abhängigkeit einer gleichmäßig zunehmenden Cercospora-Epidemie. In Phasen mit eher ungünstigen Entwicklungsbedingungen für Cercospora (zu trocken, zu heiß oder zu kalt) können diese Termine voneinander abweichen. Warndienste an die Landwirte werden dann entsprechend verzögert verschickt.
Welche anderen Modelle gibt es?
Neben dem beschriebenen Monitoring gibt es vor allem witterungsbasierte Prognose- und Entscheidungsmodelle, die den Landwirten als Warndienste helfen, den optimalen Behandlungszeitpunkt zu ermitteln. Die wichtigsten Modelle werden im Folgenden beschrieben.
CERCBET 1 (bei ISIP) – Prognose des Erstauftretens
Dieses Modell berechnet das Infektionsrisiko und den Termin des Erstauftretens von Cercospora für spezifische Regionen. Es dient dazu, den Zeitpunkt zu bestimmen, ab dem eigene Kontrollen auf den Feldern gestartet werden sollten. Neben maßgeblichen Wetterdaten verarbeitet das Modell auch Informationen zum Zuckerrübenanbauverhältnis, zur Fruchtfolge und zum Befall im letzten Jahr gegen Saisonende.
CERCBET 3 (bei ISIP) – Regionale Behandlungsstrategie
Diese Strategie baut auf dem Erstbefall auf und nutzt schlagspezifische Parameter sowie Wetterdaten (Temperatur, Luftfeuchte), um zu prognostizieren, ob die Bekämpfungsschwelle in den nächsten drei Tagen überschritten wird. Zum Start des Modells muss einmalig der Anteil befallener Blätter eingegeben werden. Im Anschluss wird die tägliche Befallszunahme im Bestand berechnet. Auch bereits erfolgte Fungizidbehandlungen können berücksichtigt werden. Es empfiehlt dann gezielt die weitere Applikation von Fungiziden.
ProPlant
Dies ist ein weiteres etabliertes Prognosemodell, das neben Cercospora auch andere Blattkrankheiten in Zuckerrüben kontrolliert und dabei hilft, den optimalen Spritzzeitpunkt zu bestimmen. Der Cercospora-Warnservice von LIZ basiert auf „proPlant expert“ und informiert Rübenanbauer in den Anbaugebieten von Pfeifer & Langen per WhatsApp schlagspezifisch über Infektionsrisiken und optimale Behandlungstermine.
Cercospora Applikationsmanager
Dabei handelt es sich um ein speziell von KWS angebotenes Modell, das auf Basis der Aussaat, der angebauten Sorte und ortsspezifischen Wetterdaten die Entwicklung von Cercospora prognostiziert, um die erste Fungizidapplikation planen zu können.
Übersicht Blattkrankheiten- Warndienst 2025. QUELLE: bisz.suedzucker.de
Stärken und Schwächen der verschiedenen Modelle
Das Blattkrankheiten-Monitoring ist in der Beratung der Südzucker-Landwirte seit mehr als 30 Jahren etabliert. Die Grundlagen für schwellenorientierte Bekämpfungsentscheidungen sind in mehrjährigen wissenschaftlichen Arbeiten geschaffen worden. Die Bekämpfungsschwellen wurden regelmäßig auf ihre Wirksamkeit im Rahmen von Feldversuchen durch die Arbeitsgemeinschaften in Deutschland überprüft. Dabei hat sich in Schwerbefallslagen, vor allem in Süddeutschland, gezeigt, dass dem Termin der Erstbekämpfung eine entscheidende Bedeutung für den Bekämpfungserfolg zufällt.
Einige Wirkstoffe im Baukasten der Cercospora-Fungizide (vor allem diejenigen, die bereits länger in der Anwendung sind) weisen mittlerweile eine abnehmende Wirkung bei der Bekämpfung auf. Zudem entwickeln sich die Epidemien unterstützt durch das sich erwärmende Klima stärker und schneller als noch zu Zeiten der Schwellenwertentwicklung. Diese Umstände erfordern eine absolut termingerechte Erstbehandlung, um möglichst effektiv in die Epidemieentwicklung einzugreifen. Zu späte Behandlungen können in der Regel mit den Folgebehandlungen nicht mehr korrigiert werden und führen zu vermeidbaren Zuckerertragsverlusten. Diesem Umstand versucht man Rechnung zu tragen, indem eine Warnung bereits vor dem Überschreiten der Schwelle von fünf Prozent an die betroffenen Landwirte einer Monitoring-Region verschickt wird.
Eine tatsächliche Bekämpfung sollte dann ohne weitere Verzögerung sofort erfolgen, sofern der tatsächlich ermittelte Befall auf den Feldern an den Schwellenwert gelangt. Dies bedeutet allerdings, dass die Bonituren nach wie vor tatsächlich physisch vor Ort im Feld erfolgen müssen und einen gewissen zeitlichen Aufwand erfordern. Zusätzlich kann es dabei immer wieder zu Fehldiagnosen bei der Erkennung des Erstbefalls von Cercospora kommen.
Ist man allerdings sicher in der Krankheitserkennung, bietet diese Methode den Vorteil, dass man die reale Befallsentwicklung auf den Feldern beobachtet und „hautnah am Geschehen“ ist.
Es wurden im Kuratorium in den letzten Jahren verschiedene andere Modelle, die bei den Befallsprognosen unter anderem Wetterdaten, Aussaattermine, Sortentoleranzen oder Anbauintensität mit berücksichtigen, teilweise mitentwickelt und über Jahre im Vergleich zum bisherigen Schwellenwertmodell (SWM) in Feldversuchen getestet. Auch wenn die Integration der genannten Parameter zur Beurteilung einer Cercospora-Epidemie absolut logisch erscheint, steckt der Teufel wie so oft im Detail. Vorausgeschickt sei an dieser Stelle, dass es sich bei den von Südzucker getesteten Modellen nicht um die zuvor erwähnten handelt. Deshalb kann weder zur Wirkungsweise noch zur Treffsicherheit dieser Modelle eine Aussage getroffen werden. Bei den zwei im Kuratorium geprüften Modellen erfolgte die Fungizidempfehlung teilweise deutlich später und/oder mit einer geringeren Applikationshäufigkeit als im SWM und sie schnitten am Ende im Zuckerertrag teilweise deutlich schlechter ab.
Als Ergebnis der Prüfung hat sich Südzucker bei der Bewarnung der Landwirte für eine Fortführung der bewährten Blattrupfmethode entschieden. Dies ist aber keine endgültige Absage an eine zukünftige Implementierung von digitalen Informationen, die den Warndienst verbessern oder vereinfachen – idealerweise beides gleichzeitig.

Dr. Johann Maier Kuratorium für Versuchswesen und Beratung im Zuckerrübenanbau, Mannheim
FAZIT
Die bisherige Blattrupfmethode zur Ermittlung der Cercospora-Bekämpfungsschwelle hat sich seit drei Jahrzehnten bewährt. Die Methode ist zwar arbeitsintensiv, beobachtet aber das reale Befallsgeschehen im Feld. Der richtige Termin für die erste Bekämpfung ist entscheidend für den Bekämpfungserfolg und darf nicht „verschlafen“ werden. Andere Modelle, die zusätzliche Daten wie Sorte, Wetter et cetera einbeziehen, wurden getestet, schnitten aber schlechter ab als die Blattrupfmethode. An einer Verbesserung/Unterstützung des bisherigen Modells wird weiterhin gearbeitet.

