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Deutliche Unterschiede beim Zikadenflug in den Regionen
Früh erkennen, richtig handeln
Monitoring als Basis für präzisen Bekämpfungsstart
Pilotprojekt: Digitale Unterstützung beim Zikaden-Monitoring. Zweimal am Tag erfolgt eine Bildaufnahme, die anschließend an das Smartphone geschickt wird. FOTO: Christian Beil

Pilotprojekt: Digitale Unterstützung beim Zikaden-Monitoring. Zweimal am Tag erfolgt eine Bildaufnahme, die anschließend an das Smartphone geschickt wird. FOTO: Christian Beil
Deutliche Unterschiede beim Zikadenf lug in den Regionen
Früh erkennen, richtig handeln
Monitoring als Basis für präzisen Bekämpfungsstart
Von Christoph Ott, Geschäftsführer Verband Fränkischer Zuckerrübenbauer e.V.
Die diesjährigen Notfallzulassungen für Insektizide zur Bekämpfung der Schilf-Glasflügelzikade waren erneut an ein begleitendes Zikaden-Monitoring geknüpft. Auch wenn dies für alle Beteiligten mit erheblichem Aufwand verbunden ist, zeigen die Ergebnisse deutlich, wie wichtig das Monitoring für die richtige Terminierung des Warnaufrufs ist.
Durch die teilweise zweimal wöchentlich durchgeführten Bonituren wurden erhebliche Unterschiede beim Zuflug der Schilf-Glasflügelzikaden in die diesjährigen Rübenschläge der einzelnen Landkreise festgestellt. Diese Beobachtungen ermöglichten es, die Warnaufrufe zum Beginn des Zikadenflugs auszusprechen. Somit konnten unnötige Maßnahmen vor Flugbeginn vermieden werden.
Der erste Aufruf im fränkischen Anbaugebiet erfolgte bereits am 21. Mai im Landkreis Eichstätt. Die Landkreise Neustadt Saale, Bad Kissingen, Coburg, Roth sowie die kreisfreien Städte Nürnberg und Schwabach wurden hingegen erst rund dreieinhalb Wochen später aufgerufen. Dies verdeutlicht die regionalen Unterschiede und bestätigt die Bedeutung des Zikaden-Monitorings. Hier gilt der Dank allen Beteiligten von Südzucker, Landwirtschaftsämtern und der Landesanstalt für die gute Umsetzung und Zusammenarbeit.
Unterschiede auch innerhalb der Landkreisgrenzen
Eine besondere Situation war im Landkreis Würzburg zu beobachten. Aufgrund der Zikadenfänge an den Standorten Seligenstadt und vor allem Bergtheim erfolgte bereits am 27. Mai der amtliche Warnaufruf. Als mögliche Ursache wird der in dieser Region weit verbreitete Anbau von Sonderkulturen vermutet, die ebenfalls von den Zikaden befallen und infiziert werden.
Im südlichen Landkreis hingegen konnten zunächst keinerlei Zikaden an den Klebetafeln gefunden werden. Ebenso gab es in der Modellregion Gelchsheim, in welcher seit Jahren intensive Monitoringaktivitäten bereits in Getreidebeständen durchgeführt werden, noch keine Funde. Aus diesem Grund wurde den Anbauern im südlichen Würzburger Landkreis geraten, trotz des landkreisbezogenen Aufrufs vorerst keine Insektizidapplikation durchzuführen und das Monitoring weiterhin aufmerksam zu verfolgen. Erst am 8. Juni wurde auf Basis der Monitoringergebnisse die Empfehlung für den Start der Behandlungen ausgesprochen.
Engmaschiges Monitoring
Das diesjährige Zikaden-Monitoring zeigt, dass umso engmaschiger es durchgeführt wird, desto präziser können die Warnaufrufe terminiert werden. Allerdings erfordern zusätzliche Monitoringstandorte auch erheblichen personellen und zeitlichen Aufwand. Hier könnte zukünftig die künstliche Intelligenz einen Beitrag dazu leisten. Gemeinsam mit der Firma Bayer testet der VFZ in dieser Anbausaison das digitale Zikaden-Monitoring StickyTrap. Die Kamera lichtet zweimal täglich die Klebetafel ab und schickt die Bilder direkt an das Smartphone. Um die Ergebnisse validieren zu können, wurde am Standort zusätzlich eine „konventionelle“ Klebetafel aufgestellt, die einmal pro Woche ausgezählt wird.
Blattkrankheiten
In der 26. Kalenderwoche startete an den Monitoringstandorten zusätzlich das Blattkrankheitenmonitoring. Die Zählung der Zikaden wird bis zum Ende der Flugaktivität fortgeführt. Aufgrund der extremen Hitze und Trockenheit Ende Juni ist nicht mit einem frühen Befallsbeginn von Blattkrankheiten zu rechnen. Sollten jedoch Niederschläge einsetzen, kann sich die Situation schnell ändern. Die Ergebnisse der Auszählung des Monitorings dienen als Orientierungshilfe, ersetzen jedoch nicht die eigene Bestandskontrolle.
Erfreulich ist die aktuelle Zulassungssituation bei den Fungiziden. Mit Univoq steht dank einer Notfallzulassung für 2026 ein weiteres Präparat zur Verfügung, welches neben Propulse, Panorama und Diadem zu den leistungsstärksten Produkten zählt. Darüber hinaus erhielten fünf kupferhaltige Produkte (Recudo, Grifon, Coprantol Duo, Badge WG und Airsone SC) eine reguläre Zulassung und können auch im Folgejahr sicher eingesetzt werden. Somit ist für den Einsatz von Kupferpräparaten künftig keine Notfallzulassung mehr erforderlich.
Die Beimischung kupferhaltiger Produkte wird dringend empfohlen. Die Ergebnisse der ARGE-Versuche bestätigen den Mehrwert dieser Maßnahme seit Jahren. Gleichzeitig beugt dies auch die Entwicklung von Resistenzen vor.

Christoph Ott Geschäftsführer Verband fränkischer Zuckerrübenbauer e.V.
