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Mit knapp 200 Versammlungsteilnehmern war die Gemeindehalle in Albig am 8. Juni gut gefüllt. FOTO: Christine Wendel
Infoveranstaltungen zur Kontrahierung 2027
Marktmacht statt Ohnmacht
Einzigartige Organisation bietet einzigartige Chancen

Mit knapp 200 Versammlungsteilnehmern war die Gemeindehalle in Albig am 8. Juni gut gefüllt. FOTO: Christine Wendel
Infoveranstaltungen zur Kontrahierung 2027
Marktmacht statt Ohnmacht
Einzigartige Organisation bietet einzigartige Chancen
Von Christine Wendel, Verband Hessisch-Pfälzische Zuckerrübenanbauer e.V
Die schwierige Marktlage, hohe Saatgut- und Pflanzenschutzkosten, ausbleibende Dividendenzahlungen und die Konditionen für den Liefervertrag 2027 treiben die Anbauer um. Das war deutlich erkennbar an den hohen Besucherzahlen und Diskussionsbeiträgen bei den gemeinsamen Kontrahierungs- und Informationsveranstaltungen von Verband und Südzucker. Die Präsenz-Veranstaltungen in Albig (8. Juni), Büttelborn (10. Juni) und Steinweiler (15. Juni) boten insbesondere auch viel Raum für die Beantwortung von Fragen. Im Rahmen einer zusätzlichen Online-Veranstaltung am 24. Juni nutzten ebenfalls noch einmal zahlreiche Anbauer das überregionale Informationsangebot.
Gemeinsame Anstrengungen zeigen Wirkung
Der Verbandsvorsitzende Walter Manz erläuterte dabei ausführlich die Hintergründe für die notwendigen Anpassungsmaßnahmen im Liefervertrag 2027 sowie auch den Einfluss von Import- oder Exportparität auf die Preisbildung. Dadurch wurde deutlich, wie schnell sich ein substanzieller Preissprung vollziehen kann, sobald das Inlandsangebot wieder auf die Inlandsnachfrage abgestimmt ist. „Die europaweiten Flächeneinschränkungen haben den Zuckermarkt erkennbar entlastet“, erklärte Manz. „Daher erwarten wir auch wieder ansteigende Zucker- und Rübenpreise.“
In diesem Zusammenhang betonte der Verbandsvorsitzende insbesondere: „Die wirtschaftliche Situation ist aktuell in der gesamten Landwirtschaft extrem schwierig. Aber keine andere Branche kann so viel Markteinfluss nehmen wie wir!“ Während man als Anbauer zum Beispiel einem globalen Getreidemarkt komplett hilflos ausgeliefert sei, bestehe in der „Flaschenhalsproduktion“ Zuckerrübe/Zucker und nicht zuletzt auch durch die enge Partnerschaft mit dem Zuckerunternehmen eine wertvolle Steuerungsmöglichkeit. Manz rief dazu auf, diese einzigartige Chance zu nutzen, zumal die gemeinsamen Anstrengungen bereits Wirkung zeigten.
Politik gefährdet heimische Produktion
„Den Markt können und werden wir wieder in den Griff bekommen“, zeigte sich der Verbandsvorsitzende zuversichtlich. Über die langfristige Zukunftsfähigkeit des heimischen Zuckerrübenanbaus entscheide aber letztlich die Politik. „Es ist die Politik, die immer neue Freihandelsabkommen beschließt, die unkontrollierte Importmengen ins Land lässt“, erklärte Manz. „Und es ist vor allem die deutsche Politik, die durch Pflanzenschutzverbote, Maut und CO2-Steuer eine maximale Wettbewerbsverzerrung zu Lasten unserer heimischen Produktion verantwortet hat!“ Manz forderte daher seine Berufskollegen auf, ihre politischen Interessenvertreter nachdrücklich auf diese Missstände und die davon ausgehende existenzielle Gefährdung der heimischen Landwirtschaft hinzuweisen.
Der Verbandsgeschäftsführer Dr. Christian Lang griff in diesem Zusammenhang auch noch einmal detailliert die geplante Zuckersteuer auf, die er als unsozial, hochbürokratisch und unwirksam in der (offiziell) erklärten Zielsetzung, positive Gesundheitseffekte zu fördern, entlarvte. „Die Zuckersteuer ist kein gesundheitspolitisches Instrument“, resümierte Lang. „Aber sie kostet am Ende eine Zuckerfabrik in Deutschland!“ Angesichts des massiven wirtschaftlichen Drucks für Landwirtschaft wie auch Industrie warnte der Verbandsgeschäftsführer. „Hier wird ein Grundnahrungsmittel bedroht, und statt wirksamer Hilfe bekommen wir von Seiten der Politik nur noch mehr Auflagen, noch mehr Bürokratie, noch mehr Kosten!“
Praxis braucht schnelle Lösungen
Gerade vor diesem Hintergrund müsse die Produktion auf möglichst stabile Füße gestellt werden. Aber auch hier fehle bisher eine ausreichende Unterstützung der Politik zur Bewältigung der – längst nicht mehr nur auf die Zuckerrübe beschränkten – massiven Bedrohung durch die Schilf-Glasflügelzikade. Lang wies außerdem auf eine weitere Problematik hin: den regional festgestellten Bruch der Rz1-Resistenz bei Rizomania. Hier konnte der Verbandsgeschäftsführer allerdings direkt Entwarnung geben, denn es sind bereits geeignete Sorten mit Rz2-Toleranz auf dem Markt. „Nicht alles, was wir draußen an Schäden sehen, ist SBR“, erklärte Lang in diesem Zusammenhang. „Gerade im Rheingraben lohnt es sich, genauer hinzuschauen und gegebenenfalls auf eine Rz2-Sorte zu setzen.“ Der Ertragshebel ist, gerade unter Starkbefallsbedingungen, enorm: bis zu zehn Tonnen Mehrertrag konnte der Verbandsgeschäftsführer hierbei aufzeigen.
Nachdrücklich forderte Lang einen grundsätzlichen Umbau der Förderkulisse für Forschungsprojekte im Zusammenhang mit pflanzenbaulichen Bedrohungen. „Hier wird gerade eine langfristige Grundlagenforschung aufgebaut“, erklärte er. „Aber so wichtig diese auch ist – sie bringt uns erst in frühestens zehn Jahren praktisch verwertbare Ergebnisse. Die Förderung anwendungsorientierter Praxisforschung fällt dagegen bisher durchs Förderraster“, kritisierte der Verbandsgeschäftsführer – und forderte: „Schnell verfügbar muss hier unbedingt ein Kriterium werden!“
Gut vorbereitet in die Kontrahierung
Michael Adams, Leiter der Rübenabteilung Offstein, stellte die Rübenpreisrechnung 2025 für das Verbandsgebiet Hessen-Pfalz vor und erläuterte in diesem Zusammenhang auch ausführlich die Systematik von Rohstoffsicherungsnetz und Pol.-Bonus. Sein Kollege René Renneißen führte die Veranstaltungsteilnehmer anschließend Schritt für Schritt durch den Anbauplaner 2027 und die Saatgutfrühbestellung im PlantPortal. Angesichts der zu erwartenden sehr kurzen Kampagne 2026 empfahl er, sich frühzeitig mit benötigten Carbokalk-Mengen einzudecken.
In der von Verbandsmitarbeiterin Christine Wendel vorgestellten Wirtschaftlichkeitsbetrachtung wurde deutlich, dass die Deckungsbeiträge der verschiedenen Ackerbaukulturen 2025 insgesamt auf einem sehr niedrigen Niveau lagen; lediglich der Raps konnte eine positive Entwicklung verbuchen. In sechs der neun betrachteten Jahre führte allerdings jeweils die Zuckerrübe den Deckungsbeitragsvergleich an – auch dank Zusatzzahlungen zur Abfederung von markt- oder krankheitsbedingten Härten. „Wir haben, zum Beispiel durch solche Zusatzzahlungen, immer auch viel dafür getan, dass die Zuckerrübe spitze oder – in schwierigen Zeiten – doch zumindest konkurrenzfähig geblieben ist“, betonte Wendel. „Gleichzeitig gibt es bei der Zuckerrübe keine Vertragsstrafe oder Nachschusspflicht, wenn es mit der Erntemenge vielleicht doch mal nicht ganz hinhaut. Welche andere Kultur bietet das noch?“
Zuckerrübe wichtig im Fruchtfolgemix
Wendel zeigte außerdem auf, dass sich die Deckungsbeiträge der Vergleichskulturen von Jahr zu Jahr oft sehr deutlich unterscheiden und auch in ihrem Verhältnis zueinander verschieben. „Wer kann bei solchen Sprüngen schon zuverlässig prognostizieren, wie die Deckungsbeiträge nächstes Jahr oder in fünf Jahren aussehen“, warnte Wendel vor kurzsichtigen Anbauentscheidungen und plädierte umso eindringlicher für eine möglichst breit aufgestellte Fruchtfolge. Der Verband empfahl daher auch seinen Mitgliedern, bei der Kontrahierung für 2027 einen Anbauwunsch von 100 Prozent abzugeben, um bestmöglich von steigenden Preisen profitieren zu können und niedrigpreisige Überrüben zu vermeiden.

Christine Wendel Verband Hessisch-Pfälzische Zuckerrübenanbauer e.V
