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SACHSEN THÜRINGEN südliche Kreise von SACHSEN-ANHALT & BRANDENBURG

Vegetationsverlauf 2026

Rüben mit Potenzial

Gute bis sehr gute Bestände, doch Hitzeperiode wirft Fragezeichen auf

Der Zuckerrübenbestand wurde am 25. Juni aufgenommen. Nach mehreren Tagen mit Temperaturen über 30 Grad ließen die Rüben in der Mittagssonne ihre Blätter hängen. Dieser Schutzmechanismus reduziert die Wasser­verdunstung. Problematisch war in dieser Phase die hohe Nachttemperatur, die zu einer höheren Veratmung und geringeren Einlagerung von Zucker im Rübenkörper führt. FOTOS (2): Christian Beyer

Der Zuckerrübenbestand wurde am 25. Juni aufgenommen. Nach mehreren Tagen mit Temperaturen über 30 Grad ließen die Rüben in der Mittagssonne ihre Blätter hängen. Dieser Schutzmechanismus reduziert die Wasser­verdunstung. Problematisch war in dieser Phase die hohe Nachttemperatur, die zu einer höheren Veratmung und geringeren Einlagerung von Zucker im Rübenkörper führt. FOTOS (2): Christian Beyer

Vegetationsverlauf 2026

Rüben mit Potenzial

Gute bis sehr gute Bestände, doch Hitzeperiode wirft Fragezeichen auf

Von Christian Beyer, Geschäftsführer Verband Sächsisch-Thüringischer Zuckerrübenanbauer e.V. Halten die Bestände, was sie am 25. Juni versprochen haben? Günstige Bedingungen zur Saat mit einem ausreichenden Wasserangebot für die Auflaufphase führten trotz des ungewöhnlich kühlen Aprilwetters zu einem guten Feldaufgang. Die zügige Erwärmung im Mai ließ die Bestände den Entwicklungsrückstand aufholen und der Reihenschluss erfolgte erneut bis Anfang Juni. Die Bodenfeuchte beziehungsweise die nutzbare Feldkapazität sind 2026 in Mitteldeutschland unterdurchschnittlich. Das Niederschlagsdefizit aus dem Winterhalbjahr wurde durch die überdurchschnittlichen Niederschläge im Mai gemildert.

Dennoch zeigt der Blick auf die nutzbare Feldkapazität im durchwurzelbaren Raum vielerorts ein deutliches Defizit gegenüber dem langjährigen Mittelwert. Während einzelne Starkregenereignisse insbesondere Ende April und Anfang Mai lokal zur Entspannung beitrugen, blieb die Wasserversorgung im überwiegenden Teil des Verbandsgebiets unterdurchschnittlich. Bereits gegen Ende Juni zeigten insbesondere flachgründige und leichtere Standorte erste deutliche Symptome von Trockenstress.

Mit der seit Mitte Juni anhaltenden Hitze verschärfte sich die Situation zusätzlich, sodass die weitere Ertragsentwicklung nun wesentlich von den Niederschlägen der kommenden Wochen abhängen wird.

Unkraut- und Schädlingsbekämpfung

Der Herbizideinsatz verlief im Frühjahr überwiegend erfolgreich. Die Kombination aus günstigen Applikationsbedingungen und zeitweiligen Niederschlägen ermöglichte eine gute Bodenwirkung der eingesetzten Wirkstoffe. Die Standard­verunkrautung mit Weißem Gänsefuß, Windenknöterich sowie Klett- und Labkraut konnte auf den meisten Flächen sicher kontrolliert werden. Auch in den Pflanzenschutzversuchen bestätigten sich hohe Wirkungsgrade der Standard­programme. Schwierigkeiten traten vereinzelt dort auf, wo Ausfallraps infolge längerer Trockenphasen verspätet auflief oder mehrere Auflaufwellen zeigte. Insgesamt präsentieren sich die Rübenbestände im Mai und Juni jedoch weitgehend unkrautfrei und ohne sichtbaren Herbizidstress.

Die Entwicklung der Blattlauspopulation verlief in diesem Jahr zunächst verhalten. Erst mit den ansteigenden Temperaturen ab Mitte Mai setzte eine deutliche Vermehrung der Schwarzen Bohnenlaus ein. Regional wurde die Bekämpfungs­schwelle erreicht oder überschritten. Gleichzeitig entwickelte sich jedoch auch eine hohe Aktivität natürlicher Gegenspieler wie Marienkäfer, Florfliegen und Schwebfliegenlarven. Auf unbehandelten Beobachtungsflächen konnte dadurch vielfach ein natürlicher Rückgang der Population festgestellt werden. Hinweise auf Vergilbungsviren wurden bislang nur vereinzelt beobachtet. Auch wenn die Schwarze Bohnenlaus als Überträger in Betracht kommt, ist nicht mit einem gesteigerten Auftreten von Vergilbungssymptomen zu rechnen.

Schosserproblem

Vereinzelt bereitet das Auftreten von Schosserrüben Probleme. Neben den Unkrautrüben aus den vergangenen Jahren finden sich vermehrt schossende Rüben aus dem diesjährigen Saatgut. Scheinbar führten die Umweltbedingungen in der Jungendentwicklung der Rüben regional zu einem Schossreiz. Die konsequente Entfernung dieser Rüben ist für den Erhalt eines wirtschaftlichen Rübenanbaus unabdingbar. Speziell mit Blick auf die Nutzung des Anbausystems Conviso ist der Beseitigung von Unkrautrüben und Schossern ein besonderes Augenmerk zu schenken. Dies gilt auch für mögliche Unkrautrüben in den Folgekulturen. Als Notfallmaßnahme bietet sich in besonders stark belasteten Beständen auch die maschinelle Bekämpfung an. Beispielsweise durch Zupfgeräte oder Maschinen, die überständiges Kraut abschneiden und sammeln. Hierdurch ist keine vollständige Entfernung möglich, allerdings eine deutliche Reduktion des Samenpotenzials für die kommenden Jahre.

Seit mehreren Wochen sind die ersten Schosser sichtbar. Wer sie nicht direkt in mehreren Wellen bekämpft, sollte bei den am weitesten entwickelten Pflanzen auf die Verbringung vom Schlag achten. Teilweise sind die Rüben nach der Entfernung aus dem Boden noch in der Lage, fertile Samen zu entwickeln.

Blattkrankheiten

Im Gegensatz zum Vorjahr zeichnet sich bei den Blattkrankheiten bislang eine ruhigere Entwicklung ab. Die außergewöhnlich trockene und sonnige Witterung begrenzte bisher das Infektionsrisiko für Cercospora beticola deutlich. Die Prognosemodelle zeigten bis Ende Juni nur ein geringes Erstinfektionsrisiko. Gleichzeitig verfügen die Bestände bereits über einen ausgeprägten Blattapparat, sodass sich die Situation nach ergiebigen Niederschlägen innerhalb weniger Tage grundlegend ändern könnte.

Gemeinsam mit Südzucker und den Pflanzenschutzdiensten wird das Monitoring auch in diesem Jahr kontinuierlich fortgeführt. Die Ergebnisse werden über das ISIP-Portal veröffentlicht. Bei Erreichen der Bekämpfungsschwelle von fünf Prozent befallener Blätter sollte eine Fungizidmaßnahme erfolgen. Ab Mitte August erhöht sich diese Schwelle auf fünfzehn Prozent befallener Blätter. Zur Bonitur werden 100 zufällig ausgewählte Blätter aus dem Schlag entnommen.

Die zunehmende Bedeutung von Cercospora im mitteldeutschen Anbaugebiet bleibt unverändert. Trotz der aktuellen Trockenheit ist ein früher Infektionsbeginn nicht ausgeschlossen. Die gängigen Prognosemodelle beispielsweise über ISIP bieten eine gute Orientierung. Der Erfolg der Bekämpfung von Blattkrankheiten hängt im Wesentlichen vom korrekten Termin der ersten Maßnahme ab. In diesem Jahr sind erstmalig mehrere Kupferpräparate mit regulärer Zulassung im Rübenanbau einsetzbar.

Zikadenbekämpfung

Besondere Aufmerksamkeit gilt weiterhin der Schilf-Glasflügelzikade und den damit verbundenen Krankheiten SBR und Stolbur. Im Verlauf des Juni wurden erste Fänge an den bekannten Monitoringstandorten registriert. Die Nachweise konzentrieren sich weiterhin auf den Elberaum und das südliche Sachsen-Anhalt. Die Fangzahlen bewegten sich noch unter dem Niveau der süddeutschen Befallsgebiete, dennoch haben sich die Zikaden auch im sächsisch-thüring-ischen Anbaugebiet etabliert. Die in den vergangenen Jahren aufgebauten Monitoringprogramme werden deshalb konsequent fortgeführt. Parallel dazu laufen erneut zahlreiche Versuche zur Wirksamkeit möglicher Bekämpfungsstrategien sowie zur Epidemiologie von SBR und Stolbur. Für das Einzugsgebiet der Zuckerfabrik Zeitz besteht derzeit kein Anlass, von einer gravierenden Verschärfung der Situation auszugehen. Dennoch wird die weitere Entwicklung aufmerksam verfolgt. Ein erster Warndienstaufruf erfolgte in der KW 26 für den Landkreis Meißen.

Aktuelle Marktlage

An den internationalen Zuckermärkten hat sich die Lage gegenüber dem Vorjahr bislang nur wenig verändert. Der Weltmarkt bleibt durch hohe Produktionsmengen in wichtigen Exportländern geprägt, während sich der europäische Markt nach den Produktionsanpassungen der vergangenen Jahre zunehmend stabilisiert. Insgesamt bestehen derzeit keine deutlichen Impulse für steigende Zuckerpreise. Entscheidend für die Erlössituation der Ernte 2026 werden daher neben der Marktentwicklung vor allem die tatsächlich erreichten Erträge und Zuckergehalte sein.


Christian Beyer, Geschäftsführer Verband Sächsisch-Thüringischer Zucker­rübenanbauer e.V.


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