Verband
Anbau 2026
Früh erkennen, gezielt handeln
Mit Strategie durch den Sommer
Anbau 2026
Früh erkennen, gezielt handeln
Mit Strategie durch den Sommer
Von Saskia Dietz, Verband baden-württembergischer Zuckerrübenanbauer e.V.
In der diesjährigen Vegetation haben die Zuckerrübenanbauerinnen und -anbauer neben den hohen Temperaturen und der Trockenheit auch mit den Herausforderungen der Schilf-Glasflügelzikade zu kämpfen. Dennoch zeigt sich die Perspektive für das laufende Jahr optimistisch und es besteht berechtigte Hoffnung, dass das Schadbild im Herbst weiterhin weniger stark ausgeprägt sein wird.
Notfallzulassungen und Warndienstaufrufe
Wiederholt konnten für den Zuckerrübenanbau in Baden-Württemberg Notfallzulassungen für dringend benötigte Insektizide erreicht werden. Die Zulassungen werden zwar von den zuständigen Behörden erteilt, ihnen gehen jedoch umfangreiche Vorarbeiten voraus. Dabei bringt sich auf Landesebene der Verband der bad.-württ. Zuckerrübenanbauer e.V. maßgeblich ein, indem er die Befallssituation dokumentiert, den Handlungsbedarf gegenüber den Behörden darlegt und die fachliche Begründung für die Notwendigkeit der Mittel unterstützt.
Ende Mai wurden für circa 15 Gebiete Warndienstaufrufe erteilt. Dort dürfen die vom BVL freigegebenen Notfallzulassungen in ihrem vorgesehenen Behandlungszeitraum durchgeführt werden. Die betroffenen Regionen wurden ausführlich und rechtzeitig über verschiedene Kanäle informiert.
Auch im Kartoffel- und Gemüsesektor wurden bereits Notfallzulassungen erteilt und dürfen in bewarnten Gebieten durchgeführt werden.
Zikaden-Fangzahlen in Süddeutschland (22.06.2026): In grünen Gebieten wurden noch keine Zikaden gefangen, in hellblauen bis zu zehn, in dunkelblauen bis zu 100 und in violetten über 100 Zikaden. QUELLE: Adobe Stock, ISIP
Saskia Dietz Saskia Dietz, Verband baden-württembergischer Zuckerrübenanbauer e.V.
Schilf-Glasflügelzikaden-Monitoring
Zur Erteilung der Notfallzulassungen liegt auch in dieser Vegetation das Zikaden-Monitoring über ISIP zugrunde. Durch das Zusammenspiel der wöchentlich stattfindenden Bonitur durch den Verband und den zweimal wöchentlich stattfindenden Warndienstbesprechungen mit den Ämtern konnten schnellstmöglich Warnaufrufe an die betroffenen Regionen herausgegeben werden. Die ersten Gebiete wurden bereits am Dienstag, den 26. Mai, freigegeben und die weiteren Anwendungen sollten in bekannter Weise im Abstand von zehn bis 14 Tagen individuell angepasst erfolgen, um den optimalen Bekämpfungszeitpunkt für jede Region zu treffen.
Weitere Schädlinge
Neben der Schilf-Glasflügelzikade müssen auch weitere Herausforderungen im Rübenanbau im Blick behalten werden. Wie in den Vorjahren wird auch in dieser Vegetation das Vorkommen der Rübenmotte bonitiert. In besonders heißen und trockenen Jahren kam es zuletzt zu teils erheblichen Schäden. Um diesen Entwicklungen besser begegnen zu können, wurde das amtliche Monitoring um diesen Schädling erweitert.
Es wurde bereits eine Notfallzulassung für das Mittel Coragen für den Zeitraum vom 21.05.– 17.09.2026 erteilt. Falls notwendig, dürfen maximal zwei Behandlungen im Abstand von mindestens zehn Tagen durchgeführt werden.
Eine weitere Notfallzulassung wurde für das Mittel PREV-Gold gegen Spinnmilben in der Zuckerrübe erteilt. Diese ist im Zeitraum vom 01.05.– 28.08.2026 gültig und darf, falls notwendig, mit maximal drei Behandlungen im Abstand von sieben Tagen durchgeführt werden.
Fungizide
Aktuell läuft auch das jährliche Blattkrankheiten-Monitoring. Dabei liegt der Fokus unter anderem auf Cercospora-Infektionen und deren rechtzeitiger Bekämpfung. Die Informationen zu den Notfallzulassungen im Fungizidbereich können auf bisz.suedzucker.de unter „Pflanzenschutz“ und „Fungizidempfehlung“ nachgelesen werden.
Hohe Temperaturen in Kombination mit Luftfeuchtigkeit schaffen ein ideales Mikroklima für die Ausbreitung von Pilzsporen. Deshalb gilt es dringend, die Schwellenwerte zu beachten! Der Fungizideinsatz sollte bei unter 25 Grad durchgeführt werden.
Ausblick
Der Ausblick auf die kommende Zeit im Zuckerrübenanbau bleibt von verschiedenen Unsicherheiten geprägt. Veränderungen im Zuckerrüben-Liefervertrag und die rückläufigen Anbauflächen, die Ausbreitung der Schilf-Glasflügelzikade und ein zunehmender Krankheitsdruck durch Blattkrankheiten sowie ein derzeitiger Zuckerüberschuss auf dem Markt stellen die Branche weiterhin vor große Herausforderungen.
Dennoch gibt es Anlass zu vorsichtigem Optimismus. Der Verband setzt sich mit Nachdruck für die Interessen der Rübenanbauer ein und nutzt alle verfügbaren Möglichkeiten, um die Zukunftsfähigkeit des Anbaus zu sichern. Ein Beispiel hierfür ist das Projekt „PlantSafe“, mit dem gezielt an Lösungen im Umgang mit der Schilf-Glasflügelzikade gearbeitet wird. Gleichzeitig zeigt die Vergangenheit, dass sich Agrarmärkte oft dynamischer entwickeln als erwartet. Angebot und Nachfrage können sich innerhalb kurzer Zeit verändern und neue Chancen eröffnen.
Die Herausforderungen sind zweifellos groß. Umso wichtiger ist es, dass die Interessen der Rübenanbauer mit einer starken Stimme vertreten werden. Der Verband wird sich weiterhin mit voller Kraft für tragfähige Lösungen einsetzen – sei es bei der Bewältigung neuer Schaderreger, der Sicherung wirksamer Pflanzenschutzmaßnahmen oder der Verbesserung wirtschaftlicher Rahmenbedingungen. Gerade in einer Phase großer Veränderungen sind ein enger Austausch und geschlossenes Auftreten wichtiger denn je. Das Ziel bleibt, den Rübenanbau als wettbewerbs- und zukunftsfähige Kultur zu erhalten sowie eine verlässliche Perspektive zu bieten.

NOTFALLZULASSUNGEN
Details zu den Notfallzulassungen, den entsprechenden Mitteln und ihrem Verwendungszeitraum können auf der Seite des BVL www.bvl.bund.de nachgelesen werden. Unter „Arbeitsbereiche“ und „Pflanzenschutzmittel“ befindet sich bei den Aufgaben der Punkt „Zulassungen für Pflanzenschutzmittel“, welcher die wichtigsten Details enthält.


