Markt, Politik und Ökonomie

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Vermarktung von Zucker mit einem ger ingeren CO2-Fußabdruck

Nachhaltigkeit wird marktfähig

Neue Standards schaffen Chancen entlang der Wertschöpfungskette

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Vermarktung von Zucker mit einem ger ingeren CO2-Fußabdruck

Nachhaltigkeit wird marktfähig

Neue Standards schaffen Chancen entlang der Wertschöpfungskette

Von Geert van Aelst, Head of Sustainability Zucker Division, Südzucker AG

Der im Jahr 2019 beschlossene europäische Green Deal ist eine politische Selbstverpflichtung mit dem übergeordneten Ziel, in Europa bis 2050 Klimaneutralität zu erreichen. Schon bis 2030 sollen die Treibhausgasemissionen in der EU im Vergleich zum Jahr 1990 um mindestens 55 Prozent reduziert werden. Unternehmen müssen sich auf diese verändernden Rahmenbedingungen in der gesamten Liefer- und Produktionskette einstellen und seit 2025 im Rahmen der verpflichtenden Nachhaltigkeitsberichterstattung (CSRD) berichten.

Umsetzung in den Werken

Südzucker geht dieser Verpflichtung in verschiedenen Projekten nach. So wird die Zuckerfabrik Zeitz durch die Klimaschutzförderung der Bundesregierung unabhängig von fossilen Energieträgern. Aktuell werden elektrisch angetriebene Wärmerückgewinnungsanlagen (EAWR) oder Wärmepumpen installiert, die mit Strom aus erneuerbaren Quellen betrieben werden. Das Biomethan soll aus Pressschnitzeln selbst produziert und der Kalkofen auf Gasfeuerung und Verwendung des Biomethans aus eigener Produktion umgebaut werden. Somit wird das Werk auch resilient gegenüber Lieferengpässen fossiler Energieträger und schwankender Preise.

Umsetzung im Anbau

Der Nachhaltigkeitsstandard der Sustainable Agriculture Initiative (SAI) Platform ist weltweit führend in der Lebensmittelindus-trie. Vor einigen Jahren wurde damit begonnen, die Emissionen im Zuckerrübenanbau zu berechnen. Zu diesem Zweck hat der Bodengesundheitsdienst (BGD) das BGD Carbon Tool entwickelt, das mittlerweile in allen Ländern angewendet wird und vom TÜV SÜD validiert ist. Detaillierte Infos dazu gibt es in der dzz Januar-Ausgabe 2026.

Doch die Anforderungen der Kunden nehmen zu. SAI hat einen neuen Standard entwickelt – SAI Regenerating Together. Im Fokus des neuen Standards stehen Bodenfruchtbarkeit, Klimaschutz und Biodiversität. Alle wichtigen Zuckerkunden sind Teil dieser Initiative – Südzucker seit 2015. Alle Zuckerrübenanbauer erfüllen seit 2016 den SAI-Standard, der mithilfe der REDcert² Zertifizierung – einem Benchmark-System – erreicht wird. In der Südzucker-Gruppe wurde der neue SAI-Standard in Belgien und Frankreich getestet.

Umsetzung in Belgien

Inhaltlich liegt der Schwerpunkt auf dem Aufbau organischer Substanz durch Zwischenfruchtmischungen, einer besseren Datenerhebung zu CO2e in der Zuckerrübenproduktion und der Berechnung von Emissionsfaktoren mit validierter Methodik. Ergänzend wird eine Bodenanalyse mit der empfohlenen mineralischen Stickstoffdüngung verknüpft, um den Einsatz zu senken, ohne Ertragseinbußen zu riskieren.

Das BGD Carbon Tool strebt dabei nicht nur technische Optimierungen an, sondern fördert auch die Beteiligung der Landwirte – etwa durch finanzielle Anreize (Remuneration), Demonstrationsflächen sowie das schrittweise Testen von Maßnahmen wie Zwischenfruchtanbau und Biomasseaufbau. Dabei werden sowohl deren Auswirkungen als auch die damit verbundenen Kosten untersucht.

Umsetzung in Frankreich

Das Beispiel von SLS für Frankreich zeigt, wie ein Regenerative-Agriculture-Programm konkrete Indikatoren mit Klimazielen verbindet. Bewertet werden unter anderem Dauer der Bodenbedeckung, Fruchtvielfalt, Intensität der Bodenbearbeitung, Biomasse der Zwischenfrüchte sowie THG-Emissionsindikatoren, ergänzt um Feld- und Datenelemente wie GPS-Koordinaten, Bewirtschaftungsdetails und CO2-Rechner (BGD Carbon Tool).

Das Programm arbeitet mit Schwellenwerten und Fortschrittsstufen: von „committed“ über „in transition“ bis „advanced“. Höhere Einstufungen verlangen nicht nur bessere agronomische Kennzahlen, sondern auch Fortschritt über zwei Jahre sowie eine bessere Performance bei Bedeckungsdauer, Fruchtdiversität, Biomasse und Bodenbearbeitung.

Vermarktung

Für die Kommunikation an Kunden sind diese Umsetzungen von Vorteil: Statt nur über „nachhaltige Rüben“ zu sprechen, lassen sich konkrete Fortschritte belegen, etwa über Bodenindikatoren, Emissionsfaktoren, Fruchtfolgen oder reduzierte Mineraldüngung. Genau diese Kombination aus Glaubwürdigkeit, Messbarkeit und Landwirtnähe macht den Ansatz für Kunden und Zertifizierungssysteme attraktiv.


Geert van Aelst Head of Sustainability Zucker Division, Südzucker AG


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