Von Dr. Paul-Martin Pfeuffer

UNSER KOMMENTAR


Vorbild Frankreich: Wenn Zuckersteuer, dann auf alles!

Die Zuckersteuer soll kommen, trotz anderslautender Beschlüsse: keine Steuererhöhungen im Koalitionsvertrag, keine Zuckersteuer auf dem CDU-Parteitag und klare Ablehnung durch die Agrarpolitiker. Um den offensichtlichen Wortbruch zu verdecken, wurde zwischenzeitlich eine zweckgebundene Abgabe für die Krankenkassen vorgeschlagen. Nach juristischer Prüfung ist die Politik zur Zuckersteuer zurückgekehrt. Damit zeigt sich, worum es wirklich geht: zusätzliche Steuereinnahmen und nicht die Gesundheit.

Doch was sind die möglichen Effekte der Zuckersteuer? Zumindest in Großbritannien ist niemand schlanker geworden! Sie führte allerdings dazu, dass der natürliche Zucker in den Softdrinks zum großen Teil durch Süßstoffe wie Sucralose, Natriumcyclamat, Acesulfam-K oder Aspartam ersetzt wurde. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) stuft das Süßungsmittel Aspartam als „möglicherweise krebserregend“ ein – zugegebenermaßen muss mit einer solchen Aussage vorsichtig argumentiert werden, denn die wissenschaftliche Datenlage ist dünn und beim Konsum kommt es immer auf das richtige Maß an.

Der flächendeckende Einsatz von Süßstoffen schränkt nicht nur die Auswahl für die Verbraucher stark ein, die künstliche Süßstoffe bewusst meiden. Diese sind zudem nach Einschätzung von WHO und Bundesinstitut für Risikobewertung keine Maßnahme gegen Übergewicht. Auch das Umweltbundesamt sorgt sich um die Belastung des Trinkwassers durch Süßstoffe wie Acesulfam-K und Sucralose, da diese unverdaut wieder ausgeschieden werden und Wasseraufbereitungsanlagen sie nicht oder nur unzulänglich abbauen können.

Es gibt gute Gründe, warum Frankreich die Süßstoffe in die Softdrinksteuer mit aufgenommen hat. Zum einen will niemand mehr künstliche Süßstoffe und zum anderen steht den ernährungsbewussten Konsumenten mit Light-Produkten fast überall eine große Auswahl zur Verfügung.

Wenn eine Zuckersteuer kommt, dann sollte sie zumindest für alle gesüßten Getränke gelten. Dies verhindert die einseitige Verzerrung zulasten des natürlichen Zuckers und damit der deutschen Rübenanbauer. Zusätzliche Risiken durch Süßstoffe werden vermieden und die Einnahmen wären planbarer.

Unabhängig davon bleibt es dabei: Eine Zuckersteuer ist zutiefst unsozial, denn sie trifft die sozial Schwächeren überproportional. Sie lässt sich in der öffentlichen Wahrnehmung aber gut als „Gesundheitsmaßnahme“ tarnen, auch wenn es lediglich ums Geld geht. Auf eine spannende Zeit

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