Anbau

FOTOS (7): Dr. Larissa Klein, Adobe Stock

Gefahren rechtzeitig eindämmen

Stechapfel & Samtpappel bekämpfen

Problemunkräuter im Zuckerrübenanbau konsequent kontrollieren

FOTOS (7): Dr. Larissa Klein, Adobe Stock

Gefahren rechtzeitig eindämmen

Stechapfel & Samtpappel bekämpfen

Problemunkräuter im Zuckerrübenanbau konsequent kontrollieren

Von Dr. Larissa Klein, Geschäftsführerin des Verbands bad.-württ. Zuckerrübenanbauer e.V.

In vielen Regionen ist neben den klassischen Unkräutern zunehmend eine neue Gruppe problematischer Spätkeimer zu beobachten. Dazu zählen insbesondere wärmeliebende Arten wie die Samtpappel (Abutilon theophrasti) und der Gemeine Stechapfel (Datura stramonium), die vor allem in den letzten Jahren im Zuckerrübenanbau deutlich an Bedeutung gewonnen haben. Was diese Arten so problematisch macht, zeigt sich im Feld schnell: Sie wachsen zügig, entwickeln große Blattmassen, konkurrieren stark um Licht sowie Nährstoffe und produzieren gleichzeitig enorme Samenmengen. Werden sie nicht rechtzeitig erkannt, können sich einzelne Pflanzen rasch zu einem langfristigen Problem entwickeln.

Ausbreitung und Einschleppung

Zur Ausbreitung trägt nicht nur die Biologie der Arten selbst bei, sondern auch die Praxis: Überbetrieblicher Maschineneinsatz – etwa bei Pflanzenschutz oder Ernte – kann Samen leicht von Schlag zu Schlag verschleppen. Hinzu kommt, dass die chemischen Bekämpfungsmöglichkeiten im klassischen Rübenanbau begrenzt sind. Während das Conviso-One-System hier wirksame Optionen bietet, bleiben in herkömmlichen Verfahren häufig Lücken, die gerade Spätaufgänge begünstigen.

Ein weiterer möglicher Eintragspfad rückt zunehmend in den Fokus der Praxis: Zwischenfruchtmischungen. Auffällig ist, dass die Samtpappel besonders häufig in Regionen mit intensivem Zwischenfruchtanbau auftritt. Auch wenn sich ein konkreter Zusammenhang im Einzelfall meist nicht eindeutig nachweisen lässt, ist die Einschleppung über Saatgut grundsätzlich denkbar. Denn: Saatgut muss zwar definierte Qualitätsanforderungen erfüllen, ist aber nicht vollständig rein. Geringe Anteile anderer Samen sind zulässig und lassen sich technisch kaum vollständig ausschließen. Gerade bei Mischungen mit mehreren Komponenten steigt damit das Risiko, dass vereinzelt unerwünschte Arten mit in den Bestand gelangen. Für die Praxis bedeutet das: Jeder Eintrag – egal über welchen Weg – kann der Ausgangspunkt für eine längerfristige Etablierung sein. Umso wichtiger ist es, entsprechende Pflanzen frühzeitig zu erkennen und konsequent zu entfernen. Insbesondere im Zuckerrübenanbau gilt hier ein klarer Grundsatz: Samtpappel und Stechapfel dürfen nicht zur Samenbildung kommen. Für Ernte und Verarbeitung besteht daher zu Recht eine konsequente Nulltoleranz. Dies ist in der Branchenvereinbarung hinterlegt und zwingend einzuhalten.

Bekämpfungsgrundsatz: Vermehrung unbedingt verhindern

Die wichtigste Erkenntnis aus Praxis und Forschung ist eindeutig: Entscheidend ist nicht die Bekämpfung großer Bestände, sondern die Verhinderung der Samenbildung und -ausbreitung. Sowohl bei Samtpappel als auch beim Stechapfel gilt: Jede Pflanze, die zur Samenreife kommt, verschärft das Problem langfristig. Insbesondere die Samtpappel kann mit ihrem langlebigen Samenreservoir den Acker über Jahrzehnte belasten.

Die Rodung eines Ackers mit Samtpappelbesatz kann von der Rodegemeinschaft abgelehnt und die Reinigung der Maschine in Rechnung gestellt werden. Auch die Annahme in der Fabrik wird in der Regel verweigert, um eine weitere Verbreitung über die Erde und Maschinen zu vermeiden. Bevor dies geschieht, werden die Betriebe zur Beseitigung aufgefordert und haben die Option, den Unkrautbesatz zu entfernen.

In einigen Regionen gibt es die Möglichkeit, das Vorkommen von Samtpappel und Stechapfel anonym zu melden und somit eine weitere Ausbreitung zu verhindern. Sollte der Bestand bereits einen sehr starken Besatz von Samtpappel aufweisen, gibt es die Option, die Zuckerrüben in einer nahe gelegenen Biogasanlage verwerten zu lassen.

Mechanische Maßnahmen: konsequent und rechtzeitig

Die effektivste Maßnahme ist derzeit die mechanische Bekämpfung:

  • Einzelpflanzen rechtzeitig herausziehen und aus dem Bestand entfernen
  • Maßnahmen vor Blühbeginn durchführen
  • Pflanzen vollständig aus dem Bestand entfernen und thermisch entsorgen – nicht auf den Kompost

Gerade bei der Samtpappel ist wichtig: Auch abgeschnittene Pflanzen können noch Samen ausreifen. Deshalb dürfen sie nicht auf der Fläche verbleiben. Sollten die Pflanzen schon weit fortgeschritten im Reifeprozess sein, bietet es sich an, einen Sack über den oberen Teil der Pflanze zu stülpen und die Pflanze so aus dem Bestand zu tragen. Da es sich um eine stark faserige Pflanze handelt, ist das Abhacken oftmals nicht ganz leicht. Es sollte darauf geachtet werden, dass die Samenkapseln nicht bereits ausgereift sind und die Samen bei der Entfernung ausfallen.

Beim Stechapfel ist zusätzlich Vorsicht geboten: Aufgrund der Giftigkeit sollten beim Entfernen Handschuhe getragen und Hautkontakt vermieden werden.

Fazit: Nulltoleranz zahlt sich aus

Samtpappel und Stechapfel sind typische „Problemunkräuter der Zukunft“: wärmeliebend, anpassungsfähig und schwer zu kontrollieren.

Die wichtigste Strategie bleibt deshalb:

  • frühes Erkennen
  • konsequente Entfernung einzelner Pflanzen
  • keine Samenbildung zulassen

Eine klare Nulltoleranz-Strategie ist der einzige Weg, um eine dauerhafte Ausbreitung zu verhindern und die Flächen langfristig sauber zu halten.


Dr. Larissa Klein Geschäftsführerin des Verbands bad.-württ. Zuckerrübenanbauer e.V.


AUF EINEN BLICK

Samtpappel (Abutilon theophrasti)

  • Einjähriges Samenunkraut (Malvengewächs)
  • Keimt ab ca. 15 °C in mehreren Wellen
  • Sehr konkurrenzstark (starke Beschattung)
  • Tausende Samen pro Pflanze
  • Samen über Jahrzehnte im Boden keimfähig
  • Bekämpfung: mechanisch, vor der Blüte Pflanzen entfernen

Gemeiner Stechapfel (Datura stramonium)

  • Einjähriges Samenunkraut (Nachtschattengewächs)
  • Spätkeimer in Sommerungen
  • Stachelige Fruchtkapseln mit vielen Samen
  • Stark giftig (Tropanalkaloide)
  • Risiko für Mensch, Tier und Erntegut
  • Bekämpfung: frühzeitig entfernen, Schutzmaßnahmen beachten

FOTOS (7): Dr. Larissa Klein, Adobe Stock

Die Samtpappel ist ein einjähriges Samenunkraut aus der Familie der Malvengewächse. Ursprünglich aus Asien stammend, hat sie sich in den letzten Jahrzehnten zunehmend in Mitteleuropa etabliert und tritt verstärkt in Zuckerrüben, Soja, Sonnenblumen oder Mais auf.

Typisch ist ihr kräftiger, aufrechter Wuchs mit einer dominanten Hauptachse und einer Höhe von bis zu zwei Metern. Die gesamte Pflanze ist auffallend dicht mit kurzen, weichen Haaren besetzt, wodurch sie sich beim Berühren samtig anfühlt – ein Merkmal, das ihr auch den Namen „Samtpappel“ verleiht. Die großen, lang gestielten Laubblätter sind breit herzförmig, weich und ebenfalls behaart. Sie können Durchmesser von bis zu 20 Zentimetern erreichen und bilden rasch eine dichte Blattmasse, die Kulturpflanzen stark beschattet und damit Konkurrenz um Licht, Wasser und Nährstoffe verursacht.

Im weiteren Entwicklungsverlauf ist die Pflanze auch gut anhand ihrer Blüten und Früchte zu erkennen. Die kleinen, gelben bis gelborangen Blüten sitzen meist einzeln oder in kleinen Gruppen in den Blattachseln und sind trichter- bis radförmig aufgebaut. Aus ihnen entwickeln sich charakteristische becherförmige Samenkapseln, die von spitz zulaufenden Kelchzipfeln umgeben sind und sich bei Reife dunkel verfärben. Die Kapseln enthalten zahlreiche harte, dunkelbraune Samen.

Durch ihr rasches Wachstum und ihre Höhe ragt die Samtpappel im fortgeschrittenen Stadium häufig deutlich über den Zuckerrübenbestand hinaus und ist dadurch auch aus größerer Entfernung gut erkennbar. Gerade in späten Entwicklungsstadien fallen einzelne Pflanzen schnell ins Auge und sollten gezielt entfernt werden, um eine Samenbildung zu verhindern.

Besonders problematisch ist ihr enormes Samenpotenzial. Eine einzelne Pflanze bildet tausende Samen, die über Jahrzehnte im Boden keimfähig bleiben können. Dadurch entsteht ein langlebiger Samenvorrat im Boden, der auch nach mehreren Jahren noch zu erneutem Befall führen kann.

Hinzu kommt ein gestaffeltes Auflaufen über mehrere Wochen hinweg. Die Samtpappel keimt in mehreren „Wellen“ vom Frühjahr bis in den Frühsommer, was die Bekämpfung zusätzlich erschwert. Auch greifen wie beschrieben die gewöhnlichen Herbizidmaßnahmen nicht.

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Der Gemeine Stechapfel gehört zur Familie der Nachtschattengewächse. Er tritt bevorzugt auf nährstoffreichen Standorten auf und ist in den letzten Jahrzehnten zunehmend auch auf Ackerflächen zu finden.

Der Gemeine Stechapfel ist ebenfalls eine starkwüchsige, einjährige Pflanze, die sich durch einen kräftigen, oft buschig verzweigten Wuchs auszeichnet. Je nach Standort kann er Wuchshöhen von über einem Meter erreichen und bildet dabei eine ausladende, breit wirkende Pflanze mit zahlreichen Seitentrieben. Die Blätter sind auffällig groß, weich und von dunkelgrüner Farbe. Sie besitzen eine unregelmäßig gelappte bis grob gezähnte Form und können handtellergroß werden. Beim Zerreiben verströmen sie einen eher unangenehmen Geruch, der ein zusätzliches Erkennungsmerkmal darstellt.

Besonders charakteristisch sind die Blüten und Früchte des Stechapfels. Die aufrechtstehenden, trichter- beziehungsweise trompetenförmigen Blüten erscheinen einzeln in den Blattachseln und sind meist weiß, seltener leicht violett gefärbt. Sie können mehrere Zentimeter lang werden und sind bereits aus einiger Entfernung gut sichtbar. Nach der Blüte entwickeln sich die typischen kugeligen Fruchtkapseln, die dicht mit kräftigen Stacheln besetzt sind. Diese „Stacheläpfel“ sind namensgebend für die Pflanze und stellen ein sehr markantes Erkennungsmerkmal dar. Im Inneren der Kapseln befinden sich zahlreiche schwarze, nierenförmige Samen, die bei Reife nach und nach freigesetzt werden.

Durch sein schnelles Wachstum und die verzweigte Wuchsform kann der Stechapfel Lücken im Bestand effektiv nutzen und Kulturpflanzen schnell überwachsen. Vor allem in späten Entwicklungsstadien tritt er oft deutlich aus dem Bestand hervor und ist dann gut sichtbar. Gleichzeitig ist er – insbesondere im Jugendstadium – durch seine variablen Blattformen teilweise schwerer zu erkennen als die Samtpappel.

Neben der starken Konkurrenzkraft ist auch die ausgeprägte Giftigkeit aller Pflanzenteile zu beachten, weshalb bei der Bekämpfung entsprechende Vorsichtsmaßnahmen erforderlich sind. Alle Pflanzenteile enthalten Tropanalkaloide wie Atropin und Scopolamin und sind stark toxisch. Damit ist der Stechapfel nicht nur ein agronomisches Problem, sondern auch ein Risiko für Mensch, Tier und die Qualität von Ernteprodukten. Verunreinigungen können erhebliche Folgen haben.

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