Anbau
Schlafende Rüben am 24.06.2026 im Raum Heidelberg. FOTO: Dr. Johann Maier
Die Vegetationsperiode von Zuckerrüben und Ackerbohnen
Der Blick aufs Feld
Zwischen Wetterextremen und Schädlingsdruck

Schlafende Rüben am 24.06.2026 im Raum Heidelberg. FOTO: Dr. Johann Maier
Die Vegetationsperiode von Zuckerrüben und Ackerbohnen
Der Blick aufs Feld
Zwischen Wetterextremen und Schädlingsdruck
Von Dr. Johann Maier, Kuratorium für Versuchswesen und Beratung im Zuckerrübenanbau, Mannheim, und Till Wenz, Koordinator Ackerbohnen, Südzucker AG
Ertrag und Qualität von Feldfrüchten hängen während des Anbaujahres von mehreren Faktoren ab. Wie sich die Zuckerrüben und Ackerbohnen im Südzucker-Gebiet bis zum Redaktionsschluss entwickelt haben, beschreiben die folgenden Zeilen.
Zuckerrübe: Der Start in das Anbaujahr 2026
In diesem Jahr begann die Rübenaussaat allgemein in der zweiten Märzwoche und damit ähnlich wie im Vorjahr. Der größte Flächenanteil wurde in der Hauptsaatperiode während der letzten Märzdekade gesät. Das Ende der Hauptsaat wurde bis zu zehn Tage früher als in 2025 erreicht. Während die Werke Offstein und Plattling Ende März die Hauptsaat beendeten, benötigten Wabern und Zeitz bis zum 10. April. Insgesamt konnte die Saat zügig und unter guten Bedingungen in den Boden gebracht werden. Der Feldaufgang erfolgte schnell und auf den allermeisten Flächen gleichmäßig. Mit rund 275 Hektar war die umgebrochene Fläche sehr gering.
Das warme Wetter nach der Saat führte trotz geringerer Niederschläge in den Monaten März und April im Vergleich zum Vorjahr zu einer schnellen Jugendentwicklung der Zuckerrüben. Die ersten Bestände erreichten bereits in der letzten Maidekade Reihenschluss und damit ähnlich früh wie 2025. Zusammenfassend kann man sagen, dass der Start ins Jahr 2026 mit wenigen Ausnahmen sehr gut geglückt ist und die Rübenbestände im Vergleich zum fünfjährigen Mittel von den Kolleginnen und Kollegen der Rübenabteilungen bis zum Beginn der Hitzewelle (ab Mitte Juni) als mittel bis gut eingeschätzt werden.
Unkraut, Krankheiten und Schädlinge
Trotz der eher trockenen Bedingungen zum Zeitpunkt der Unkrautbekämpfung sind die Bestände bis dato überwiegend unkrautfrei. Man muss allerdings abwarten, ob sich in den nächsten Wochen hier und da noch eine Spätverunkrautung zeigt, da durch die Trockenheit die Bodenherbizide nicht optimal wirken konnten. Unter diesen Bedingungen hatte der Einsatz des Conviso-Smart-Systems im Vergleich zu Rüben mit Standard-Herbiziden einen Vorteil. Allerdings weisen Conviso-Rüben unter SBR-Bedingungen deutliche Nachteile im Ertrag und Zuckergehalt im Vergleich zu SBR-toleranten Standardrüben auf und werden daher in den betroffenen Regionen nicht empfohlen.
Das überwiegend trockene Wetter bis zur ersten Maidekade führte dazu, dass Schnecken keine Chance hatten, Schäden zu verursachen. Ähnlich ruhig stellte sich die Situation sowohl bei den Erdflöhen, Moosknopfkäfern und Rübenrüsslern dar. Mit wenigen Ausnahmen wurde nicht über nennenswerte Schäden berichtet. Ende April begann in einigen Regionen der Zuflug mit schwarzen Bohnenläusen. Allerdings war der Befall nur in den beiden Werkseinzugsgebieten von Offenau und Zeitz stark genug für einen entsprechenden Warndienst in der zweiten Maidekade. Während in Zeitz das gesamte Anbaugebiet bewarnt wurde, waren es in Offenau nur einige Landkreise. Grüne Pfirsichblattläuse wurden in allen Anbaugebieten kaum gefunden.
Was macht die Zikade?
Die weitaus größte Gefahr hinsichtlich der Schadwirkung geht allerdings von den Schilf-Glasflügelzikaden als Überträger von Proteobakterien und Phytoplasmen (SBR-Komplex) aus. Wie im Vorjahr konnten bereits Mitte Mai – begünstigt durch die warmen Temperaturen – die ersten Zikaden in Zuckerrübenfeldern im Süden der Südzucker-Anbauregionen gefunden werden. Der Zikadenflug nahm im Laufe der nächsten Wochen kontinuierlich zu und führte in der letzten Maidekade in den bekannten Befallsregionen (Werke Offstein, Offenau, Ochsenfurt, Rain und Plattling) zur Versendung der entsprechenden Warndienste. Einige Regionen im Einzugsgebiet von Wabern wurden erstmals in der ersten Junidekade bewarnt. In den Regionen mit einem frühen Auftreten der Zikaden sind bis Ende Juni in den Schwerbefallsregionen in der Regel drei Insektizidbehandlungen durchgeführt worden. Lediglich im Anbaugebiet der Fabrik Zeitz gab es bis zum Zeitpunkt des Redaktionsschlusses noch keinen Warnaufruf.
Die auch für das Anbaujahr 2026 erteilten Notfallzulassungen für Insektizide zur Bekämpfung der Zikaden geben die berechtigte Hoffnung, dass die Schäden durch SBR/Stolbur deutlich geringer ausfallen, als es ohne der Fall gewesen wäre. Inwieweit der zu erwartende Bekämpfungserfolg durch die mehrwöchige Hitzeperiode möglicherweise wieder relativiert wird, muss abgewartet werden. Fest steht, dass jeder Faktor, der für die Rüben Stress bedeutet, die Empfindlichkeit gegen Krankheiten und Schädlinge erhöht und gleichzeitig das Regenerationsvermögen reduziert.
Erster Cercospora-Warndienst verschickt
Mitte Juni wurde in zwei Anbauregionen mit Beregnung (hessisches Ried, Altrhein) im Einzugsgebiet der Fabrik Offstein ein erster Cercospora-Warndienst zur Kontrolle der Bestände und gegebenenfalls einer Bekämpfung bei Schwellenüberschreitung verschickt. In Nicht-Beregnungsgebieten bremst die zum Zeitpunkt des Redaktionschlusses (Ende Juni) ex-trem heiße und trockene Witterung eine Infektion/Ausbreitung von Cercospora aus.
Droht das gefürchtete El-Niño-Phänomen?
Ein normaler El Niño wirkt sich auf das Wetter in Europa kaum aus. Sollte das Phänomen sehr stark ausfallen, könnte dies auch das Wetter in Deutschland beeinflussen. Beim letzten starken Auftreten (2015/16) waren die Temperaturen im Winter in Mittel- und Westeuropa ungewöhnlich warm, nass und stürmisch. Den anstehenden Sommer wird das Klimaphänomen dagegen noch nicht beeinflussen. Schlauer ist man aber immer erst hinterher am Ende des Jahres, wenn klar ist, wie Temperatur und Niederschläge sich tatsächlich entwickelt und damit auch das Auftreten von Krankheiten (zum Beispiel Cercospora) und Schädlingen (zum Beispiel Schilf-Glasflügelzikade) beeinflusst haben.
Fazit Zuckerrübe
Der Start in das Anbaujahr war vielversprechend. Der Erfolg bei der Unkrautbekämpfung ist zufriedenstellend. Entscheidend für den Erfolg wird die Kontrolle der Schilf-Glasflügelzikaden in Kombination mit der Sommerwitterung sein.
Ackerbohne unter Hitzestress mit gutem Hülsenansatz. FOTO: Till Wenz
Ackerbohne: Vielversprechender Start und Hitzedämpfer
Ausreichende Niederschläge im gesamten Anbaugebiet sorgten für eine gute Wirkung der Bodenherbizide und gute Jugendentwicklung, sodass sich überall saubere und dichte Bestände etablieren konnten. Die Mischungen aus Pendimethalin, Aclonifen und teils Clomazone konnten ihre volle Wirkung entfalten, was sich im Vergleich der behandelten und unbehandelten Parzellen der Versuche deutlich zeigte. Entgegen dem letzten Jahr kam es in Beständen, die im Vorauflauf mit Clomazone behandelt wurden, in diesem Jahr kaum zu Aufhellungen von Blättern, da keine starken Niederschlagsereignisse den Wirkstoff an die Ackerbohnenwurzel verlagerten. Kühlere Temperaturen bis Mitte April sorgten im nördlichen Teil des Anbaugebiets für eine verzögerte Entwicklung, was sich teils bis zur Blüte zeigte. Ende Mai befanden sich die meisten Bestände in der Vollblüte. Dank ausreichender Niederschläge und moderater Temperaturen während der Blühphase konnten sich zehn bis 15 Hülsen je Pflanze bilden.
Schädlinge und Krankheiten
Im April konnte flächendeckend ein Befall mit Blattrandkäfern festgestellt werden. In Einzelfällen traten diese in großer Zahl auf und die Bekämpfungsschwelle von 50 Prozent befallener Pflanzen bis BBCH 16 wurde erreicht. Einige Landwirte entschieden sich für eine Behandlung mit pyrethroidhaltigen Mitteln, da die Schäden deutlich zu sehen waren. In der Regel führten die wüchsigen Bedingungen dazu, dass der Schaden verwuchs und an den neu gebildeten Blättern kein Buchtenfraß mehr auftrat. Der eigentliche Schaden des Käfers entsteht aber durch den Fraß der Larven an den Knöllchen im Boden. In Jahren mit optimalen Bedingungen für den Käfer kann hier die Stickstofffixierung der Ackerbohne eingeschränkt werden. Um an die Knöllchen zu kommen, müssen die Eier jedoch mit dem Regen in den Boden gewaschen werden, ansonsten vertrocknen sie. Ob die Behandlung effektiv war, wird sich nach der Ernte herausstellen.
Bei der Begehung und Bereinigung der Versuche und auch auf Praxisflächen fanden sich Ende Mai einige schwarze Bohnenläuse an den oberen Trieben. Vereinzelt konnten auch grüne Erbsenblattläuse gefunden werden, die Viruserkrankungen übertragen können. Nur auf wenigen Schlägen wurde die Schadschwelle von zehn Prozent befallenen Pflanzen mit Koloniebildung erreicht. In diesen Fällen konnte eine Behandlung mit flonicamidhaltigen Mitteln (Teppeki) helfen. Unter anderem hinderten aber auch Regenfälle im Mai sowie eine große Anzahl an Nützlingen die Koloniebildung und auf eine Behandlung konnte oft verzichtet werden. Nichtsdestotrotz wurde Ende Mai ein Kontrollaufruf versendet, um auf Blattläuse und Blattkrankheiten aufmerksam zu machen.
Erste Anzeichen pilzlicher Erreger traten ab Mitte Mai auf. Auf den unteren Blättern zeigten sich Schokoladenflecken und aufgrund der kühlen und feuchten Witterung kam es Anfang Mai auch zum Befall mit falschem Mehltau. In Soest zeigten sich in den Versuchen einige Blätter mit Ackerbohnenrost, dessen Auftreten durch die warmen und nassen Bedingungen in der Region Ende Mai gefördert wurde. Ab zehn Prozent befallener Blattfläche war hier eine Behandlung mit einer Mischung aus tebuconazol- und azoxystrobinhaltigen Mitteln ratsam. Die Behandlung zur Schadschwelle von zehn Prozent befallenen Blättern stellte sich in den Versuchen in den letzten zwei Jahren als am effektivsten heraus.
Der Druck des Ackerbohnenkäfers scheint in diesem Jahr etwas geringer auszufallen. Ab Anfang Juni konnte man in den Triebspitzen und an den Blütenständen vereinzelt Käfer finden, jedoch musste man in den meisten Beständen an einigen Pflanzen suchen. Im Juni legt der Käfer ab Bildung der ersten Hülsen seine Eier an diesen ab. Die Larve entwickelt sich in den Bohnen und fliegt nach der Ernte aus. Aufgrund der hohen Mobilität und Flugaktivität des Käfers ist eine Behandlung mit Insektiziden in der Regel nicht ausreichend wirksam. Ob der Käfer in diesem Jahr weniger stark auftritt, wird sich nach der Ernte in der Auswertung des Lochfraßes zeigen.
Hitzestress
Ende Juni sind die Ackerbohnen vor allem im südlichen Teil des Anbaugebiets von der Hitze gezeichnet. Die Pflanzen rollen die Blätter ein und lassen die Triebspitzen hängen; in manchen Beständen sind einige Triebspitzen bereits verdorrt. Während in der Blüte die Bedingungen flächendeckend gut waren, könnten sie in der Kornfüllungsphase kaum schlechter sein, da die Ackerbohne ab 27 Grad an Hitzestress leidet. Die Wasserversorgung war im Norden wesentlich besser, weshalb sich der Hitzestress eher im Süden zeigt. Die Hitze in Kombination mit der Trockenheit führt jetzt dazu, dass neue Hülsen reduziert werden. Die unteren großen Hülsen sind hiervon nicht betroffen und es bleibt abzuwarten, welchen Effekt das auf den Ertrag haben wird.

Dr. Johann Maier Kuratorium für Versuchswesen und Beratung im Zuckerrübenanbau, Mannheim

Till Wenz Koordinator Ackerbohne, Südzucker AG

El Niño
Das El-Niño-Phänomen ist eine natürliche Klimaschwankung im tropischen Pazifik, bei der sich die Meeresoberfläche vor der Westküste Südamerikas ungewöhnlich stark erwärmt. Normalerweise treiben die Passatwinde warmes Oberflächenwasser nach Westen in Richtung Indonesien und Australien. Während eines El-Niño-Ereignisses schwächen sich diese Winde ab oder kehren sich teilweise um. Dadurch verlagert sich das warme Wasser zurück in den zentralen und östlichen Pazifik. Dies verändert die globalen Luftströmungen und kann das Wetter weltweit beeinflussen.
