Markt, Politik und Ökonomie
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Zucker: Marktverengung gewinnt an Dynamik
Stabilisierung auf niedrigem Niveau
Aktuelle Entwicklungen am Welt- und EU-Zuckermarkt und Ausblick auf die Kampagne 2026/27

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Zucker: Marktverengung gewinnt an Dynamik
Stabilisierung auf niedrigem Niveau
Aktuelle Entwicklungen am Welt- und EU-Zuckermarkt und Ausblick auf die Kampagne 2026/27
Von Dr. Michael Schäfer, Südzucker AG
Der Weltzuckermarkt befindet sich derzeit noch unter Druck. Die Notierungen für Rohzucker sind weiter gefallen und bewegen sich im Bereich von nur rund 14 Cents pro Pfund (270 Euro pro Tonne) nahe der Ethanolparität in Brasilien. Auch der Weltmarktpreis für Weißzucker hat sich zuletzt etwas besser entwickelt, liegt aber auch auf einem niedrigen Niveau von nur 440 US-Dollar pro Tonne (382 Euro pro Tonne).
Diese Entwicklung reflektiert weiterhin ein strukturelles Überangebot, das den Markt belastet. Treiber dieser Situation ist vor allem die hohe Produktionsdynamik in den wichtigsten Exportländern. Insbesondere Brasilien verzeichnet einen sehr schnellen Start in die Kampagne, wodurch große Mengen frühzeitig auf den Weltmarkt gelangen. Gleichzeitig bleibt die globale Nachfrageentwicklung derzeit verhalten – auch vor dem Hintergrund struktureller Konsumtrends.
Aus Überschuss muss Defizit werden
Während für das laufende Zuckerwirtschaftsjahr 2025/26 ein globaler Überschuss von rund 4,1 Millionen Tonnen von Globaldata erwartet wird (Abbildung 1) und die kurzfristigen Fundamentaldaten somit klar bärisch sind, zeichnet sich für die Kampagne 2026/27 eine deutliche Veränderung ab. Aktuelle Prognosen von Globaldata gehen von einem Übergang in ein globales Defizit von rund 1,8 Millionen Tonnen aus. Damit verschiebt sich das Marktgleichgewicht mittelfristig. In Indien wurden die Produktionsaussichten nach unten korrigiert und somit könnten Exportres-triktionen die globale Verfügbarkeit zusätzlich begrenzen. Auch in den meisten anderen großen Produktionsländern wie Thailand wird mit geringerer Produktion 2026/27 gerechnet.
Zusätzlich wirken finanzielle Faktoren preisdrückend. Zum einen halten spekulative Marktteilnehmer weiterhin umfangreiche Netto-Short-Positionen im Rohzucker, zum anderen sind auch die Energiepreise zuletzt wieder gefallen. Darüber hinaus gewinnen klimatische Risiken zunehmend an Bedeutung. Die Wahrscheinlichkeit eines El-Niño-Ereignisses hat zugenommen und könnte die Ernten in wichtigen Anbauregionen Asiens stark beeinträchtigen. Parallel dazu wirken zudem Kostenfaktoren stabilisierend auf das Preisniveau. In vielen Produktionsregionen liegen die aktuellen Preise unter den Produktionskosten. Gleichzeitig erhöhen gestiegene Energie- und Transportkosten den Kostendruck.
EU-Zuckermarkt in Übergangsphase
In der Kampagne 2025/26 führten gute Ernten, hohe Importe und eine verhaltene Nachfrage zu einem deutlichen Preisrückgang sowie zu erhöhten Lagerbeständen von rund 2,6 Millionen Tonnen (im Vorjahr: 2,3 Millionen Tonnen). Gleichzeitig zeichnet sich jedoch nach Globaldata eine strukturelle Verengung des Angebots ab. Für 2026/27 wird ein deutlicher Rückgang der Rübenanbaufläche erwartet, während steigende Produktionskosten sowie zunehmende agronomische Risiken die Ertragsperspektiven belasten. Die Anbaufläche in der EU-27 für die Zuckerproduktion im Zuckerwirtschaftsjahr 2026/27 soll nach erster Einschätzung der EU-Kommission gegenüber dem Vorjahr weiter um rund 8,5 Prozent von 1,336 auf 1,224 Millionen Hektar zurückgehen. Im Vergleich zur Flächenangabe der Kommission im Mai (1,352 Millionen Hektar) sind es sogar 9,5 Prozent. Für die Produktion wird ein Rückgang von 16,6 auf 14,2 erwartet und die Endbestände sollen von 2,6 auf 2,1 Millionen Tonnen stark reduziert werden.
Der Zuckermarkt ist zudem ständig in Bewegung und durch zahlreiche Einflussfaktoren wie Wetterbedingungen, Ernteerträge, Konsumverhalten, Politik und Handelsabkommen sowie Energie- und Ethanolpreise flankiert – auch die Preisentwicklung in der europäischen Union bleibt eng an diese fundamentalen Faktoren gekoppelt. Natürlich wird wie jedes Jahr insbesondere die Entwicklung des Wetters und die daran gekoppelte Zuckerproduktion einen entscheidenden Einfluss haben.
Einen nicht zu unterschätzenden Faktor stellen derzeit wieder die regulatorischen Entwicklungen dar. Die temporäre Aussetzung von Importen im Rahmen der Inward Processing Procedure (IPP) könnte das verfügbare Angebot reduzieren und damit preisstabilisierend wirken. Dem stehen jedoch die erhöhten zollfreien Importe aus Brasilien im Rahmen von Mercosur entgegen. Auch Themen wie die Diskussion um eine Zuckerabgabe gilt es weiter zu beobachten.

Dr. Michael Schäfer Südzucker AG
FAZIT
Der Zuckermarkt befindet sich aktuell in einer Übergangsphase. Während kurzfristig weiterhin ein Angebotsüberschuss und damit ein eher pessimistisches Marktumfeld dominieren, muss die weitere Entwicklung abgewartet werden. Entscheidend hierfür wird sein, inwieweit sich die erwarteten Produktionsrisiken in Asien realisieren sowie Veränderungen in der EU eintreten.


