Anbau

Die Kontrahierungsveranstaltungen waren gut besucht und gaben die Möglichkeit zur intensiven Diskussion über die Änderungen im Zuckerrüben-Liefervertrag 2027. FOTO: René Renneißen

Kontrahierung mit Fokus auf EU-Zuckermarkt

Zuckerrüben-Liefervertrag 2027

Mehrzahl will mehr als auf 90 % angepasste Lieferrechte anbauen

Die Kontrahierungsveranstaltungen waren gut besucht und gaben die Möglichkeit zur intensiven Diskussion über die Änderungen im Zuckerrüben-Liefervertrag 2027. FOTO: René Renneißen

Kontrahierung mit Fokus auf EU-Zuckermarkt

Zuckerrüben-Liefervertrag 2027

Mehrzahl will mehr als auf 90 % angepasste Lieferrechte anbauen

Von Dr. Gerald Corell, Leiter Rübenbezahlung und Logistik, Zucker Division, Südzucker AG

Im Zuckerrüben-Liefervertrag 2027 wurde der überwiegende Teil der bisherigen Modalitäten zur Rübenbezahlung fortgeschrieben. Als ein wichtiger Punkt ist zu nennen, dass sich der Rübenpreis am Zuckererlös orientiert. Damit wird weiterhin am Grundsatz festgehalten, nach dem Anbauer und Südzucker die Phasen mit guten, aber auch die mit schlechten Zuckererlösen gemeinsam durchschreiten. Neben dem Festhalten an Bewährtem gab es jedoch auch einige Änderungen. Dass dies mehr waren als in den letzten Jahren, lag auch daran, dass sich sowohl der Zuckermarkt als auch die wirtschaftliche Situation der Zucker Division von Südzucker in einer schwierigen Situation befinden. Über die Änderungen wurden alle Anbauer sowohl direkt nach deren Fixierung am 22. Mai 2026 mit einer Nachricht im PlantPortal und der plant2go-App als auch im Rundschreiben zur Kontrahierung informiert. Wesentlich zur Information haben dann jedoch die gut besuchten Kontrahierungsversammlungen beigetragen. Dort wurden viele Fragen gestellt und manche Änderung leidenschaftlich, aber überwiegend sachlich diskutiert.

Verständnis für Ausrichtung auf EU-Zuckermarkt

Die Steuerung des Anbaus 2027 mit Blick auf den EU-Zuckermarkt und damit die Festlegung eines Ausnutzungsgrades der Lieferrechte in Höhe von 90 Prozent für die Kontrahierungsphase im Juni fand bei den Anbauern überwiegend Zustimmung. Die Erfahrungen der letzten Jahre haben gezeigt, dass sich die Zuckermärkte schnell ändern können und das Marktumfeld volatil ist. Daher ist es möglich, dass die zu kontrahierenden Rübenmengen im Herbst erhöht und zusätzliche Kontraktmengen angeboten werden. Um den Aufwand möglichst gering zu halten, konnten alle Anbauer, die diese Möglichkeit nutzen möchten, bereits im Juni einen entsprechenden Wunsch abgeben. Je nach Marktlage werden im Herbst diese Zusatzmengen dann zugeteilt. Alle Anbauer konnten entscheiden, ob sie sich bereits im Juni für den Anbau 2027 auf nur 90 Prozent beschränken oder mehr anbauen möchten. Jeder Anbauer, der einen Anbauwunsch von mehr als 90 Prozent abgegeben hat, hat die Zusicherung über mindestens 90 Prozent seiner Lieferrechte. Falls ein Anbauer bereits mit 90 Prozent einen Zuckerrüben-Liefervertrag abgeschlossen hat und in den nächsten Wochen noch den Wunsch verspürt, von einer verbesserten Marktlage mit mehr Kontraktmenge zu profitieren, kann er sich bei seiner Rübenabteilung melden.

Mehrzahl möchte mehr anbauen

Ab dem 9. Juni 2026 und damit etwas später als letztes Jahr beziehungsweise in den letzten Jahren üblich konnte der Zuckerrüben-Liefervertrag im PlantPortal abgeschlossen werden. Die Kontrahierung verlief von Beginn an zwar etwas zügiger als gewohnt. Die große Welle kam dann jedoch wieder zum Ende des Kontrahierungszeitraums. Hier gab es deutliche Unterschiede. So haben gerade in den Verbandsgebieten Kassel und Wetterau viele der Anbauer bereits in den ersten Tagen ihren Anbauwunsch abgegeben. Dies lag jedoch wohl in erster Linie daran, dass in diesen beiden Regionen die Kontrahierungsveranstaltungen sehr früh und kompakt durchgeführt wurden.

Weniger als ein Fünftel der Anbauer waren sich sicher, dass sie 2027 nur 90 Prozent ihrer Lieferrechte anbauen möchten und haben den Zuckerrüben-Liefervertrag 2027 bereits final abgeschlossen. Die deutliche Mehrzahl der Anbauer hat jedoch den Wunsch geäußert, mehr als 90 Prozent anzubauen – in den meisten Fällen 100.

Auch hier gab es Unterschiede zwischen den Regionen. Während in Bayern, Kassel und Sachsen-Thüringen nur rund zehn Prozent der Anbauer die Variante mit 90 Prozent der Lieferrechte gewählt haben, waren es in den anderen süddeutschen Verbandsgebieten über 20 Prozent, wobei der Anteil in Franken am größten ist.

Noch offene Verträge

Noch haben jedoch nicht alle Anbauer den Zuckerrüben-Liefervertrag 2027 abgeschlossen oder ihren Anbauwunsch gemeldet. Dies liegt in einigen Fällen auch daran, dass Veränderungen bei den Lieferrechten in Planung oder Buchung sind. Hier ist es sinnvoll, noch zu warten. In allen anderen Fällen sollte in den nächsten Tagen der Anbauwunsch abgegeben werden. Wenn sich der Anbauer sicher ist, dass er nur 90 Prozent seiner Lieferrechte kontrahieren möchte, kann der Zuckerrüben-Liefervertrag abgeschlossen werden.


Dr. Gerald Corell Leiter Rübenbezahlung und Logistik, Zucker Division, Südzucker AG


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