Anbau
Jetzt entscheidet die Blattgesundheit über den Ertrag
Die Zuckerrüben im Sommer
Cercospora früh erkennen und gezielt bekämpfen

Jetzt entscheidet die Blattgesundheit über den Ertrag
Die Zuckerrüben im Sommer
Cercospora früh erkennen und gezielt bekämpfen
Von Caroline Gries, Referentin Rübenanbau, Zucker Division Jetzt im Sommer liegt das volle Augenmerk auf der Bekämpfung von Cercospora. Die pilzliche Blattkrankheit kann den Zuckerertrag erheblich reduzieren. Feuchtwarme Witterung und hochsommerliche Temperaturen in Verbindung mit morgendlichem Tau fördern den Befall massiv. Ganz entscheidend für die Stärke des Befalls werden die Witterung, der Standort und der richtige Behandlungszeitpunkt sein.
Der richtige Zeitpunkt für die erste Fungizidapplikation
Um den richtigen Behandlungszeitpunkt zu finden, ist eine regelmäßige Kontrolle der eigenen Rübenschläge wichtig. Sobald aber der Blattkrankheiten-Warnaufruf der Rübenabteilung und des Anbauerverbandes eingeht, ist allergrößte Eile geboten. Denn zu diesem Zeitpunkt wurde an Monitoringstandorten in der Region die Schadschwelle erreicht und die Gefahr besteht, dass auch auf dem eigenen Rübenschlag erste pilzliche Blattflecken zu finden sind. Vom Eintreffen des Warnaufrufes bis zur Kontrolle des eigenen Rübenschlages sollte keine Zeit vergehen. Der Befall schreitet exponentiell voran und nur, wenn die erste Behandlung zum richtigen Zeitpunkt erfolgt (bei Erreichen der Schadschwelle), ist die Infektion überhaupt in Schach zu halten.
Die Schadschwelle für die erste Fungizidapplikation liegt bei fünf Prozent befallener Blätter. Das heißt, geht man einmal quer über den Schlag und rupft 100 Blätter, dann befinden sich auf fünf oder mehr Blättern pilzliche Blattflecken. Somit ist die Schadschwelle erreicht und eine Behandlung ist sofort notwendig! Bei voranschreitendem Befall und zunehmend braunen Blättern sinkt die Photosyntheseleistung der Zuckerrübe. Ist das Ausmaß so schlimm, dass sie die alten Blätter komplett verloren hat, nutzt die Rübe den bereits eingelagerten Zucker als Energie, um neue Blätter zu bilden, was zu hohen Zuckergehaltsverlusten führt.
Der Schaugarten des Südzucker Versuchsguts Kirschgartshausen in Mannheim zeigt eine Parzelle ohne Fungizidapplikation. Der Cercosporabefall führt zur Reduktion der Photosyntheseleistung und in der Folge zu Qualitätsminderungen – eine an Schadschwellen orientierte Bekämpfung der Blattkrankheiten ist eine sehr wirtschaftliche Maßnahme.
Genaue Identifikation der pilzlichen Blattflecken
Gerade wenn es darum geht, das Erreichen der ersten Schadschwelle festzustellen, ist es ganz wichtig, Cercospora von den sehr ähnlich aussehenden bakteriellen Blattflecken zu unterscheiden. Bakterielle Blattflecken können im Gegensatz zu Cercospora nicht bekämpft werden und sind auch nicht bekämpfungswürdig. Ein sicheres Unterscheidungsmerkmal ist der Pilzrasen beziehungsweise die schwarzen Sporen in der Mitte eines Cercospora-Flecks, den die bakteriellen Blattflecken nicht aufweisen.
Was bei blattgesunden Sorten zu beachten ist
In Starkbefallsgebieten ist die Wahl einer Cercospora-toleranten Zuckerrübensorte sinnvoll. Doch auch dann ist der Zeitpunkt der ersten Applikation entscheidend – bei Erreichen der Schadschwelle, die aber bei blattgesunden Sorten später eintreten und recht individuell ausfallen kann.
Bei der Mittelwahl beachten
Generell gilt es bei der Erstbehandlung, das wirkungsvollste Fungizid immer in voller Aufwandmenge zu verwenden. Dort, wo Strobilurine noch wirken, ist der Einsatz angeraten. Allerdings nur einmal zur Erstbehandlung. In Starkbefallsgebieten wirken Strobilurine nicht mehr! Azole sind hier die bessere Wahl. Zur Wirkungsverstärkung kann der Einsatz eines Kontaktmittels (Zulassungen beachten) sinnvoll sein.
Auch eine ausreichende Wasseraufwandmenge von 300 bis 400 Litern pro Hektar ist wichtig, um eine optimale Wirkung der Fungizide zu erzielen. Die Blattfläche muss mit dem Fungizid ausreichend benetzt sein. Auch der Einsatz von Doppelflachstrahldüsen verbessert die Benetzung.
Um Resistenzen zu vermeiden, ist es immer angeraten, die volle Aufwandmenge der Mittel einzusetzen und bei mehrfachem Einsatz von Azolen den Wirkstoff zu wechseln.
Wer sich unsicher ist, welches Mittel in der Region und auf dem eigenen Betrieb am besten einzusetzen ist, sollte nicht zögern und sich von der Arbeitsgemeinschaft oder Rübenabteilung beraten lassen. Auch auf BISZ, im PlantPortal und der App plant2go sind entsprechende Hinweise zu finden.
Der Cercosporabefall kann sich von kleinen unscheinbaren Flecken rasant ausbreiten. Schon bei den ersten kleinen Flecken (sobald die Schadschwelle erreicht ist), die von Weitem gar nicht zu erkennen sind, ist eine Fungizidapplikation notwendig. FOTOS (3): Caroline Gries
Achtung bei zu hohen Temperaturen
Auch Umwelteinflüsse können Auswirkungen darauf haben, ob ein Mittel gut wirkt oder eher nicht. So können zum Beispiel hohe Temperaturen die Wirkung mindern. Es kommt zu Mittelverlusten durch Verdunstung und zu schnellem Antrocknen. Daher sollten bei Temperaturen über 25 Grad die Abend- oder Morgenstunden für die Applikation genutzt werden. Ein leichter Taubelag kann durchaus positiv wirken.
EUF-Bodenproben
Wer sich die Arbeit einfach machen will, zieht jetzt EUF-Bodenproben für 2027. Die Probenahme erfolgt, wenn die Vorfrucht die Nährstoffaufnahme beendet hat. Bei Vorfrucht Getreide ohne Spätdüngung beginnt die Probenahme im Juni, bei Vorfrucht Weizen Ende Juni bis in den Juli hinein. Mit nur einer Bodenprobe werden alle wichtigen Nährstoffe erfasst – auch Stickstoff! Der Bodengesundheitsdienst erstellt anhand der Analyseergebnisse eine Düngeempfehlung und -bedarfsermittlung. Rundum sorglos kann man dann seine Zuckerrüben oder auch jede andere Kulturpflanze den Empfehlungen nach düngen.


