Markt, Politik und Ökonomie
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Körnermais: Sinkende Anbauflächen in Europa
Dominierende klimatische Einflüsse
Wichtiger Rohstoff für Ethanol schafft neue Perspektiven für Zeitzer Rübenanbauer

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Körnermais: Sinkende Anbauflächen in Europa
Dominierende klimatische Einflüsse
Wichtiger Rohstoff für Ethanol schafft neue Perspektiven für Zeitzer Rübenanbauer
Von Bernhard Dahmen, Director Commercial Line Plants and Proteins, CropEnergies AG
Auch der Mais litt unter der Hitzewelle der letzten Wochen. Kaum ein anderer Agrarmarkt reagiert so sensibel auf Klimaextreme: Erträge und Preise werden zunehmend durch Wetterereignisse bestimmt und prägen die deutsche und europäische Marktentwicklung stärker als strukturelle Faktoren.
Stabile Fläche in Deutschland
Betrachtet man den deutschen Körnermaismarkt im Zeitraum 2020 bis 2026, so zeigt sich eine insgesamt stabile, wenn auch witterungsbedingt schwankende Entwicklung. Nach einer Produktion von gut vier Millionen Tonnen in 2020 und 4,5 Millionen in 2021 kam es infolge der ausgeprägten Trockenheit 2022 zu einem deutlichen Rückgang auf knapp 3,8 Millionen Tonnen und Rekordpreisen. In den folgenden Jahren setzte jedoch eine klare Erholung ein: Im Jahr 2023 wurden wieder rund 4,5 Millionen Tonnen geerntet, 2024 sogar ein Spitzenwert von gut fünf Millionen Tonnen. Gleichzeitig wurden sehr hohe Hektarerträge von über zehn Tonnen je Hektar erreicht. Parallel dazu nahm die Anbaufläche moderat zu und stabilisierte sich zuletzt bei rund 0,5 Millionen Hektar. Für 2026 wird bei leicht rückläufigen Erträgen eine Produktion von rund 4,8 Millionen Tonnen erwartet. Insgesamt zeigt sich der deutsche Maismarkt deutlich weniger volatil in der Fläche als die europäische Entwicklung und wird stärker durch schwankende Ertragsniveaus geprägt.
Preisentwicklung am europäischen Terminmarkt MATIF für Mais. QUELLE: Kaack
Witterungsbedingte Schwankungen in Europa
Der europäische Maismarkt zeigt zwischen 2020 und 2026 deutliche strukturelle und witterungsbedingte Schwankungen. Nach hohen Erntemengen und einem Peak von knapp 66,9 Millionen Tonnen im Jahr 2021 fiel die Produktion 2022 infolge einer außergewöhnlichen Dürre auf etwa 53 Millionen Tonnen. In den Folgejahren setzte eine teilweise Erholung der Hektarerträge ein, sodass 2023 wieder rund 62 Millionen Tonnen erreicht wurden. In den darauffolgenden Jahren sank die Erntemenge erneut, denn es zeichnet sich ein struktureller Trend ab: Während die Hektarerträge sich wieder stabilisieren, geht die Anbaufläche weiter zurück, da Landwirte verstärkt auf alternative Kulturen ausweichen. Entsprechend dürfte die Maisproduktion 2025/26 trotz verbesserter Erträge mit rund 57 Millionen Tonnen auf moderatem Niveau verharren. Insgesamt verdeutlicht die Entwicklung, dass die europäische Maiserzeugung zunehmend weniger von der Fläche, sondern stärker von klimatischen Einflüssen und Ertragsvolatilitäten geprägt ist.
Jetzt auch im Südzucker-Fokus
Seit 20 Jahren ist Mais ein wichtiger Rohstoff für die Ethanolproduktion der CropEnergies Bioethanol GmbH in Zeitz. Durch die besondere Situation auf den Zuckermärkten rückte Mais aber auch in den Fokus der Südzu-cker AG. Aufgrund notwendiger Flächenreduzierungen beim Rübenanbau bot CropEnergies eine Alternative für die Betriebe im Zeitzer Einzugsgebiet: Mais statt Rüben.
In hervorragender Zusammenarbeit aller Beteiligten gelang es, zunächst für die Nassmaiskampagne 2026 eine Menge von rund 16.000 Tonnen Nassmais zu kaufen, die ab Ende September bis Mitte November 2026 an die CropEnergies-Ethanolanlage in Zeitz geliefert wird. Neben Ethanol entsteht daraus hochwertiges Protein-Futtermittel.
Perspektiven
Es gibt im europäischen Maismarkt nur sehr eingeschränkte Wachstumsperspektiven. Auch zur bevorstehenden Ernte zeichnen sich klimatische He-rausforderungen ab – insbesondere in Südfrankreich, aber auch Ungarn kann es zu großen Angebotseinschränkungen kommen. Die Maispreise liegen aktuell rund 20 Euro über Weizen, was den Rohstoff für viele Verarbeiter unattraktiver macht. Neben den preislichen Hürden waren in den letzten Jahren auch immer wieder erhebliche Qualitätsherausforderungen zu meistern: Die Schimmelpilzgifte Aflatoxin und Deoxynivalenol lagen bei vielen Herkünften deutlich über den für die Verarbeitung zugelassenen Werten. So musste sehr viel Körnermais in Biogasanlagen verwertet werden. In Deutschland könnten aber gerade die regulatorischen Änderungen bei Biogasanlagen dazu führen, dass diese weniger Mais verwenden und so mehr Körnermais zur Verfügung steht. Dies käme auch dem CropEnergies-Werk in Zeitz zugute, da es auf regionale Beschaffung setzt.

Bernhard Dahmen Director Commercial Line Plants and Proteins, CropEnergies AG

