Gespräche übers Steckenpferd
Ehrenamtliche und Seelsorger kümmern sich um kranke Menschen in der Main-Klinik
Gespräche übers Steckenpferd
Ehrenamtliche und Seelsorger kümmern sich um kranke Menschen in der Main-Klinik
Krankenschwestern fehlt oft Zeit für ausführliche Gespräche mit ihren Patienten. Zu viel ist zu tun auf den Stationen. „Deshalb ist es so schön, dass es den Besuchsdienst EmMa gibt“, sagt Siegfried Dietl. Der 79-Jährige hat soeben seine vierte Bauch-OP hinter sich. Viele Wochen lag er in den vergangenen zehn Jahren in der Ochsenfurter Main-Klinik. „2008 ging es mit meinen Darmproblemen los“, erzählt er der Ehrenamtlichen Margit Morgenroth vom EmMa-Team, die heute bei ihm am Bett sitzt.
Siegfried Dietl ist ein aktiver Mensch. In seiner Freizeit macht er gern Musik. Momentan kann der Senior jedoch nicht viel tun: „Man versucht in der Klinik jeden Tag, die Zeit irgendwie herumzubringen.“ Die Besuche von Margit Morgenroth sind für ihn Lichtblicke. Denn mit ihr kann er wunderbare Gespräche führen: „Und zwar nicht nur über die Krankheit, sondern über vieles Andere.“ Etwa über die Familie oder über sein Steckenpferd, die Musik.
Seit fünf Jahren engagiert sich Margit Morgenroth als „Ehrenamtliche Mitarbeiterin“ – so die Langversion der Abkürzung EmMa. Genauso lange gehört Luise Müller dem Team an. Die 66-Jährige hatte es kürzlich mit einem an Demenz erkrankten Patienten zu tun. Als sie zu ihm ins Zimmer kam, fand sie ihn in ziemlicher Aufregung vor: „Er war überzeugt, man würde ihn beschuldigen, etwas gestohlen zu haben.“ 30 Mal äußerte der verwirrte Mann: „Ich war es nicht, bitte glauben Sie mir!“
Mit unendlicher Geduld gelang es Luise Müller, den Senior zu beruhigen. Sie ging mit ihm nach draußen, wo er durch einen Kran abgelenkt wurde. Wie Müller erfuhr, hatte er einst beruflich mit Kränen zu tun. Allmählich kam der Mann auf andere Gedanken.

Der evangelische Pfarrer Robert Foldenauer (links) und der katholische Diakon Norbert Hillenbrand (rechts) kümmern sich um die Patienten der Main-Klinik.
Neben neun EmMa-Mitarbeitern kümmern sich der katholische Diakon Norbert Hillenbrand und der evangelische Pfarrer Robert Foldenauer um die Patienten der Main-Klinik. Die Begegnungen der beiden Seelsorger mit den Kranken sind jenen der Mitarbeiter aus dem EmMa-Team sehr ähnlich. „Wir kommen keineswegs erst dann, wenn es mit dem Leben zu Ende geht“, sagt Norbert Hillenbrand.
Der Diakon ist häufig in der Klinik zugange: „Meist an zwei bis drei Vormittagen pro Woche.“ An der Pforte erhält er eine Liste jener Patienten, die einen Besuch wünschen. Vor allem Kranke, die mehrere Wochen in der Klinik liegen müssen, freuen sich, wenn der Seelsorger kommt. Von ihm erhoffen sie sich Zuspruch, Mut und Stärkung.
Norbert Hillenbrand und Robert Foldenauer sprechen mit den Patienten über alles, was diese gerade bewegt. Wobei meist früher oder später religiöse Fragen auftauchen: „Was habe ich getan, dass mich Gott so bestraft?“ Die Seelsorger geben ihrer Überzeugung Ausdruck, dass eine Krankheit keine Strafe Gottes darstellt.
„Doch vielleicht ist es möglich, hinter der Erkrankung einen Sinn zu entdecken“, sagt Robert Foldenauer, der einmal in der Woche Patienten in der Klinik besucht. Menschen verlangen danach, einen Sinn zu entdecken in dem, was ihnen zustößt, betont er. Auch Krankheiten würden leichter ertragen, gelinge es, sie nicht ausschließlich als Störung des Lebensplans anzusehen.
Oft fordert Robert Foldenauer die Patienten im Gespräch auf, einmal darüber nachzudenken, ob in der Krankheit nicht irgendetwas Positives zu entdecken sei. Viele, so der Seelsorger, reagieren zunächst irritiert. Doch manche Patienten erkennen, dass die Krankheit durchaus einen Sinn haben könnte: „So sagte mir eine Patientin, dass sie in der Klinik nach einer langen Zeit, in der sie sich nur um ihre Familie gekümmert hat, endlich wieder einmal zu sich kommt.“ Es tue gut, meinte die kranke Frau, einmal gar nichts machen zu müssen.
An jedem Mittwoch um 18.30 Uhr findet ein Gottesdienst in der Kapelle der Klinik statt. Patienten, denen es nicht möglich ist, zur Feier zu gehen, können ihn live in ihrem Zimmer über den Fernseher mitverfolgen. Dies ist seit dem Jahr 2006 dank des Fördervereins der Klinik möglich. Der übernahm die Kosten für eine Übertragungskamera, die in der Kapelle installiert wurde. Ab 19.15 Uhr begeben sich die Seelsorger auf die Zimmer, um nicht mobilen Patienten die Heilige Kommunion oder das Abendmahl auszuteilen.
A propos Förderverein: Der unterstützt seit vielen Jahren auch den ehrenamtlichen Besuchsdienst. Die knapp 50 Vereinsmitglieder übernehmen zum Beispiel Schulungskosten oder finanzieren Bücher und Spiele. Auch die Seelsorge wird weiterhin unterstützt. So wurden unlängst Gebets- und Gesangsbücher angeschafft.
Weitere Informationen
Männer und Frauen aus dem Landkreis, die selbst ehrenamtlich bei EmMa tätig werden wollen, können Sie sich an Bettina Albert wenden. Telefon: 09331/908-7312 oder per E-Mail: bettina.albert@main-klinik.de."